Rummenigge: "Wir können nicht sagen: Wir spielen nicht"

Karl-Heinz Rummenigge ist der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG.

Fußball und Corona

Rummenigge: "Wir können nicht sagen: Wir spielen nicht"

Von Chaled Nahar

Europas Klubs umfliegen derzeit die Corona-Regeln - Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht die deutschen Klubs aber nicht in der Verantwortung. Beim Thema Impfen sei er "missverstanden worden".

Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig tragen ihre aktuellen Heimspiele in der Champions League in Budapest aus, weil die Spieler aus Liverpool und Manchester nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Dass die Spiele in dieser Form stattfinden, skizzierte Rummenigge in einem Interview mit dem "Aktuellen Sportstudio" des ZDF als unausweichlich.

Rummenigge: "Alternative ist, nicht mehr teilzunehmen"

Alle deutschen Klubs müssten sich den Regularien und dem Hygienekonzept der UEFA unterwerfen. Wenn die Klubs ihre Gegner in Deutschland nicht empfangen könnten, dann müssten sie in Budapest spielen. "Die Alternative wäre, dann spielen die deutschen Klubs nicht mit", sagte Rummenigge im Gespräch mit Moderator Jochen Breyer. "Die UEFA hat entschieden, wir können nicht sagen: Wir spielen nicht. Man darf dem deutschen Fußball da keinen Vorwurf machen. Das sind keine Entscheidungen der deutschen Klubs." Das Vorgehen der UEFA nannte er "diskussionswürdig".

Rummenigge sagte, dass er im europäischen Fußball zwar eine gewichtige Stimme habe, aber kein Stimmrecht im Exekutivkomitee der UEFA besitze. Und das treffe die Entscheidungen, auch mit Blick auf verkürzte Finalturniere im Europapokal. Rummenigge ist Ehrenvorsitzender der Klubvereinigung ECA, die mit Andrea Agnelli aus Italien und Nasser Al-Khelaifi aus Katar zwei Vertreter im UEFA-Exekutivkomitee sitzen hat. Außerdem ist Rainer Koch, Vizepräsident des DFB und Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, Teil des 18-köpfigen Gremiums.

Rummenigge kritisierte eine "Neiddebatte" um den Fußball. Natürlich sei man privilegiert, weil man spielen könne. "Aber ich glaube trotzdem, dass es nicht schädlich ist, dass der Fußball weiter spielen darf. Das ist gut."

Impfdebatte? "Bin missverstanden worden"

Große Kritik hatte Rummenigge ausgelöst, indem er Fußballprofis als "Vorbilder bei der Impfung" gegen das Coronavirus ins Spiel brachte. "Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern Anfang Februar dem Sender "Sport1". Der Sportsoziologe Gunter Gebauer nannte das in der Sportschau "unsozial und moralisch nicht zulässig".

Rummenigge stellte im "Aktuellen Sportstudio" klar, dass dieses Vorgehen seiner Ansicht nach nur bei ausreichend vorhandenem Impfstoff geschehen solle. Insoweit sei er bei seinem ursprünglichen Vorschlag "missverstanden worden". Dann könnten Fußballer mit ihrer möglichen Impfung auch die Impfbereitschaft in der Bevölkerung erhöhen. Rummenigge wiederholte: "Wir wollen keine Sonderrolle, wir wollen uns nicht vordrängeln."

Rummenigge über Katar: "Der Fußball hat Verbesserungen vorangebracht"

Auf die Geschäftsbeziehungen der Bayern zu Katar angesprochen reagiert Rummenigge mit Unverständnis auf die Kritik, die häufig auch aus der aktiven Fanszene des FC Bayern geäußert wird. Rummenigge sagte, dass die Einführung eines Mindestlohns in Katar schneller erfolgt sei als in Deutschland. Das Kafala-System, bei dem Arbeiter in große Abhängkeit von ihren Arbeitgeber gestellt werden, sei "von Großbritannien eingeführt" worden und werde derzeit abgeschafft. Rummenigge sagte: "Katar ist ein relativ junges Land." Bei den Menschen- und Arbeitsrechten müsse man "ein Stück Geduld mitbringen. Es ist eine andere Kultur." Mit Dialog sei mehr als mit Kritik zu erreichen.

Der Fußball habe Verbesserungen in Katar vorangebracht, so Rummenigge. Wie die FIFA berief auch er sich darauf, dass die Internationale Arbeitsorganisation ILO Verbesserungen bei den Arbeitsverhältnissen bestätigt habe. Doch gerade die ILO spielt eine fragwürdige Rolle, wie das WDR-Hintergrundmagazin "Sport inside" aufdeckte. Personalentscheidungen in der ILO bezüglich des katarischen Büros der Organisation sollen beeinflusst worden sein, was die ILO bestreitet.

Arbeiter in Katar berichteten in den letzten Monaten weiterhin davon, "wie Sklaven" behandelt zu werden. Auch Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch berichten weiterhin über ausbleibende oder verspätete Lohnzahlungen.

Situation der Gastarbeiter in Katar - Versprechen gebrochen? sport inside 07.10.2020 12:19 Min. UT Verfügbar bis 07.10.2021 WDR

Stand: 21.02.2021, 08:47

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