Das Tor des Jahres wird 50: Ulrik le Fevres Volley-Zauberei

50 Jahre Tor des Jahres: Le Fevre war erster Gewinner Sportschau 28.12.2021 00:19 Min. Verfügbar bis 28.12.2022 Das Erste

Gladbacher erhielt 1971 erste Auszeichnung

Das Tor des Jahres wird 50: Ulrik le Fevres Volley-Zauberei

Ulrik le Fevre von Borussia Mönchengladbach hat Sportgeschichte geschrieben. Er schoss im Oktober 1971 gegen Schalke 04 das 6:0. Es sollte das erste Tor des Jahres werden, das sein 50. Jubiläum erlebt.

Borussia Mönchengladbach hat eine geradezu fußballromantische Beziehung zum Tor des Jahres der Sportschau. Gleich sechsmal wurde der Treffer eines "Fohlen"-Spielers mit diesem Preis gekürt. Nur Bayern Münchens Profis erhielten ihn häufiger (siebenmal). Zuletzt erzielte Gladbachs Valentino Lazaro mit seinem "Skorpion-Kick" das Tor des Jahres 2020.

Le Fevre veredelt Netzers geblockten Schuss

Doch nur ein Gladbacher kann reklamieren, das historischste Tor des Jahres geschossen zu haben. Nämlich das erste. Und das war Ulrik le Fevre. Der dänische Nationalspieler, mittlerweile 75 Jahre alt, erzielte für Gladbach insgesamt 21 Tore in 90 Partien. Sein spektakulärstes gelang ihm im aber eben am 23. Oktober 1971 gegen Schalke.

Le Fevre zum Tor des Jahres: "War eine fantastische Zeit und Woche"

Sportschau 02.01.2022 00:37 Min. Verfügbar bis 02.01.2023 ARD Von Luise Kropff


Es läuft die 52. Spielminute - Günter Netzers Schuss aus 18 Metern soll eigentlich das Tor treffen, doch Le Fevre steht im Weg. An seinem Fuß bleibt der Ball kleben. Dann legt sich der Außenstürmer die Kugel selbst hoch vor und überspielt in einer einzigartigen Volley-Stafette zunächst den Schalker Links-Verteidiger Jürgen Sobieray, dann Klaus Fichtel, um den Ball am Ende ebenfalls volley ins rechte untere Toreck zu schießen. Schalkes Torwart Norbert Nigbur und Innenverteidiger Rolf Rüssmann bleibt nur der ungläubige Blick zurück - als hätten sie gerade eine Zaubershow gesehen.

Kunstschütze le Fevre: "Lief alles instinktiv"

Gladbachs Ulrik le Fevre steht für ein Porträt parat

Gladbachs Ulrik le Fevre steht für ein Porträt parat.

"Das lief alles instinktiv ab", meinte Le Fevre Jahre später in einem Interview mit dem Fußball-Magazin 11 Freunde. "Ich habe den Ball über den ersten Verteidiger gelegt, dann über den zweiten und zum Schluss aus der Drehung volley ins Tor geschossen", beschrieb der feine Techniker selbst dieses Fußball-Kunststück.

Im WDR2-Gespräch blickte le Fevre am Sonntag zurück: "Erst haben wir Mittwoch gegen Inter Mailand gespielt, in diesem Dosenwurf-Spiel habe ich zwei Tore gemacht. Und dann spielten wir Samstag auf dem Bökelberg gegen Schalke. Die standen auf Platz eins. Aber wir gewannen 7:0, ich habe wieder zwei Tore geschossen."

Le Fevre ist mittlerweile in Rente und lebt in Dänemark. Borussia Mönchengladbach verfolge er noch im Fernsehen, sehe aber nicht jedes Spiel. "Ich bin fast jedes Jahr nach Gladbach gefahren, aber in dieser Zeit geht es nicht", bedauerte der 75-Jährige die aktuelle Situation während der Corona-Pandemie.

Ausbildung zum Mittelschullehrer

Le Fevre war im Sommer 1969 vom dänischen Erstligisten Vejle BK an den Bökelberg gekommen. Trainer Hennes Weisweiler hatte den Stürmer schon länger im Auge gehabt, doch erst wollte der seine Ausbildung zum Mittelschullehrer beenden.

In drei Jahren gewann Le Fevre mit Mönchengladbach dann zwei deutsche Meisterschaften und war ein wichtiger Teil der legendären "Fohlenelf". 1972 zog es ihn zum FC Brügge. Doch seine Tradition wurde fortgeführt. Denn für ihn kamen zwei weitere nicht minder torgefährliche Dänen, die für Furore sorgen sollten: Henning Jensen und Allan Simonsen.

Das zweite TdM für Gladbach

Le Fevre war außerdem der zweite Torschütze des Monats für Mönchengladbach, aber der erste "Gastarbeiter", der die begehrte goldene TdM-Plakette gewann. Vor dem Dänen war im April 1971 bereits Günter Netzer erfolgreich gewesen.

Das Tor des Jahres war 1971 von der ARD neben dem Tor des Monats ins Leben gerufen worden. Seitdem treten die jeweiligen Tore des Monats in einer finalen Abstimmung gegeneinander an.

jti | Stand: 02.01.2022, 13:04

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