Videobeweis - jetzt sollen Ex-Spieler ran

Hannovers Jean-Philippe Mateta sinkt zu Boden

Nach Ärger in Mainz

Videobeweis - jetzt sollen Ex-Spieler ran

Nach dem jüngsten Ärger um den Videobeweis will sich der DFB jetzt offenbar Hilfe holen - und zwar bei ehemaligen Bundesliga-Spielern.

Es war der Aufreger des 14. Bundesliga-Spieltages: Beim Spiel zwischen Mainz und Hannover entschied Schiedsrichter Robert Hartmann in der 86. Minute auf Elfmeter für Mainz, obwohl Jean-Pierre Mateta ohne Zutun seines Gegenspielers wie vom Blitz getroffen dahinsank.

Der Video-Schiedsrichter in Köln hätte den Referee auf seine offensichtliche Fehlentscheidung aufmerksam machen müssen. Das tat Patrick Ittrich aber nicht. Deshalb war die Aufregung um den Videobeweis an sich mal wieder groß.

"Noch nie selber gespielt"

"So können wir den Videobeweis abschaffen. So macht es keinen Sinn, einen Assistenten einzusetzen, der für Gerechtigkeit sorgen soll", sagte 96-Trainer Andre Breitenreiter: "Wenn solche Dinge nicht gesehen werden, stellt sich die Qualitätsfrage. Ich erwarte, dass der Video-Assistent das sieht - wir haben doch angeblich die besten Schiedsrichter der Welt." Und Abwehrspieler Matthias Ostrzolek sagte: "Ich weiß nicht, weshalb wir einen Videoschiedsrichter haben. Der in Köln gesessen hat, hat noch nie selber gespielt. Das war eine glasklare Fehlentscheidung."

96-Coach Breitenreiter: "Es ist mir unerklärlich"

Sportschau | 11.12.2018 | 00:50 Min.

"Erklären, was ein Foul ist"

Genau da will der Deutsche Fußball-Bund jetzt offenbar nachbessern. Denn nach "Bild"-Informationen sollen in Zukunft ehemalige Profis den Schiedsrichten zur Seite stehen. Der DFB habe einen "Geheimplan" entwickelt, schreibt die Zeitung. "Um endlich eine einheitliche Linie zu finden", sollten Ex-Spieler die Unparteiischen "unterstützen und ihnen erklären, was ein Foul, was eine Schwalbe und wann ein Handspiel absichtlich ist", heißt es.

 "Total sinnvoller Vorschlag"

Der zuständige DFB-Projektleiter Jochen Drees sagte der "Bild": "Ehemalige Profis mit ins Boot zu nehmen, ist ein total sinnvoller Vorschlag. Ich bin dafür sehr offen, das werden wir diskutieren. Ehemalige Spieler haben noch mal eine andere Sichtweise auf Situationen, das kann uns weiterhelfen. Wir haben die Weisheit ja nicht mit Löffeln gegessen, versperren uns keinen neuen Ideen."

Drees gibt Fehler zu

Drees hatte Verständnis für den jüngsten Ärger über den Videobeweis geäußert. In einem Interview auf der DFB-Homepage räumte er Fehler ein. Der Foulelfmeter zum 1:1-Ausgleich für Mainz gegen Hannover sei "regeltechnisch falsch" gewesen. Es wäre unbedingt notwendig gewesen, dass sich der Unparteiische selbst ein Bild aufgrund des vorliegenden Bildmaterials macht, weil er keine ausreichende Wahrnehmung des Zweikampfes gehabt habe. "Ich bin mir sicher, dass die ursprüngliche Entscheidung dann von Robert Hartmann korrigiert worden wäre", sagte Drees.

Ex-Spieler wohl nicht selbst in Köln 

Laut "Bild" sollen die Ex-Profis die Schiedsrichter zunächst mit Videos schulen. Im Raum der Videoassistenten in Köln sollen sie erst einmal nicht eingesetzt werden. Der DFB befürchte zu viel Chaos und Diskussionen zwischen Video-Assistenten und Ex-Profis bei kniffligen Situationen. Ob der DFB mit den Schiri-Schulungen Anfang Januar im Portugal-Trainingslager startet, ist noch offen. Drees: "Viel Zeit ist bis dahin nicht mehr, aber wir werden die Bereitschaft ehemaliger Spieler mal abklopfen."

Über diese Partie berichtete der WDR in der Sendung "Sportschau Bundesliga am Sonntag", WDR Fernsehen, ab 21.45 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 11.12.2018, 12:42

Darstellung: