Gladbach gegen Leverkusen - spielerisch in die Champions League

Kai Havertz

Vorentscheidendes Duell am 27. Spieltag

Gladbach gegen Leverkusen - spielerisch in die Champions League

Von Christian Hornung

Im Kampf um die Königsklasse steigt am 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga ein vorentscheidendes Duell: Die derzeit enorm spielstarken Teams aus Gladbach und Leverkusen treffen aufeinander. Der Sieger darf sogar noch auf mehr hoffen.

In was für einem personellen Luxus die Leverkusener derzeit schwelgen, war am vergangenen Montag (18.05.2020) mit einem Blick auf die Ersatzbank zu bestaunen. Obwohl Kevin Volland wegen der Folgen des Syndesmosebandrisses im Februr immer noch ausfiel, saßen da beispielsweise Lucas Alario, Jonathan Tah, Karim Bellarabi, Leon Baily und Paulinho. Bei der Besetzung seiner Startelf hatte sich Peter Bosz für den gerade erst 17-jährigen Florian Wirtz entschieden.

Havertz dankt seine neue Freiheit

Auf eine echte Spitze verzichtete er ganz, ließ stattdessen Kai Havertz immer wieder ganz vorn reinstoßen. Das Resultat war eine brillante Vorstellung, bei der Werder Bremen mit dem 1:4 am Ende noch glänzend bedient war. Havertz bedankte sich für seine Freiheit vorne mit zwei Kopfballtreffern und hat nun in der Rückrunde bereits sechs Mal getroffen.

Aber auch in Mönchengladbach ist es derzeit eine der Hauptaufgaben von Marko Rose, sich einfühlsam um seine prominenten Reservisten zu kümmern. Beim spielerisch ebenfalls hervorragenden 3:1 in Frankfurt musste er beispielse Nationalspielern wie Lars Stindl, immerhin Kapitän, Christoph Kramer und Patrick Herrmann erklären, warum für sie derzeit kein Platz in der ersten Elf ist. Kramer - obwohl mit Denis Zakaria ein Schlüsselspieler nach Knie-OP fehlt - und auch Raffael wurden nicht mal eingewechselt.

Marco Rose: "Alle Derbys für uns entscheiden" Sportschau 21.05.2020 01:20 Min. Verfügbar bis 21.05.2021 Das Erste

Bayer mehr über die Flügel, Gladbach durchs Zentrum

Für das direkte Duell dieser beiden Mannschaften am Samstag (23.05.2020, 15.30 Uhr, Live-ticker bei sportschau.de, Ausschnitte in der Sportschau ab 18 Uhr) bedeuten diese enormen Variationsmöglichkeiten viel. Beide Trainer werden es schwer haben, die Ausrichtung des Kontrahenten perfekt zu antizipieren und die gegnerischen Stärken weitgehend zu neutralisieren. Wobei die generelle Ausrichtung der beiden Teams ähnlich ist: möglichst wenig Zeit im Mittelfeld verschwenden, dafür zielstrebig den Abschluss suchen.

Alassane Plea

Alassane Plea trifft in Frankfurt - der Franzose steht für die Wucht im Gladbacher Sturmzentrum

Gladbach trägt dabei die Angriffe öfter durch das wuchtig besetzte Zentrum vor und hat durch Alassane Plea und Marcus Thuram mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum, Bayer spielt immer wieder über die schnellen Außen, was für Probleme bei den Borussen sorgen könnte.

Leverkusen laufstärker, aber zweikampfschwächer

Bei den statistischen Werten der bisherigen 26 Partien spricht vor allem die Laufstärke für Leverkusen: Mit insgesamt 3.116,4 Kilometern hat Bayer von allen 18 Teams den größten Aufwand betrieben, Gladbach folgt mit 65 Kilometern weniger auf Rang sechs.

Auch bei den Sprints und intensiven Läufen liegt die Mannschaft von Peter Bosz deutlich vor dem VfL. Leverkusen hat auch die bessere Passquote (87 zu 83 Prozent angekommene Zuspiele), dafür ist Gladbach bei den gewonnenen Zweikämpfen an der Ligaspitze: 2.953, Bayer hat gut 100 weniger für sich entschieden (Rang sechs).

Bosz über Partie gegen Gladbach: "Topspiel" Sportschau 22.05.2020 00:23 Min. Verfügbar bis 22.05.2021 Das Erste

Ginter und Tapsoba sorgen für Stabilität

Deutlich stabilisiert haben beide Mannschaften in dieser Saison ihre Defensive, jeweils 31 Gegentreffer werden nur von den Bayern und RB Leipzig unterboten. In Gladbach steht vor allem Matthias Ginter mit einer blitzsauberen Saison für die große Stabilität, aber auch Nico Elvedi hat nochmal an Zuverlässigkeit gewonnen.

Bei den Leverkusenern ist Rudi Völler und seiner Scoutingabteilung aber gerade wieder ein grandioser Griff gelungen. Der erst 21-jährige Edmond Tapsoba aus Burkina Faso, der im Januar von Vitoria Guimaraes verpflichtet wurde, spielt wie ein künftiger Weltstar: technisch top, mit unglaublicher Ruhe, Klasse-Stellungsspiel und auch noch stark in der Spieleröffnung.

Ähnliches Restprogramm mit Bayern-Duell

Tabellarisch geht Gladbach mit einem leichten Polster von zwei Punkten in die Partie, könnte also auch mit einem Unentschieden prima leben. Das Restprogramm beider Teams ist ähnlich: Gladbach und Leverkusen haben die Duelle mit Dortmund und Leipzig schon hinter sich, Bayer empfängt am 30. Spieltag noch die Bayern, Gladbach muss eine Woche danach zum Rekordmeister reisen.

Mehr Augenhöhe geht also kaum - es spricht sehr viel für ein ausgeglichenes und spielerisch hochwertiges Duell, in dem sich sicher viele Fans ins Stadion wünschen würden. Sollte Gladbach die Partie gewinnen, wären dann fünf Punkten Vorsprung auf Leverkusen schon ein Ausrufezeichen in Richtung Königsklasse. Sogar im Titelrennen könnte der VfL dann noch ein kleines Wörtchen mitreden.

Stand: 21.05.2020, 08:30

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