Bayerns Niko Kovac - alles richtig gemacht

Unterredung: Niko Kovac stimmt seine Spieler auf die Champions League ein

Bayern München - FC Augsburg

Bayerns Niko Kovac - alles richtig gemacht

Bayern Münchens neuer Trainer Niko Kovac hat einen Saisonstart nach Maß hingelegt. Irgendwie scheint der Mann derzeit alles richtig zu machen. Vor allem im Umgang mit seinen Stars.

Die Bilanz ist beeindruckend. Nach vier Spieltagen in der Fußball-Bundesliga führt Rekordmeister Bayern München die Tabelle schon wieder souverän an. Als einziges Team sind die Bayern noch ohne Punktverlust, sie haben die meisten Treffer geschossen und die wenigsten kassiert, und alles andere als Sieg Nummer fünf daheim gegen Augsburg wäre eine Sensation. Nebenbei gab es souveräne Siege in DFB-Pokal und Champions League. "Die Überlegenheit der Bayern ist frappierend", sagt Schalkes Sportvorstand Christian Heidel und glaubt an einen weiteren Alleingang der Bayern: "Ich kann mir schwer vorstellen, dass sie ein Spiel verlieren."

Dabei hatte es schon das Münchner Auftaktprogramm in sich. Hoffenheim war in der vergangenen Saison Dritter geworden, Stuttgart immerhin Siebter, Leverkusen Vierter und Schalke Zweiter.

Meister der Rotation

Und dann kam ja im Sommer auch noch ein neuer Trainer von Eintracht Frankfurt. Niemand konnte so recht wissen, wie es unter Kovac läuft. Der war zwar schon als Spieler an der Säbener Straße erfolgreich, doch würde er das auch als Coach sein? Und wie würde er die Stars bei Laune halten? Denn vor allem darum geht es im Luxuskader der Münchner.

Gerade das macht Kovac ausgezeichnet. In vier Bundesliga-Partien kamen schon 19 Spieler zum Einsatz. "Der Trainer macht es mit der Rotation sehr gut. Die Spieler ziehen gut mit. Daher haben wir eine gute Atmosphäre. Dann kommen solche Ergebnisse dabei raus", sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Er hat eine ziemlich klare, ehrliche Ansprache der Mannschaft gegenüber. Ich finde es sehr gut, wie er bisher den Job interpretiert. Er macht es mit großer Sympathie", erklärt auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Dies sei "der Beweis, dass wir mit Niko den richtigen Trainer geholt haben".

Kovac: "Wir werden von allen gejagt"

Sportschau 25.09.2018 00:24 Min. ARD

Streicheleinheiten für die Stars

Der 46-Jährige kann dabei sogar auf die persönlichen Befindlichkeiten seiner Stars Rücksicht nehmen. Zum Beispiel in der Champions League bei Benfica Lissabon. Da brachte er völlig überraschend Renato Sanches von Beginn an, und der dankte es ihm gegen seinen Ex-Klub mit einer Topleistung und einem Tor. Thomas Müller, der zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, kam dank Kovac dennoch zu seinem 100. Einsatz in der Königsklasse. Auch Leon Goretzka stand gegen seinen Ex-Klub Schalke zuletzt in der Startelf. Und Serge Gnabry, eigentlich nicht unbedingt erste Wahl, rückte in Leverkusen in die erste Elf. Das nennt man dann wohl Fingerspitzengefühl, und in München scheint es zurzeit keinen Verlierer zu geben.

Der ständige Personalwechsel trägt dazu bei, dass es auf dem Platz kaum Nachlässigkeiten gibt. Irgendwie scheinen zurzeit alle glücklich zu sein im München. Wer spielt, ist hochmotiviert und sucht seine Chance. Müller freut sich darüber, "dass wir in einer Top-Verfassung sind und jedes Spiel die Qualität und die Intensität auf den Platz bringen".

Ruhiger Umgang mit Ribéry

Das merkt man vor allem auch in der Defensive. Nur zwei Gegentore gab es bisher, gegen Schalke ließen die Münchner nur zwei Halbchancen zu. "Dass Schalke keine Tormöglichkeiten hatte, spricht für meine Mannschaft", sagt Kovac.

Und wenn dann doch mal einer querschlägt, moderiert Kovac das locker weg. So regte sich Franck Ribéry über seine Auswechslung gegen Schalke auf, und Kovac sagte nur: "Er war überhaupt nicht sauer, er hätte gerne durchgespielt, aber ich habe ihm gesagt, du hast ein supergutes Spiel gemacht, aber der Serge möchte auch noch ein paar Minuten spielen. Wir sind eine Mannschaft, da gönnt es jeder dem anderen."

Boateng und Lewandowski besänftigt

Das Team der Bayern scheint wieder enger zusammen gerückt zu sein. Innenverteidiger Jérôme Boateng verschwendet derzeit keinen Gedanken mehr an einen Wechsel zu Paris Saint-Germain. Wohl auch weil Kovac ihm im Vier-Augen-Gespräch erklärt hat, wie wichtige er für ihn sei. Auch Robert Lewandowski spürt offenbar das volle Vertrauen des Coaches. Drei Tore in der Liga und eins in der Champions League sprechen für sich, und von Real Madrid ist keine Rede mehr.

Das Erfolgsgeheimnis des Trainers ist es auch, dass er den FC Bayern nicht komplett umgekrempelt hat. Spielstil und Philosophie haben sich nicht verändert, selbst die taktische Formation nicht. Niemand wurde aussortiert, niemand extra für viel Geld verpflichtet. Das Spiel der Bayern erinnert sehr an das unter Jupp Heynckes im vergangenen Jahr.  

Warnung vor dem Schlendrian

Eine erste Bilanz seiner Arbeit will Kovac selbst erst im Oktober ziehen. Er weiß, dass die großen Aufgaben erst im kommenden Frühjahr kommen, wenn es in der Champions League auf die Zielgerade geht. Auf die vorzeitigen Glückwünsche zur Meisterschaft gibt er nichts. "Ich lasse mich nicht einschläfern von den Kollegen", sagt er. Und an seine Spieler hat er eine klare Ansage: "Ich warne davor, alles zu rosig zu sehen und zu denken, wir könnten mit halber Kraft agieren."

sid/dpa/red | Stand: 25.09.2018, 11:17

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