Videobeweis - das entscheidende Bild fehlte in Gladbach

Manuel Gräfe beim Videobeweis

Video-Assistent bei Mönchengladbach - Dortmund

Videobeweis - das entscheidende Bild fehlte in Gladbach

Von Chaled Nahar

Der Pass von Marco Reus auf Jadon Sancho zum 1:0 für Dortmund in Mönchengladbach war im Aus - oder doch nicht? Der Video-Assistent konnte keine Klarheit bringen, denn das entscheidende Bild fehlte.

Als Marco Reus den Ball in der 45. Minute zu Jadon Sancho spielte und dieser das 1:0 für den BVB schoss, herrschte helle Aufregung in Mönchengladbach - und vielleicht auch in München. Denn der Ball schien auf den Fernsehbildern im Aus zu sein. Direkt nach dem Tor waren Bilder zu sehen, die aber allesamt das Geschehen von der Seite zeigten. War der Ball wirklich im Aus? Oder ragte er möglicherweise noch minimal in den Luftraum der Torauslinie?

Drei Probleme für das Schiedsrichterteam

Schiedsrichter Manuel Gräfe in Mönchengladbach und sein Video-Assistent Bastian Dankert in Köln hatten gleich drei Probleme:

1. Die Kamera, die sich auf Höhe der beiden Torpfosten befindet und meist bei der Torlinientechnik die Beweisführung für ein Tor unterstützt, zeichnet nicht von einer Eckfahne bis zur anderen auf. Auf den Bildern, die diese Kamera zeigte, war Marco Reus zwar zu sehen - nicht aber seine Füße und auch nicht der Ball. Den Fernsehzuschauern wurde das Bild gar nicht erst gezeigt. Das entscheidende Bild fehlte.

2. Die anderen Einstellungen, die allesamt aus einem bestimmten Winkel aufgenommen wurden, ließen keinen finalen Schluss zu.

3. Wie erklärt man im Stadion nun, dass die Situation auch mit Video-Assistent nicht zu lösen ist?

Ein bisschen Grün ist zu wenig Grün

Gräfe verteidigte seine Entscheidung: "Mir war wichtig, die Wahrnehmung vom Assistenten nochmal abzugleichen." Und die sei dieselbe wie auf den Bildern gewesen, sagte er: "Es ist ein bisschen Grün zu sehen am Boden, aber der Ball ist nun mal rund. Und die Kugel ist an der Stelle eben nicht komplett im Aus." Ein bisschen Grün war also zu wenig Grün.

Manuel Gräfe bemängelt "Grenzen der Technik"

Sportschau 18.05.2019 01:16 Min. Verfügbar bis 18.05.2020 ARD

Bei Entscheidungen, die ohne Interpretationsspielraum in die eine oder andere Richtung entschieden werden können, verlässt sich der Schiedsrichter gewöhnlich auf das Urteil des Video-Assistenten per Funk. Ob ein Ball im Aus war oder nicht ist eine solche "faktische Entscheidung". Trotzdem ging Hauptschiedsrichter Gräfe sogar gemeinsam mit einem Assistenten an den Bildschirm.

Die Situation war potenziell entscheidend für die Meisterschaft - zu diesem Zeitpunkt stand es in München erst 1:0 für die Bayern. Es sei um so viel gegangen, sagte Gräfe: "Wir haben gesagt: Wir wollen, dass der Schiedsrichter auf dem Feld das entscheidet." Der Schiedsrichter darf laut Protokoll des IFAB auch zum Bildschirm gehen, um eine Entscheidung "zu verkaufen", also eine höhere Akzeptanz zu erreichen.

Gräfe: "Torauslinienkamera wäre schön"

Unbefriedigend ist diese Lösung allemal, denn der Video-Assistent verspricht ja eigentlich eine größere Genauigkeit. Der DFB reagierte zuletzt auf Systemfehler beim Video-Assistenten. Die den gesamten Platz einfangende "Taktik-Kamera" wurde nach einer schwierigen Abseitsentscheidung bei einem langen Pass auch für den Video-Assistenten eingeführt. Seit dem "Halbzeit-Elfmeter" von Mainz gegen Freiburg muss sich der Video-Assistent per Funk beim Schiedsrichter abmelden.

Manuel Gräfe hat eine andere gute Idee: "Es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir eine 'Torauslinienkamera' gehabt hätten. Dann hätten wir ganz objektiv sagen können: Der Ball ist im Spiel und die Entscheidung war korrekt. So zweifelt der ein oder andere vielleicht nochmal."

Dr. Jochen Drees, Projektleiter Video-Assistent beim DFB, sieht das genauso. "Alles, was uns weiterhilft, solche Situationen zweifelsfrei aufzulösen, begrüße ich", sagt Drees im Gespräch mit sportschau.de über eine mögliche "Torauslinienkamera". Dass in Gladbach Restzweifel blieben, sei der Tatsache geschuldet, dass die Außenlinien nicht entsprechend aufgenommen würden: "Derzeit müssen wir uns an dem bedienen, was wir haben."

Reus: "Für mich war er aus"

Ein entscheidend Beteiligter sah das alles übrigens ganz anders. Marco Reus, der den umstrittenen Ball gespielt hatte, sagte freimütig: "Ich hab's ehrlich gesagt gerade erst gesehen und für mich war er aus."

Reus zum Videobeweis: "Für mich war der Ball im Aus"

Sportschau 18.05.2019 00:08 Min. Verfügbar bis 18.05.2020 ARD

Stand: 18.05.2019, 20:10

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