Schiedsrichterinnen - Lücke bei den Profis, Entwicklung bei den Amateuren

Bibiana Steinhaus

Weibliche Unparteiische im Männerfußball

Schiedsrichterinnen - Lücke bei den Profis, Entwicklung bei den Amateuren

Von Chaled Nahar

Immer mehr Mädchen und junge Frauen sehen in Bibiana Steinhaus ein Vorbild und begeistern sich für den Job als Schiedsrichterin, sagt ein Experte. Im Profibereich bleibe nach ihrem Rückzug aber vorerst eine Lücke.

"Ihr letztes Spiel auf dem Platz" werde der DFL-Supercup zwischen Bayern München und Borussia Dortmund sein, teilte der DFB zum Rücktritt von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus mit. Mit der Formulierung ließ der Verband eine Hintertür für künftige Einsätze als Video-Assistentin offen. Die großen Auftritte einer Frau als Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga sind aber vorerst Geschichte.

"Die Rolle der Pionierin ist ohnehin vergeben. Dass aber eine andere Schiedsrichterin in naher Zukunft in die Bundesliga aufsteigt, ist derzeit nicht abzusehen", sagt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" in der Sportschau.

Hussein und Rafalski wohl ohne Chance auf die Bundesliga

Schiedsrichterin Riem Hussein

Schiedsrichterin Riem Hussein

In der 2. Bundesliga der Männer ist derzeit keine Frau dabei, in der 3. Liga sind es zwei. Riem Hussein aus Bad Harzburg in Niedersachsen und Katrin Rafalski aus Baunatal in Hessen pfeifen dort Spiele. Hussein war zudem bei der Frauen-WM 2019 in Frankreich im Einsatz. Rafalski spielte eine starke Rolle, als sie auf rassistische Rufe gegen Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers im Spiel bei Preußen Münster mit Umsicht und Konsequenz reagierte.

Schiedsrichterin Katrin Rafalski

Schiedsrichterin Katrin Rafalski

Aber in der Bundesliga wird man die beiden wohl nicht mehr sehen. Hussein ist 40, Rafalski 38 Jahre alt. Steinhaus war 38 Jahre alt, als sie in die Bundesliga aufstieg. "Diese Perspektive wird sich den beiden wohl nicht mehr bieten", sagt auch Feuerherdt. Ob und wann unterhalb der 3. Liga weibliche Talente bis in die Bundesliga aufsteigen, sei unklar. Die Bundesliga der Männer muss nun erstmal ohne weibliche Spielleitungen auskommen.

Steinhaus hinterlässt Spuren im Amateurfußball

Steinhaus hinterlässt aber vor allem am anderen Ende der deutschen Fußballpyramide Spuren. "Es ist ganz klar zu sehen, dass es viel mehr Anwärterinnen gibt als früher", sagt Feuerherdt, der als Schiedsrichterlehrwart im Fußballkreis Köln und als Beobachter im Fußballverband Mittelrhein arbeitet. "Steinhaus ist da ein absolutes Vorbild."

Bibiana Steinhaus beendet Schiedsrichterkarriere

Sportschau 30.09.2020 01:09 Min. Verfügbar bis 30.09.2021 ARD Von Silke Tobias

Es sei auch das Verdienst von Steinhaus, dass auf den Amateurplätzen die Akzeptanz von Schiedsrichterinnen gestiegen sei. "Ich bin sensibel für so etwas und ich kann trotzdem klar sagen: Die Sprüche haben deutlich abgenommen. In den meisten Fällen ist der Einsatz einer Schiedsrichterin überhaupt nichts besonderes mehr." Diese Entwicklung und die Laufbahn von Steinhaus seien Gründe dafür, dass sich mittlerweile mehr Mädchen und Frauen für die Aufgabe der Schiedsrichterin begeistern.

Stand: 30.09.2020, 18:18

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