Fall Tönnies - DFB-Ethikkommission vertagt sich

DFB-Ethikkommissions-Vorsitzender Schneider: "Haben noch keinen Beschluss gefasst" Sportschau 15.08.2019 00:37 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 Das Erste

Rassismus-Vorwurf

Fall Tönnies - DFB-Ethikkommission vertagt sich

Die DFB-Ethikkommission hat ihre Entscheidung über die Äußerungen von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vertagt, aber eine "zeitnahe Entscheidung" angekündigt.

"Wir brauchen noch Hintergrund-Informationen. Das ist eine Sache von Wochen, nicht von Monaten", sagte der Kommissions-Vorsitzende Nikolaus Schneider nach der Sitzung des vierköpfigen Gremiums am Donnerstag (15.08.2019) in der DFB-Zentrale in Frankfurt.

Tönnies per Telefon zugeschaltet

Tönnies selbst war bei den Beratungen nicht anwesend. Man habe ihn telefonisch angehört - "und zwar sehr ausführlich", so Schneider. "Es war ein offenes, klares Gespräch", sagte er nach dem Telefonat mit Tönnies. Man versuche, "sehr zeitnah" zu einer Entscheidung zu kommen. Neben dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland gehören dem Gremium Rechtsanwalt Bernd Knobloch, Rechtsanwältin Anja Martin und Betrugsermittlerin Birgit Galley an.

DFB: Ethikkommission zu Tönnies vertagt

Sportschau 15.08.2019 00:30 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 ARD

Der 63 Jahre alte Fleischfabrikant hatte vor zwei Wochen als Festredner beim "Tag des Handwerks" in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, so Tönnies.

"Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Für seine Aussagen hatte er sich später entschuldigt und sie selbst als "töricht" bezeichnet.

Erhöhter Druck aufs DFB-Gremium

Nach dem milden Urteil des Ehrenrates von Schalke 04, der Tönnies nach dessen umtrittenen Äußerungen vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen hatte, war der Druck auf das DFB-Gremium im Vorfeld der Beratungen gestiegen. Vertreter aus Gesellschaft, Politik und Sport hatten die Aussagen des Schalker Aufsichtsratschefs als "rassistisch" bewertet und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Tönnies gehört dem Aufsichtsrat seit 1994 an und ist seit 2001 dessen Vorsitzender.

Die DFB-Ethikkommission kann zwar keine Sanktionen aussprechen, sie kann allerdings Untersuchungen einleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethik-Kammer des Sportgerichts erheben. Das unabhängige Gremium überwacht den Ethik-Kodex des DFB, in dem sich der Verband zu Qualität, Objektivität, Ehrlichkeit, Fairness und Integrität bekennt. In allen Fällen, die der Integrität und dem Ansehen des Verbandes schaden, soll die Kommission Ermittlungen aufnehmen.

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dpa | Stand: 15.08.2019, 15:45

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