Wie Vereinsstrafen beim DFB zustande kommen

Mönchengladbacher Fans brennen Pyrotechnik beim Spiel in Dortmund ab

Urteile nach Vergehen

Wie Vereinsstrafen beim DFB zustande kommen

Von Michael Buchartz

Teilausschlüsse der Zuschauer oder Geldstrafe? Der DFB bestraft regelmäßig Klubs wegen Fehlverhaltens. Doch wie werden solche Fälle entschieden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Es ist eines der großen Streitthemen zwischen Fans und DFB: Kollektiv- und Vereinsstrafen, besonders im Fall von Pyrotechnik. Zuletzt wurde Borussia Mönchengladbach zu 80.000 Euro verurteilt.

Viele Faktoren spielen eine Rolle. Und vor allem ist viel Grundlagenkenntnis notwendig, um ein Verständnis zu bekommen, wie und warum verurteilt wird. sportschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist die Grundlage?

Die Grundlage für Vereinsstrafen ist das in Deutschland gültige Vereins- und Verbandsrecht. In diesem ist festgelegt, dass Vereine und Verbände eine eigene Satzung aufstellen müssen, in der sie Rechte und Pflichten sowie Regeln für ihren Verband oder Verein festlegen. Der Deutsche Fußball-Bund hat dies in der DFB-Satzung und der Rechts-Verfahrensordnung getan. 

Was unterscheidet das Verbandsrecht vom Strafrecht?

Aufgrund des Verbandsrechtes kann der DFB nur Mitglieder seines Verbandes bestrafen. Da beim DFB die Fußballvereine organisiert sind, kann er nur Strafen gegen die Vereine oder deren Angestellte (Spieler, Trainer, Geschäftsführer etc.) aussprechen - aber zum Beispiel nicht gegen Zuschauer. Der DFB kann zudem nur Vergehen bestrafen, die gegen die eigene Satzung verstoßen.

Die möglichen Strafen müssen in der Satzung festgelegt sein. Das ist anders als im Strafrecht, wo jede Person, die gegen in Deutschland geltende Gesetze verstößt, belangt werden kann. Es ist also gewissermaßen eine Art Paralleljustiz, die dem DFB oft vorgeworfen wird - die allerdings auch in jedem anderen Verband oder Verein genauso existiert, nur in kleinerem Maße.

Wer klagt an?

Ankläger ist - wie auch bei Spielersperren – die "Staatsanwaltschaft“ des DFB: der Kontrollausschuss. Anders als bei Anklagen gegen Spieler besteht nicht die Notwendigkeit einer schnellen Entscheidung, da der direkte Spielbetrieb von Vereinsstrafen nicht beeinflusst wird. So können sich Monate hinziehen, bis ein Verfahren entschieden ist.

Oftmals werden mehrere Verfahren zusammengelegt, wie im Beispiel Borussia Mönchengladbach: Dort wurde der Klub für ein Vergehen von Fans gegen Borussia Dortmund zu einer Geldstrafe von 80.000 Euro verurteilt. Im Gegenzug wurde ein weiteres Verfahren bezüglich des Spiels gegen die TSG Hoffenheim eingestellt.

Wer entscheidet?

Für die Entscheidung sind die Richter des DFB-Sportgerichts zuständig. In den drei Profiligen und dem DFB-Pokal sind dies der Vorsitzende Hans E. Lorenz und sein Stellvertreter Stephan Oberholz. Verfahren werden in Einzelrichterverfahren entschieden - zumeist schriftlich. Im Standardfall stimmt der Verein dem geforderten Strafmaß des Kontrollausschusses zu, und der zuständige Richter im Sportgericht bestätigt dieses nur noch.

Was passiert bei Einsprüchen?

Auch hier sei Borussia Mönchengladbach als Beispiel genannt. Mönchengladbach legte Einspruch gegen das ursprünglich geforderte Strafmaß des Kontrollausschusses von 90.000 Euro ein und konnte zumindest eine Minderung auf 80.000 Euro erwirken. Der Verein begründete dies mit einigen Sicherheitsmaßnahmen, die erfolgreich gewesen seien. Wenn sich Verein und Kontrollausschuss nicht einig sind, folgt ein schriftliches Verfahren - wie bei der Borussia - und ein Urteil durch das Sportgericht.

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Innerhalb von 24 Stunden kann erneut Einspruch eingelegt werden: Dann käme es zu einer "Gerichtsverhandlung“ - das mündliche Verfahren. Bei einer folgenden Berufung entscheidet das DFB-Bundesgericht als letzte Instanz. Dessen Entscheidung kann nicht angefochten werden. Seit der Saison 2018/2019 sind die Urteile inklusive Begründung öffentlich auf der Website des DFB einsehbar.

Warum können Vereine Zuschauer in Regress nehmen?

Lange Zeit war umstritten, ob Vereine die Strafen, die gegen sie ausgesprochen wurden, auf verursachende Zuschauer weiterleiten dürfen. Der Bundesgerichtshof hat dies 2016 bejaht und damit die Grundlage für Regressansprüche geschaffen. Ein Urteil, welches Einfluss auf alle Großveranstaltungen, nicht nur Fußballspiele, nahm: Eine Person, die ein Ereignis besucht, geht einen Vertrag mit dem Veranstalter ein und unterliegt den Regeln, Rechten und Pflichten des Veranstalters.

Verstößt die Person gegen diese, darf der Veranstalter von ihm Schadenersatz fordern. Einen solchen Schaden hat ein Verein bei Fußballspielen unter anderem durch eine Strafe seitens des DFB.

Worst Case für den Verursacher?

Das ist ein teures Vergnügen: Ein Klubmitglied, das beispielsweise im Stadion Pyrotechnik zündet und einen anderen Zuschauer verletzt, kann sowohl vom Verein aufgrund der Vereinssatzung bestraft werden (z.B. Dauerkartenentzug, Ausschluss aus dem Verein), von diesem sowie dem Opfer auf Schadensersatz und vom Staat strafrechtlich noch auf den Tatbestand Körperverletzung verklagt werden.

Stand: 04.04.2019, 09:07

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