Jupp Heynckes - Karriereende, zweiter Versuch

Ende einer großen Trainerkarriere: Jupp Henyckes tritt ab

Bayern München - VfB Stuttgart, Samstag 15.30 Uhr

Jupp Heynckes - Karriereende, zweiter Versuch

Von Tim Beyer

Ein letztes Mal noch wird Jupp Heynckes in der Bundesliga an der Seitenlinie stehen, dann ist Schluss. Diesmal auch wirklich. Heynckes wird dem Fußball fehlen, den Bayern natürlich und ganz besonders Uli Hoeneß.

Als Jupp Heynckes das erste Mal seine Trainerlaufbahn für beendet erklärt hatte, standen die Bayern an Europas Spitze. 2013 war das, der Branchenprimus hatte das Triple, also Meisterschaft, Pokal und Champions League, gewonnen. Und Heynckes trat ab als der Trainer, der den "Mia-san-mia"-Favoritenfußball Münchener Prägung perfektioniert hatte. Doch der Abschied sollte nicht von Dauer sein.

Im Herbst 2017 lagen die Bayern in der Bundesliga fünf Punkte hinter Borussia Dortmund, sie hatten in der Champions League eine 0:3-Pleite bei Paris Saint-Germain kassiert, und vom "Mia-san-mia"-Gefühl war ohnehin nicht mehr viel zu spüren. Also musste Carlo Ancelotti, der gemütliche Italiener, der das fußballerische Erbe seiner Vorgänger Heynckes und Pep Guardiola mehr verwaltet als weiterentwickelt hatte, gehen.

Unter Heynckes kehrt der Erfolg zurück

Und für Bayern-Boss Uli Hoeneß, so erzählt man es sich, stand fest, dass jetzt nur noch einer würde helfen können: "Don Jupp", der Triple-Trainer im Ruhestand. Ein Trainer, der alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt: Einmal gewann Heynckes als Trainer von Real Madrid die Champions League, später dann mit dem FC Bayern. Er wurde viermal deutscher Meister und holte je einmal den DFB-Pokal und den UEFA-Cup.

Die Rückkehr: Jupp Heynckes (l.) übernimmt, Uli Hoeneß gefällt das

Die Rückkehr: Jupp Heynckes (l.) übernimmt, Uli Hoeneß gefällt das

Und weil Heynckes ein Mann mit Prinzipien ist und Hoeneß ziemlich hartnäckig sein kann, bekamen die Bayern ihren Wunschtrainer. Heynckes unterbrach seinen Ruhestand und übernahm zum vierten Mal den Rekordmeister. Bis zum Ende der Saison, hieß es. Am Ende wollten ihn die Bayern gar nicht mehr gehen lassen, so erfolgreich war er.

Doch am Anfang war Veränderung, Heynckes verbannte die Laissez-faire-Einstellung, die unter Ancelotti Einzug erhalten hatte. "Man braucht Regeln und Disziplin im Leben, auf allen Ebenen", hat Heynckes mal gesagt. Ganz besonders gelte das für eine Fußballmannschaft, noch dazu für ein erfolgsverwöhntes Starensemble wie den FC Bayern München. "Eine Mannschaft ist dann gut, wenn alle Rädchen ineinandergreifen", sagte Heynckes. Bei den Bayern griffen sie bald wieder ineinander, weil Heynckes die richtigen Schlüsse zog.

Er redete die Spieler stark

Er stärkte dem zuvor unsicheren Sven Ulreich, der den verletzten Manuel Neuer danach viele Monate toll vertrat, den Rücken, zog Javi Martínez von der Innenverteidigung auf die Sechs vor, nahm die sensiblen Franck Ribéry und Arjen Robben öfter in den Arm, als die das aus den Monaten, vielleicht Jahren zuvor gewohnt waren, und rotierte die zweite Reihe stark. 39 Pflichtspiele bestritten die Bayern seitdem, sie gewannen 33, macht 2,62 Punkte pro Spiel. Besser geht es kaum.

Zwei, die gut miteinander können: Jupp Heynckes (r.) und Franck Ribéry

Zwei, die gut miteinander können: Jupp Heynckes (r.) und Franck Ribéry

Der Titelkampf in der Bundesliga war eigentlich schon zu Weihnachten entschieden, weil Dortmund im gleichen Maße schwächelte wie die Bayern stärker und stärker wurden. Im Pokal zählt ohnehin nur der Titel, den die Bayern auch gerne in der Champions League gewonnen hätten. Sie waren nah dran, waren gegen Real Madrid zweimal das überlegene Team, machten aber die Tore nicht. Heynckes, einst selbst ein begnadeter Stürmer, sah an der Seitenlinie zu, doch diesmal war er machtlos.

Ein Abgang mit Stil

Nachher, als das Spiel aus und klar war, dass aus dem Triple-Trainer nicht der Doppel-Triple-Trainer werden würde, reagierte Heynckes so, wie man es vielleicht nur kann, wenn man im Fußball schon alles erlebt hat. Er baute die Unglücksraben Corentin Tolisso und Ulreich auf, die Madrid gemeinschaftlich den einen, wahrscheinlich entscheidenden Treffer im Rückspiel geschenkt hatten, und nahm den kritisierten Robert Lewandowski, der wieder einmal in einem ganz großen Spiel abgetaucht war, in Schutz. Und dann sagte er noch, er habe die Bayern "so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen".

"Jupp, Jupp"-Rufe

Am Mittwoch (09.05.2018) hatte Heynckes Geburtstag, er wurde 73. Die Spieler sangen für ihn, später gab es laute "Jupp, Jupp"-Rufe. Heynckes hat sich das angehört, wahrscheinlich war er auch ein bisschen gerüht, aber viel lieber wäre ihm sicher gewesen, wenn seine Spieler ihm stattdessen einfach zwei Siege schenken würden.

Einen gegen den VfB Stuttgart am Wochenende, im letzten Bundesligaspiel seiner Karriere. Und einen im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt (19.05.2018). Das Triple kann es nicht mehr werden, aber so ein Double wäre ja auch ein würdiger Abschied für einen großen Trainer.

Stand: 10.05.2018, 14:09

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