FC Bayern - die Baustellen im geplanten Umbruch

Thomas Müller (l.) und Jerome Boateng bei der Niederlage gegen Dortmund

Rekordmeister vor neuer Ära?

FC Bayern - die Baustellen im geplanten Umbruch

Von Julian Tilders

Schon länger fordern Kritiker des FC Bayern München einen strukturellen Umbruch. Nun hat Präsident Uli Hoeneß angekündigt, diesen im Sommer 2019 final zu forcieren. sportschau.de analysiert, was sich verändern könnte.

Als Präsident steht Hoeneß nicht erst seit gestern für klare Ansagen. Bereits vor einigen Wochen stellte er sich bei der Münchner Pressekonferenz polternd vor seine als "Altstars" abgestempelten Fußballer.

Nach der 2:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund verteidigte er seine Mannschaft erneut: "Das mit dem Alter ist alles Käse. Wer unsere Mannschaft in der ersten Stunde gesehen hat, hat gesehen, dass wir ausgezeichneten Fußball spielen können", sagte er bei "Sky". Auch seien mit Kingsley Coman und Corentin Tolisso "die beiden wichtigsten jungen Spieler" schwer verletzt. Hoeneß räumte allerdings ein, dass Bayern vielleicht "etwas dem Tempo Tribut zollen" musste.

Am Samstag (10.11.2018) war die Dortmunder Mannschaft (Altersdurchschnitt 25 Jahre) in der Tat um einiges jünger als die Bayern-Elf (28,7 Jahre).

Hoeneß kündigt zweiten Schritt des Umbruchs an

Dass Handlungsbedarf besteht, verneint die Bayern-Führung dann auch nicht. Transfers im Winter schloss Hoeneß aus, allerdings gebe es Pläne für den Sommer 2019: "Wir werden nächstes Jahr, wenn der zweite Schritt des Umbruchs kommt, sicherlich das Mannschaftsgesicht ziemlich verändern."

Die Altgedienten und Verdienten

Das dürfte in der Defensive beginnen. Dass Mats Hummels (29 Jahre) und Jérôme Boateng (30 Jahre) wichtige Bayern-Säulen sind, steht außer Frage. In der Innenverteidigung stabilisierten sie den Rekordmeister jahrelang auf Weltklasse-Niveau und sorgten maßgeblich dafür, dass viele Titel den Weg in die Münchner Vereins-Vitrine fanden. Doch beide laufen ihrer Höchstform hinterher. Auch Außenverteidiger Rafinha ist mit 33 Jahren keine langfristige Option mehr.

Das zeigt sich auch am Torverhältnis: In der vergangenen Saison hatte Bayern am 11. Spieltag erst acht Gegentore zu verzeichnen, jetzt sind es bereits 14. Zum Vergleich: Mainz 05 (Platz neun) bekam erst zwölf Gegentore. Zum ersten Mal seit der Saison 2010/11 musste Bayern in elf Spielen mehr als zehn Gegentore hinnehmen.

Die Defensive

In der Defensive sind bereits jetzt zwei vielversprechende Akteure für die Zukunft als Stammkräfte am Ball. Den starken Außenverteidigern David Alaba (26) und Joshua Kimmich (23) gehört zweifelsohne die nächste Ära. Im Zentrum hat Niklas Süle (23) gute Aussichten, Boateng und Hummels zu beerben. Allerdings fehlen hier noch weitere junge und vielversprechende Innenverteidiger.

Hummels unzufrieden: "Haben Angriffe nicht unterbinden können"

Sportschau | 10.11.2018 | 01:53 Min.

Das Mittelfeld

Die Strippen im Mittelfeld zog gegen Dortmund unter anderem der Spanier Javi Martinez (30 Jahre). Er ist im Zentrum der einzige "Veteran". James Rodriguez (27) und Thiago (27) dagegen sind im besten Fußballalter. Besonders viel Bedarf, im zentralen Mittelfeld nachzubessern, gibt es also nicht.

Serge Gnabry

Serge Gnabry

Denn mit Corentin Tolisso (24), Leon Goretzka (23) und Renato Sanches (21) verfügt der FC Bayern über weitere hochkarätige Spieler. Sie können auf den Außenbahnen durch Kingsley Coman (22) und Serge Gnabry (23) ergänzt werden. Gnabry zeigte sein großes Potenzial in dieser Saison bereits häufig von Beginn an.

Der Angriff

In der Offensivabteilung steht dagegen definitiv ein Umbruch an. Franck Ribéry (35) und Arjen Robben (34) wirbelten über Jahre auf den Flügelpositionen, trotz vieler Verletzungen hielten sie ihr Niveau auf dem höchsten Level und waren kaum zu verteidigen. Zukunftsmusik erklingt bei der Nennung ihrer Namen aber nicht.

BayernsThomas Müller, Arjen Robben, Franck Ribery feiern den Meistertitel

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Bei Thomas Müller (29) und Robert Lewandowski (30) darf man damit rechnen, dass sie noch einige Jahre auf hohem Niveau spielen können. Das gilt auch für Sandro Wagner (30). Doch sie brauchen Nachwuchs, der von ihnen lernt und sie irgendwann auch ersetzen kann. Momentan ist die Torausbeute in Ordnung, sie war aber auch schon mal besser: Fünf Teams haben bisher mehr Tore erzielt als Bayern (20 Treffer).

Eigene Jugend oder kostspielige Transfers?

In der Vergangenheit stellte sich Hoeneß kategorisch gegen "100-Millionen-Transfers" wie die von Paris St. Germain oder den spanischen Großklubs. Allerdings sagte er Mitte August: "Es werden auch wieder Zeiten kommen, in denen wir große Transfers tätigen werden. Aktuell sparen wir genau dafür Geld ein."

Das Festgeldkonto sei prall gefüllt, "wir haben so viel Geld in der Kasse wie nie zuvor", sagte Hoeneß noch in der vergangenen Woche.

Stand: 12.11.2018, 11:42

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