Rouwen Hennings - effizienter als Lewandowski

Rouwen Hennings

Fortuna Düsseldorf

Rouwen Hennings - effizienter als Lewandowski

Von Jan Wochner

Neun Tore in elf Ligaspielen: Rouwen Hennings von Fortuna Düsseldorf ist in der Form seines Lebens - und statistisch sogar effizienter als prominentere Stürmer.

Und plötzlich ist er da. Rouwen Hennings kommt überpünktlich zum Interviewtermin mit der Sportschau. Ganz ohne polternden Auftritt, ganz ohne theatralisches Beiwerk. Hennings kommt um die Ecke geschlichen. Dann: ein fester Händedruck, eine freundliche Begrüßung. Rouwen Hennings ist ein sympathischer, angenehm zurückgenommener Mensch. Es soll Torjäger in der Fußball-Bundesliga gegeben haben, die sich wichtiger genommen haben.

"Es fällt mir im Moment vieles leichter"

Hennings aber fällt nicht mit großer Klappe auf. "Es fällt mir im Moment vieles leichter, ich genieße das sehr“, sagt der Stürmer, der mit neun Toren in den ersten elf Saisonspielen so etwas wie die Lebensversicherung von Fortuna Düsseldorf geworden ist. Wo Hennings steht, spielt Düsseldorf den Ball hin. Kurze Annahme, schneller Abschluss, Tor. "Ich versuche schnell zu schießen, bin kein Stürmer, der tief in der eigenen Hälfte den Ball holt, um nach Dribbling über das ganze Feld abzuschließen“, erklärt der Torjäger seine Taktik vor dem Tor.

Hennings: "Ich würde nicht sagen, dass ich das Gesicht der Fortuna bin" Sportschau 19.11.2019 17:23 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 Das Erste

Das ist nicht neu, so spielt Hennings schon seit Jahren. Dass er regelmäßig trifft, überrascht auch nicht. Vor zwei Jahren schoss er die Fortuna als erfolgreichster Torjäger in die Bundesliga, traf beim letztlich entscheidenden Sieg in Dresden. Auch vergangene Saison überzeugte er mit sieben Toren als Stammspieler in der ersten Liga. Jetzt steht er bei neun Toren nach gerade einmal einem Drittel der Saison. "Warum es aktuell so häufig klappt, ich weiß es nicht“, sagt Hennings. "Ich bin einfach gut drauf, denke nicht groß nach. Wenn der Ball kommt, versuche ich einfach, ihn reinzuschießen.“

Nur zwei Bundesliga-Stürmer sind besser

Nur zwei Bundesliga-Stürmer haben in den vergangenen Monaten und in dieser Saison häufiger getroffen: Timo Werner von RB Leipzig und Robert Lewandowski vom FC Bayern. In Sachen Effizienz hängt Hennings die beiden aber ab. Auf mehr als beeindruckende 34 Prozent kommt der Düsseldorfer Angreifer in Sachen Chancenverwertung. Lewandowski liegt bei knapp 31, Werner bei etwas mehr als 28 Prozent. "Ein netter Wert“, meint Hennings und schmunzelt.

Vergleiche mit Bayerns Superstar Lewandowski nimmt Hennings zur Kenntnis. Konfrontiert wird er damit vor dem Duell seiner Fortuna mit den Bayern natürlich häufig: "Ich denke nicht, dass wir auf einer Ebene sind. Lewandowski bringt über Jahre schon solche Topleistungen. Bei mir ist es eine Phase“, gibt Hennings aber zu bedenken und fügt an: "Ich bewundere Lewandowski, er gehört für mich zu den Top drei der Welt und er ist der beste Stürmer der Bundesliga.“ 

Hennings einer für das DFB-Team?

Mit den 16 Toren des Polen kann es der Düsseldorfer momentan nicht aufnehmen. Dass sein Name aber sogar mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde, schmeichelt dem 32-jährigen Hennings dann doch. "Ich finde es total Wahnsinn, dass diese Diskussion entstanden ist. Ich mache mir da jetzt keine Hoffnungen und bin auch nicht enttäuscht, dass bis jetzt kein Anruf vom Bundestrainer kam.“

Neun von 15 Toren der Fortuna gehen in dieser Saison auf das Konto von Rouwen Hennings. Da überraschen Komplimente von seinem Trainer wenig. "Rouwen trifft zurzeit, wie er will“, sagt Friedhelm Funkel. "Er strotz vor Selbstvertrauen und profitiert davon, dass er vom ersten Trainingstag an verletzungsfrei geblieben ist.“ Seinen Vertrag bei der Fortuna hat Hennings kürzlich verlängert. Sein Wunsch: Noch ein paar Jahre Bundesliga in Düsseldorf spielen, um dann bei Rot-Weiß seine Karriere zu beenden.

Beeindruckende Karriere

Doch daran denkt Hennings aktuell weniger, vorrangig genießt er seinen Höhenflug. Denn der in der Nähe von Hamburg groß gewordene Stürmer hat in seiner Karriere auch schon andere Zeiten erlebt. Mit Anfang 20 kickte er für die zweite Mannschaft des Hamburger SV in der Regionalliga. Doch der HSV schickte den jungen Stürmer weg, sah keine Verwendung für ihn.

Über die Stationen FC St. Pauli, Karlsruher SC und den FC Burnley in England arbeitete sich Hennings über die Jahre immer weiter nach oben. "Meine Schattenseiten der Karriere liegen zum Glück schon länger zurück. Ich denke aber, dass ich daraus gestärkt hervorgegangen bin“, sagt Hennings, für den die Ausmusterung beim HSV prägend gewesen ist. 

Lobende Worte von der Familie

Halt gab und gibt ihm seine Familie. Hennings ist Familienmensch durch und durch. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Frau Janine besucht alle Heimspiele der Fortuna, hielt zu ihm, auch als die Karriere des jungen Rouwen Hennings nicht so richtig anspringen wollte. Hennings Kinder haben mittlerweile längst mitbekommen, dass der Papa die Bundesliga aufmischt.

"Ja, zu Hause gibt es viele lobende Worte“, verrät er. "Mein älterer Sohn hat mich aber gefragt, warum ich den Elfmeter auf Schalke nicht besser geschossen habe. Da musste ich erstmal mit ihm diskutieren. Zum Glück war der Ball auch so drin.“ Den Spielball hatte sich Hennings nach seinen drei Toren beim 3:3 auf Schalke gleich mit nach Hause genommen: "Meine Söhne haben versucht, den Ball zum Spielen zu klauen. Da musste ich ein Machtwort sprechen, die haben genug eigene Bälle zum Spielen.“ 

Stand: 20.11.2019, 08:30

Darstellung: