DFL-Taskforce Zukunft Profifußball beendet - was folgt?

Ein Fußball liegt auf dem Rasen

Fußball in der Krise

DFL-Taskforce Zukunft Profifußball beendet - was folgt?

Von Thorsten Poppe

Die DFL-Taskforce Profifußball hat ihre Arbeit abgeschlossen. 37 Mitglieder haben in drei Gruppen die Zukunft des deutschen Profi-Fußballs diskutiert und jeweils eigene Ergebnisse erarbeitet. Was daraus folgt, weiß noch niemand so genau.

Die drei Ergebnisse aus drei Gruppen sollen in einem Abschlussbericht zusammengefasst und präsentiert werden. Den 37 Mitgliedern der Taskforce ist diese Zusammenfassung nach Informationen der Sportschau vorab vorgelegt und in einer vierten Sitzung in den jeweiligen Gruppen diskutiert worden. Ob die Mitglieder ein Veto einlegen oder Änderungen vorschlagen konnten, beantwortet die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit Verweis auf eine Pressekonferenz im Februar vorerst nicht.

Auch die Taskforce-Mitglieder aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen wollen sich nicht dazu äußern und verweisen auf eine Verschwiegenheitsvereinbarung. So bleibt im Vorfeld der Veröffentlichung offen, ob für sie die Gefahr bestehen könnte, dass sich aus den verschiedenen Ergebnissen nur die Punkte rausgesucht werden, die dem Profifußball genehm sind.

Bundesliga unter Druck

Denn über den Abschlussbericht entscheiden letztlich die 36 DFL-Mitgliedsvereine und nicht die Taskforce, die diese Vorschläge erarbeitet hat. Was davon als feste Regel oder Ziel festgeschrieben werden könnte, ist also ebenfalls noch offen.

Dabei stehen die DFL und ihre Mitgliedsvereine unter Druck. Im Jahr 2020 war im Profifußball Demut gefragt. Vor allem bei der Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs nach dem ersten Lockdown sind aus der Bundesliga ungewohnt leise Töne vernommen worden. Plötzlich war da die Rede von zu hohen Spielergehältern oder zu wenig wirtschaftlicher Stabilität bei den Klubs, zu viel nach dem Credo: immer höher, immer weiter!

Als Resultat sollten eine Grundsatz-Diskussion angestoßen und sieben grundlegende Themenfelder besprochen werden, wie etwa Wettbewerbsbalance, wirtschaftliche Stabilität, oder gesellschaftliche Verankerung des Profifußballs hierzulande.

Bundesliga - kommt eine Gehaltsobergrenze? sport inside 27.01.2021 11:37 Min. Verfügbar bis 27.01.2022 WDR

Heterogene Besetzung

Die Taskforce ist dabei heterogen besetzt. Neben aktiven Verantwortlichen aus dem Profifußball sitzen in ihr auch Personen aus Wirtschaft oder Politik, aber auch aus aktiven Fanszenen. Aus der Bundesliga kommen Klub-Manager wie Fredi Bobic oder Max Eberl, zudem sind Politiker wie Lars Klingbeil von der SPD, Carsten Linnemann von der CDU, Cem Özdemir von den Grünen oder Britta Dassler von der FDP vertreten.

Zudem gehören ihr Profis wie Andreas Luthe oder Robin Himmelmann an, die sich in der Spielergewerkschaft VDV engagieren. Oder eben Vertreter aus den Fanszenen wie Dario Minden, der sich kritisch mit der Taskforce auseinandergesetzt hat. "Ich glaube 'Think Tank! wäre der sinnvollere Name gewesen, wenn man so einen englischen Begriff haben will. Es ist wirklich mehr Impulsgeber. Aber auch ein Ort, wo verschiedene Interessengruppen im Fußball zusammenkommen können", sagte der Fanvertreter in einem eigens von den Anhängern aufgelegten Podcast.

Drei Sitzungen á drei Stunden für die Zukunft des Profifußballs

Drei Sitzungen á drei Stunden in jeweils drei Gruppen sind zwischen Oktober und Januar digital abgehalten worden. Zum Ablauf selber gibt es kaum Aussagen. Auch nicht auf Nachfrage. So äußert sich die ehemalige Vorständin des Hamburger SV und Taskforce-Mitglied Katja Kraus auf einer öffentlichen Veranstaltung auf Nachfrage zurückhaltend: "Wir sind nicht für die Logistik der Taskforce zuständig. Also ich möchte die nicht bewerten!"

Etwas offener agiert Manuel Gaber von der Fan-Arbeitsgruppe "Zukunft Profifußball", die noch vor der Einrichtung der gleichnamigen Taskforce den Profifußball mit eigenen Konzepten unter Druck gesetzt hatte: "Wenn ich einen Prozess aufgesetzt hätte, hätte ich ein paar Sachen anders gemacht. Ich glaube, es ist wichtig, dass ein gutes Ergebnis herauskommt."

Querschuss TV-Gelderverteilung

Die Konzentration auf "gute Ergebnisse" ist allerdings von der Entscheidung zum neuen Verteilungsschlüssel der TV-Gelder in den Bundesligen gestört worden. Diese Entscheidung hat mitten in der Zeit der Taskforce-Sitzungen Unmut produziert, auch bei deren Mitgliedern. Gerade die Fanvertreter kritisieren die neue TV-Geldverteilung, weil sie als großer Wurf verkauft worden sei, sich grundlegend aber nicht viel ändere.

"Das Ergebnis ist für uns sehr enttäuschend. Wir können keine substanziellen Veränderungen erkennen. Es werden andere Worte für das gleiche System verwendet. Es ist jetzt von Gleichverteilung die Rede, aber das Leistungs- und Vermarkungsprinzip bleibt vorherrschend", erklärte etwa die Faninitiative "Zukunft Profifußball".

Nach dem neuen Prinzip soll laut DFL eine größere Gleichverteilung an alle Klubs gewährleistet werden. Allerdings macht eine Beispielrechnung klar: Mit dem neuen TV-Gelderschlüssel würde diese Saison Rekordmeister FC Bayern München 4,5 Millionen Euro weniger erhalten, Arminia Bielefeld knapp drei Millionen Euro mehr.

Mehr Mitsprache von Profis und Fans

Die Art und Weise, wie diese Entscheidung der Öffentlichkeit als völlig neue Variante verkauft worden ist, hat laut sportschau.de-Informationen auch die Taskforce diskutiert. Obwohl offiziell kein Thema der Runden. Denn von der TV-Geldverteilung hätte ein wichtiges Signal ausgehen können, dass grundlegende Änderungen vom Profifußball selbst in Angriff genommen werden wollen.

Bleibt die Taskforce, die eine Signalwirkung aussenden könnte. Wenn ihre Ergebnisse denn im deutschen Fußball etabliert werden. Doch egal, ob das passiert, oder eben nicht: Profikickern und Fans wird zukünftig mehr Mitsprache eingeräumt werden müssen als bisher. Denn die haben sich seit Beginn der Coronakrise noch besser organisiert als vorher schon. Und fordern ein echtes Mitspracherecht ein, zum Beispiel die Profis. Die sind bei der Wiederaufnahme der Bundesliga außen vor geblieben.

Taskforce-Helfer im Hintergrund

Die Taskforce selber zieht im Hintergrund weite Kreise. Hinter den drei Mitgliedern der Spielergewerkschaft VDV steht noch ein ganzes Gremium an Profispielerinnen und Profispielern, die die einzelnen Sitzungen mit vor- und nachbereitet hatten. Zusätzlich sind die VDV-Vertreter in jeder Taskforce-Gruppe vertreten gewesen und hatten so einen grundlegenden Überblick über den Diskussionsstand der gesamten Taskforce.

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WDR 5 Profit - aktuell 29.01.2021 03:35 Min. Verfügbar bis 29.01.2022 WDR 5


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Ähnlich haben es die Fanvertreter gehalten und ihre Positionen vorab gemeinsam erarbeitet beziehungsweise besprochen. Die breit gefächerte Diskussion in der Taskforce hat sicher dazu beigetragen, dass alle im Fußball die Positionen des anderen einmal vernehmen konnten. Es liegt nun an der DFL und ihren Mitgliedsvereinen, den Ball aufzunehmen und ihre Ergebnisse auch entsprechend umzusetzen.

Stand: 01.02.2021, 12:00

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