Transfermarkt: Deutsche Klubs in der Defensive

FC Bayern Münchens Dayot Upamecano beim Training

Transfermarkt: Deutsche Klubs in der Defensive

Viele internationale Reichen-Klubs rüsten personell auf, als gäbe es keine Corona-Krise. Die Bundesliga-Vereine können und wollen da nicht mehr mithalten, selbst Bayern München nicht. Sie fahren andere Strategien.

Es sind wieder einmal die üblichen Verdächtigen, die auf dem internationalen Transfermarkt zuschlagen, als Spiele Geld selbst in Corona-Zeiten keine Rolle. Englands Rekordmeister Manchester United, im Besitz der US-amerikanischen Milliardärsfamilie Glazer, lässt sich etwa die zukünftigen Dienste von Dortmunds Jadon Sancho mindestens 85 Millionen Euro kosten.

Abramowitsch öffnet das Portemonnaie

Jadon Sancho posiert mit BVB-Stürmer Erling Haaland (l) und dem DFB-Pokal.

Teuer und begehrt: Erling Haaland und Jadon Sancho mit dem DFB-Pokal

Der FC Chelsea, gefüttert mit dem großen Geld des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch, ist anscheinend sogar bereit, den Dortmundern sofort 175 Millionen Euro für Torjäger-Juwel Erling Haaland zu überweisen - wenn der BVB ihn denn jetzt schon ziehen ließe. Das erklärte Ziel von Abramowitsch und Teammanager Thomas Tuchel ist die erfolgreiche Titelverteidigung in der Champions League, koste es, was es wolle. Die Alternative zu Haaland wäre Belgiens EM-Torjäger Romelu Lukaku von Inter Mailand, der für "nur" 105 Millionen Euro zu haben sein könnte.

PSG rüstet Starensemble weiter auf

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi

Auch der vom katarischen Geschäftsmann Nasser Al-Khelaifi geführte Scheich-Klub Paris Saint-Germain rüstet sein Starensemble um Neymar und Kylian Mbappé weiter auf, zum Beispiel mit Sergio Ramos, Achraf Hakimi, Georginio Wijnaldum und dem italienischen EM-Torwarthelden Gianluigi Donnarumma. Er und Ramos waren zwar ablösefrei, üppige Gehälter dürften aber beim Wechsel eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Salihamidzic: "Im Moment nichts zu machen"

Und die deutschen Klubs? Die können in diesen Dimensionen nicht mehr mithalten, kommen einem schon vor wie die sprichwörtliche arme Kirchenmaus - selbst der FC Bayern München. "Die Situation ist nicht einfach, wenn man sieht, wie einige Klubs investieren können. Gegen manche finanzielle Kräfte ist im Moment nichts zu machen", hisst FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidzic nicht nur verbal die weiße Flagge.

FC Bayern rechnet mit 150 Millionen Euro Verlust

Deutschlands Serienmeister rechnet wegen der Corona-Krise mit einem Umsatzverlust von 150 Millionen Euro. Da will man das Geld so gut wie möglich beisammenhalten und in diesem Sommer keine großen Transfers mehr tätigen, nicht einmal in der personell dezimierten Defensive.

"Das ist kein Thema und nicht das, was wir wollen", sagte Salihamidzic über einen möglichen Ersatz für die angeschlagenen Verteidiger Lucas Hernández und Alphonso Davies. Beide werden erst im August zurückkehren, die Neuzugänge Dayot Upamecano - mit 42,5 Millionen Euro von RB Leipzig der Königstransfer in diesem Sommer - und der ablösefreie Omar Richards könnten so bereits früh in der Saison gefordert werden.

Kahn: "Mir ist nicht bange"

Hatte Anfang Juli den Vorstandsvorsitz beim FC Bayern von Karl-Heinz Rummenigge übernommen: Oliver Kahn.

Der neue Bayern-Boss Oliver Kahn

In München vertraut man darauf, dass Geld nicht alles ist. "Mir ist nicht bange", sagte der neue Bayern-Boss Oliver Kahn. Der Gewinn der Champions League sei auch mit dem aktuellen Kader "natürlich absolut" möglich, auch wenn die geringeren Einnahmen ein Wettbewerbsnachteil seien. Kahn verwies darauf, das Paris Saint-Germain zwar "Unsummen" investiert, aber bis heute noch nicht die Champions League gewonnen habe.

Bundesliga-Klubs fahren Sparkurs

Nicht nur der FC Bayern, auch die Bundesliga-Konkurrenz aus Dortmund, Leipzig, Wolfsburg oder Mönchengladbach fährt einen rigorosen Sparkurs. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl kündigte schon Mitte Mai vor dem Hintergrund entgangener Einnahmen wegen der Corona-Krise an: "Wir haben ja schon einen Kader gebaut und es wird definitiv nicht möglich sein, noch zwei oder drei Spieler zu verpflichten."

Glasner: "Werden kaum auf dem Transfermarkt aktiv sein"

Der neue Frankfurter Trainer Oliver Glasner

Der neue Frankfurter Trainer Oliver Glasner

Das sieht bei Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt nicht anders aus. Der neue Trainer Oliver Glasner kündigte in Sachen Transfers Zurückhaltung an: "Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern. Da werden wir nicht allzu viel ändern und kaum auf dem Transfermarkt aktiv sein."

Glasner ergänzte, er und sein Trainerteam wollten die Spieler besser machen und ihnen etwas mitgeben, von dem sie in ihrer Karriere profitieren. Ob das für die SGE und andere Bundesligaklubs reichen wird, dauerhaft auf internationaler Ebene konkurrenzfähig zu sein, wird die Zukunft zeigen. Manchem bleibt da wohl nur die Hoffnung in eine alte Fußball-Weisheit: Geld alleine schießt keine Tore.

red/sid/dpa | Stand: 16.07.2021, 22:06

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