FSV Mainz 05 schafft sensationellen Klassenerhalt auf der Couch

Mainz 05 jubelt

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FSV Mainz 05 schafft sensationellen Klassenerhalt auf der Couch

Das gab es noch nie in der Bundesliga-Geschichte. Nur sieben Punkte nach der Hinrunde und dann doch noch der Klassenerhalt. Dem 1. FSV Mainz 05 ist dieses Kunststück gelungen.

Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer gab sich zuversichtlich: Seine Mannschaft sei gut vorbereitet, werde eine ordentliche Saison spielen. Tatsächlich war der Auftakt zwar etwas mühsam, aber solide: 5:1 im DFB-Pokal gegen den Regionalligisten Havelse. Eine Pflichtaufgabe. Nicht mehr und nicht weniger. Die 1:3-Niederlage in Leipzig am ersten Spieltag der Bundesliga - zu verschmerzen. Dennoch spürten selbst Außenstehende: Es rumort zwischen Mannschaft und Trainer.

Beierlorzer-Aus nach Spielerstreik

Dieses Rumoren mündete in einem offenen Konflikt, als Beierlorzer den Ungarn Adam Szalai vom Training suspendierte. Szalai, mitentscheidender Faktor beim Pokalsieg in Havelse und Mitglied des Spielerrats, habe schlechten Leistungen gezeigt, sagte Beierlorzer. Deshalb werde der Stürmer nicht mehr am Training teilnehmen.

Was folgte, war eine offene Konfrontation der Mannschaft gegen den Trainer. Die Spieler bestreikten das Training. Dazu kam ein schwacher Auftritt im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Nach der 1:4-Klatsche gegen die Schwaben war Beierlorzers Zeit in Mainz abgelaufen.

Neue Hoffnung mit Jan-Moritz Lichte

Nun sollte es der bisherige Co-Trainer richten: Jan-Moritz Lichte. Seit 2017 im Trainerteam der Mainzer. Bei seiner Vorstellung sagte er selbst über sich: "Ich bin eigentlich ein netter Kerl, mit mir kann man ganz gut umgehen."

Jan-Moritz Lichte bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von Mainz 05 00:24 Min. Verfügbar bis 15.05.2022

Vielleicht war Lichte einfach zu nett, denn auch unter ihm lief es zunächst gar nicht für Mainz 05. Erst am siebten Spieltag gelang den Mainzern der erste Punktgewinn - ein 2:2 gegen den späteren Absteiger Schalke. Aber dieses Unentschieden schien Auftrieb gegeben zu haben. Beim Auswärtssieg in Freiburg und dem anschließenden Unentschieden im Heimspiel gegen Hoffenheim schienen die Mainzer endlich die lang ersehnte und viel beschriebene "Kurve gekriegt" zu haben. Genauso wie die Hoffnung keimte, starb das zarte Pflänzchen schnell wieder ab nach Niederlagen Anfang Dezember gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf Bielefeld und Köln. Lichte wackelte und musste nach einer 0:1-Heimniederlage gegen Bremen und dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten Bochum Ende Dezember gehen.

Unruhe auch außerhalb des Platzes

Wenige Tage vorher machten die Mainzer auch außerhalb des Platzes keine gute Figur. Zur gleichen Zeit, als immer wieder die Zukunft von Trainer Jan-Moritz Lichte diskutiert wurde, gab es auch Diskussionen um die zukünftige Ausrichtung in der sportlichen Führung. Der Name Christian Heidel und der Wunsch des Vorstands, den langjährigen Manager in den Verein einzubinden, sorgten dafür, dass Sportvorstand Rouven Schröder kurz vor Weihnachten hinwarf. "Wenn ich was tue, muss ich zu 100 Prozent von dem überzeugt sein, das ist nicht mehr der Fall", sagte Schröder damals. Er glaubte, in seinen Befugnissen beschnitten zu werden, sollte Heidel eine Aufgabe im Verein übernehmen.

Mit Heidel, Svensson und Schmidt kommt der Aufschwung

So stand der FSV Mainz 05 am Jahresende sang und klanglos am Tabellenende und ohne sportliche Führung da. Das änderte sich mit Jahresbeginn recht schnell. Mit dem ehemaligen Mainzer Trainer Martin Schmidt als Sportdirektor, Christian Heidel als Sportvorstand und dem ehemaligen Spieler Bo Svensson als neuem Trainer kamen drei Männer mit "Stallgeruch" an den Bruchweg. Gerade Svensson verstand es, seinen Spielern wieder Selbstbewusstsein einzuhauchen und den Spaß am Fußball zurück zu geben. Zwar ging das erste Spiel mit Svensson auf der Bank gegen Frankfurt noch verloren, aber schon eine Woche danach holte Mainz einen respektablen Punkt in Dortmund. Die Aufholjagd begann.

Mainz 05 entwickelt sich zum Favoritenschreck

In der Folge entwickelte sich der FSV Mainz 05 unter Bo Svensson zu einem wahren "Favoritenschreck" in der Bundesliga: In Leverkusen holten die 05er ein Unentschieden. Gegen Leipzig, Bayern München und in Mönchengladbach wurde sogar gewonnen. Und das ohne den bis dato besten Mainzer Stürmer Jean-Philippe Mateta. Der Franzose, mit 7 Treffern bester 05-Torschütze, wechselte nach der Hinrunde zu Crystal Palace in die englische Premier League. Seinen Platz nahmen andere ein. Zum Beispiel Robert Glatzel, der von Cardiff City an den Bruchweg kam. Oder Verteidiger Moussa Niakhaté, der auf einmal zum Torjäger mutierte.

Wichtige Punkte gegen die direkte Konkurrenz

Und so gelangen den Mainzer unter Bo Svensson neben den "Big Points" gegen die großen Mannschaften der Liga auch die wirklich wichtgen Punkte - gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf. Mit dem 0:0 auf Schalke starteten die Mainzer eine Serie von neun Spielen ohne Niederlage. Die Grundlage für den Klassenerhalt mit Siegen gegen Köln und Bremen. Anfang April standen die Mainzer nach dem Unentschieden in Bielefeld erstmals seit fast einem halben Jahr wieder auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Nicht nur bei den Mainzer Fans machte sich Trainer Bo Svensson dadurch beliebt, sondern auch die Medien und ganz Fußball-Deutschland wurden aufmerksam. Und Svensson? Nahm den Aufschwung Dänisch gelassen hin. "Ich kann das sehr gut einordnen. Ich kenne die Branche. Ich weiß aber auch, woher wir kommen, wo wir stehen und wo wir in Zukunft hinwollen. Nur darauf liegt mein Fokus!"

Bisher einmalige Aufholjagd

Der Weg führte am Ende zum Klassenerhalt. Nach dem 1:1 in Frankfurt war klar - der FSV Mainz 05 kann nicht mehr direkt absteigen. Die Mainzer hatten zu diesem Zeitpunkt 29 Punkte in der Rückrunde geholt. Durch die Niederlage des SV Werder Bremen am 33. Spieltag gegen den FC Augsburg steht nun fest: Mainz hat den Klassenerhalt "auf dem Sofa" geschafft. Die Mainzer sind bereits vor ihrem Sonntagsspiel gegen Borussia Dortmund nicht mehr einzuholen. Eine solche Aufholjagd hatte es zuvor in der Geschichte der Fußball-Bundesliga noch nie gegeben.

SWR | Stand: 15.05.2021, 22:16

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1.Arm. Bielefeld00
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1.FC Augsburg00
1.RB Leipzig00
1.1899 Hoffenheim00
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