Häufig verletzte Fußball-Profis - Druck als mögliche Ursache

Verletzungen in der Bundesliga

Sportreport der Unfallversicherung VBG

Häufig verletzte Fußball-Profis - Druck als mögliche Ursache

Von Olaf Jansen

Die gesetzliche Unfallversicherung VBG schlägt Alarm: Fußballprofis sind im Vergleich mit anderen Sportarten Tabellenletzte, was ihre Gesundheit betrifft. Ein Grund dafür könnte der enorme Druck sein.

Die Zahlen sind erstaunlich: Wie die gesetzliche Unfallversicherung VBG (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft) in ihrem Sportreport 2020 mitteilt, erleidet jeder Profisportler der vier größten deutschen Mannschaftssportarten Basketball, Eishockey, Fußball und Handball durchschnittlich 2,3 Verletzungen pro Saison. Bei 3.070 Spielern der betreffenden Profiligen kommt die VBG damit auf Heilbehandlungs- und Entgeltkosten von über 9,3 Millionen Euro.

Fußballprofis: Durchschnittlich 31 Tage verletzt

Handlungsbedarf sieht die VBG dabei vor allem im Profifußball, wo die Verletzungshäufigkeit ebenso wie im Basketball, aber im Gegensatz zum Handball und Eishockey ansteigend ist. Im Durchschnitt fiel im Untersuchungszeitraum 2018/19 ein eingesetzter Spieler mehr als 31 Tage der Saison verletzungsbedingt aus.

Das sind rund drei Tage mehr als in den vorherigen Spielzeiten. "Wir erkennen beim Fußball, wie auch in den drei weiteren Profi-Sportarten, eine Verletzungs-Häufigkeit, die sicherlich verbesserungswürdig ist", sagt Christian Klein, VBG-Präventions-Experte Sport.

In den zwei deutschen Profiligen haben sich in der Saison 2018/19 82,7 Prozent aller Spieler mindestens einmal verletzt. Im Schnitt kam jeder der 958 eingesetzten Spieler im Saisonverlauf auf 2,7 Verletzungen.

Klein: "Verbesserungspotenzial im medizinischen Bereich" Sportschau 20.04.2021 08:26 Min. Verfügbar bis 20.04.2022 Das Erste

Enorm unterschiedliche Ausfallzeiten bei den Vereinen

Auffällig dabei: Die Häufigkeit der Verletzungen ist bei den Vereinen sehr unterschiedlich. Mit einer Spannweite zwischen 3,1 und 40,7 Ausfalltagen pro absolviertem Pflichtspiel hat der am schlechtesten abschneidende Verein im Ranking mehr als 13 Mal so viele Ausfälle zu beklagen wie der beste.

Die Gründe für diese Unterschiede innerhalb der Bundesliga sind ebenso erstaunlich wie schwer zu erklären. Christian Klein hat Vermutungen: "Wir erkennen beim Profifußball einen sehr hohen Erfolgsdruck, der zu häufigen personellen Wechseln nicht nur beim Cheftrainer, sondern auch beim übrigen Trainerstab und dem medizinischen Personal führt. Hier scheint fehlende Kontinuität auch im Hinblick auf Verletzungen ein Faktor zu sein."

Druck im Profifußball: Einsatz trotz Verletzung

Hinzu kommt: Wenn man in der Tabelle schlecht dastehe, rückten medizinische Bedenken gern auch einmal in den Hintergrund, wenn es um die Aufstellung am Spieltag gehe. "Da wird dann angesichts der sportlichen Drucksituation auch einmal ein wichtiger Spieler eingesetzt, obwohl er möglicherweise angeschlagen ist und eigentlich eine Pause bräuchte", so Klein.

Überlastung der Spieler, aber auch unzureichende Prävention - im Fußball scheint beides ein Problem zu sein. Denn die VBG hat auch analysiert, dass die meisten Verletzungen während der jeweiligen Vorbereitungsphasen auf eine Spielzeit passieren: in der Sommer- und Winter-Vorbereitungszeit.

Als Ursachen werden hier die hohe Trainingsintensität und Belastung vermutet. Vor allem muskuläre Blessuren spielen dann eine Rolle: Rund 25 Prozent aller Verletzungen sind muskulärer Art und betreffen die Oberschenkel der Spieler.

Verletzungs-Hotspots im Fußball (Quelle: VBG)
OrtProzentsatz
Oberschenkel25,0
Kniegelenk14,0
Sprunggelenk13,9
Fuß11,6
Unterschenkel11,2

Mehr Oberschenkelverletzungen in der Schlussphase

Signifikant mehr Oberschenkelverletzungen traten zwischen der 75. und 90. Minute auf. Ursache hierfür könnte Ermüdung beziehungsweise Überbelastung der Muskulatur sein. Die Phase mit dem geringsten Verletzungsrisiko waren die 15 Minuten nach der Halbzeitpause.

Viele Verletzungen sind dabei auf bestimmte Situationen und Aktionen im Fußball zurückzuführen: So ereigneten sich Kopfverletzungen am häufigsten bei defensiven Standardsituationen (Flugphase in Kopfballduellen), Oberschenkelverletzungen am häufigsten bei eigenen Kontern (Sprints, Dribblings und Ausfallschritte) und Knieverletzungen überwiegend im Gegenpressing bei eigenen Tacklings oder bei Abstoppbewegungen und Landungen.

Zeitpunkt d. Verletzungen (Quelle: VBG)
ZeitpunktProzentsatz
1.-15. Min.17,0
16.-30. Min.17,8
31.-45. Min.21,4
46.-60. Min.11,2
61.-75. Min.16,5
76.-90. Min.15,9
Verlängerung0,2

75 Prozent weniger Verletzungen möglich

Zusammenfassend erkennt die VBG enormes Potenzial - so steht in ihrem Bericht im VBG-Sportreport, dass die Ausfalltage mit besseren Präventionsmaßnahmen erheblich reduziert werden könnten: "Gemessen an den jeweiligen Ligabestwerten wäre über alle vier Sportarten hinweg eine Reduktion um bis zu 75 Prozent möglich."

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Stand: 26.04.2021, 08:03

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