Bayer gegen 96 - das Duell der Unzufriedenen

André Breitenreiter

Vor dem 8. Bundesliga-Spieltag

Bayer gegen 96 - das Duell der Unzufriedenen

Von Jörg Strohschein

Weder bei Bayer 04 Leverkusen noch bei Hannover 96 ist die bisherige Bundesligasaison so verlaufen, wie es sich die Verantwortlichen beider Klubs vorgestellt hatten. Das Spiel im Rheinland könnte personelle Konsequenzen nach sich ziehen - auf den Cheftrainerposten.

Es war an der Zeit, mal wieder die Familie zu besuchen. Schließlich kommt Heiko Herrlich aus Freiburg. Und da passte es ganz gut, dass seine Mannschaft zuletzt im Breisgau antreten musste. Der Trainer von Bayer 04 Leverkusen besuchte nach dem Abpfiff seine Mutter sowie ein paar alte Freunde. Das für die Leverkusener erneut ernüchternde 0:0 gegen das Team von Christian Streich dürfte bei diesen privaten Treffen eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben.

Mittlerweile ist Herrlich natürlich auf den Trainingsplatz zurückgekehrt - und auch wieder im Verteidigungsmodus angekommen. Ein Zustand, den der 46-Jährige bereits seit dem Saisonbeginn eingenommen hat. Es läuft nicht rund bei der Werkself.

Zweifel an Heiko Herrlich

Sieben Punkte nach sieben Spieltagen sind eine Bilanz, mit der niemand aus dem Klub zufrieden sein kann. Angelastet wird das zuerst Herrlich. "Ich bin seit 1989 im Profifußball aktiv. Als junger Spieler hat mich so etwas sicherlich mehr heruntergezogen als jetzt mit mehr Erfahrung", sagt der Coach.

Vor allem Herrlichs Umgang mit der sportlichen Krise sorgt bei manch einem Fan und Beobachter für Zweifel. Gerade einmal sieben Tore haben die Rheinländer bislang zustande gebracht, bereits 13 Treffer kassiert. Die Abstimmung zwischen Offensive und Defensive ist noch nicht gefunden.

Zudem sind Spieler wie Leon Bailey, Karim Bellarabi oder der brasilianische Neuzugang Paulinho noch lange nicht die Leistungsträger, die sie sein sollen. Sie sind außer oder noch nicht in der nötigen Form, um der Mannschaft den nötigen Aufschwung zu geben. "Es geht um Kleinigkeiten in unserem Spiel, die jedoch eine große Wirkung haben, um bestimmte Lauf- und Passwege", sagt Herrlich.

Bei einem Remis oder gar einer Heim-Niederlage gegen Hannover 96 dürfte es schwierig für Herrlich werden, seine Argumentation aufrecht zu erhalten. Denn damit wäre das Saisonziel, die Champions-League, erst einmal weit weg.

Sportdirektor Heldt stärkt Trainer Breitenreiter den Rücken

Ähnlich unzufrieden wie die Rheinländer sind derzeit auch die Niedersachsen aus Hannover. Das Team von Trainer André Breitenreiter hat lediglich fünf Punkte auf dem Konto. Auch wenn als Saisonziel der Nichtabstieg im Vordergrund steht, ist der bisherige Saisonverlauf unbefriedigend. Sportdirektor Horst Heldt fühlt sich jedenfalls schon dazu aufgerufen, den Coach zu stützen.

"Es ist unsere volle Überzeugung, dass wir André Breitenreiter den Rücken stärken. Das ist jetzt unsere erste Krise gewesen. Es wäre nicht gerecht, dann sofort alles in Frage zu stellen", sagte Heldt nach dem ersten Saisonsig der Hannoveraner. 96 schlug den VfB Stuttgart vor der Länderspielpause mit 3:1, was zu kollektiver Erleichterung führte.

Ein weiteres positives Ereignis dürfte neuen Optimismus geben. Daran könnte der bislang starke Neuzugang Walace großen Anteil haben. Der brasilianische Verteidiger ist der einzige Spieler in der langen Vereinsgeschichte, der für die brasilianische "Selecao" aufgelaufen ist. "Ich kann mich nicht erinnern, in all den Jahren einen so guten Spieler gehabt zu haben. Er hat eine super Technik, ein gutes taktisches Verständnis und den schiebst du nicht so leicht vom Stuhl", sagt Heldt.

Dass der 96-Manager den 23-Jährigen aufgrund einer Ausstiegsklausel im Sommer 2019 für eine festgeschriebene Ablösesumme von rund 37 Millionen Euro verkaufen könnte, dürfte die Laune in Hannover zumindest nicht verschlechtern.

Stand: 19.10.2018, 08:30

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