Thorgan Hazard und der nächste Schritt

Thorgan Hazard nach seinem Treffer gegen Hannover 96

Gladbacher Stürmer hat seinen Egoismus abgelegt

Thorgan Hazard und der nächste Schritt

Von Christian Hornung

Dass Borussia Mönchengladbach als Dritter in die Rückrunde geht, ist auch der Entwicklung von Thorgan Hazard zu verdanken. Der Belgier hat nicht nur sich selbst gesteigert, er macht jetzt auch die Kollegen stärker.

Der Satz war als Lob gemeint. Aber es schwangen auch Erleichterung und durchaus auch ein bisschen Kritik an der Vergangenheit mit. "Die individuelle Klasse hatte Thorgan vorher schon, aber er hat jetzt auch gelernt, seine Mitspieler besser einzubeziehen." So erklärte Lars Stindl unlängst die Entwicklung seines Mitspielers Hazard, der mit neun Toren und sieben Assists die beste Halbserie seiner Karriere gespielt hat.

Die Vermutung liegt sehr nahe, dass der 25-jährige Belgier am Ende der kompletten Spielzeit persönliche Bestmarken in beiden Kategorien aufstellen wird, denn diese liegen aus der Saison 2017/18 bei zehn Treffern und acht Torvorlagen.

Stindl lief oft vergeblich mit

Vor allem das Auge für den besser postierten Kollegen war Hazard in der Vergangenheit noch sehr oft im entscheidenden Moment abhanden gekommen. Und in der Tat war es immer wieder Stindl gewesen, der bei Überzahlsituationen im Konter vergeblich mitgelaufen war, als Hazard den Ball nach vorn transportierte und dann oft eigensinnig abschloss.

Jetzt hat der Rechtsaußen den nächsten Schritt gemacht. Insgesamt steuerte er sogar zu 53 Torschüssen der Gladbacher den letzten Pass bei, damit liegt er in der Bundesliga gleichauf mit Bayerns Joshua Kimmich auf Platz zwei - nur der Bremer Max Kruse war in dieser Kategorie noch besser.

Bei den Elfmetern noch verbessern

Als sportschau.de den inzwischen mit einem Marktwert von knapp 40 Millionen Euro taxierten Hazard auf diese Werte anspricht, erklärt er die Steigerung so: "Ich versuche noch mehr, meine Mannschaft besser zu machen. Mit Alassane Pléa haben wir natürlich auch jetzt einen Spieler dazubekommen, der fast immer etwas aus den Zuspielen macht. Aber ich kann mich immer noch verbessern, zum Beispiel bei den Elfmetern."

Dabei lacht er ein wenig schelmisch, denn er musste sich zuletzt beim 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg den Vorwurf der Arroganz gefallen lassen, als er den Ball vom Punkt in Panenka-Manier lässig chippte - und ihn weit über das leere Tor beförderte. Doch selbst in dieser Partie war die Entwicklung des schnellen Stürmers zu beobachten gewesen, denn Hazard knickte nach seinem peinlichen Fehlversuch nicht etwa ein, sondern brachte sein Team kurz nach der Pause mit dem Tor zum 1:0 doch noch auf die Siegerstraße.

Vertragsverlängerung oder Verkauf

Eine höhere Stufe auf seiner Karriereleiter erwarten nun viele Beobachter auch bei der Wahl seines künftigen Vereins. Borussias Sportdirektor Max Eberl hat zwar mehrfach betont, um eine Verlängerung von Hazards Vertrag über 2020 hinaus kämpfen zu wollen, dann aber auch klargestellt, dass andernfalls ein Transfer nach dieser Saison die logische Folge wäre: "Mönchengladbach bleibt ein Klub, der auch auf Ablösesummen angewiesen ist. Wenn wir uns nicht einigen, dann muss Thorgan nach dieser Saison den nächsten Schritt machen."

Borussia Dortmund gilt als Favorit auf die Dienste des Bruders von Chelseas Superstar Eden Hazard, und im Andalusien-Trainingslager der Gladbacher äußerte sich Thorgan Hazard erstaunlich offen zu diesen Spekulationen: "Ich habe nicht mehr nur den Traum, mal in der Premier League zu spielen. Auch ein Wechsel innerhalb der Bundesliga ist denkbar, wenn einmal die Zeit gekommen ist. Borussia Dortmund und Bayern München sind zwei sehr große Klubs, und der BVB spielt sehr guten Fußball."

Zwei Jahre ohne Europa reichen

In Dortmund träfe er auch auf seinen einstigen Förderer Lucien Favre. Der Coach hatte sich schon zu Gladbacher Zeiten begeistert von der Schnelligkeit Hazards gezeigt, er gilt als großer Befürworter dieser Nachfolgelösung für den zum FC Chelsea wechselnden Christian Pulisic.

Für die Rückrunde verspricht Hazard aber, den Kopf völlig frei für die Mönchengladbacher Borussia zu haben: "Wir waren zwei Jahre nicht in Europa dabei. Ist doch klar, dass wir da alle wieder hinwollen. Wenn ich dazu mit Toren und Vorlagen beitragen kann, umso besser - ein paar sollen schon noch dazukommen."

Stand: 15.01.2019, 05:00

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