Revierderby "auf Schalke" - Der Spielervergleich

Der Dortmunder Axel Witsel (r.) im Zweikampfduell mit Guido Burgstaller (l.) von Schalke 04.

Der FC Schalke 04 empfängt Borussia Dortmund

Revierderby "auf Schalke" - Der Spielervergleich

Von Jörg Strohschein

In der vorangegangenen Saison trennten die beiden Revierklubs noch 13 Plätze und 42 Punkte. Nun ist dieser Abstand auf einen Zähler zusammengeschmolzen. Beide Teams begegnen sich auf Augenhöhe. Aber welche Mannschaft hat in den entscheidenden Mannschaftsteilen das größere Potential?

Die Torhüter

Der Schalker Alexander Nübel

Der Schalker Alexander Nübel

Alexander Nübel: Der Schalker Torhüter gilt als eines der größten Talente derzeit in Deutschland. Sein Vorgänger in Gelsenkirchen, Manuel Neuer, traut dem 23-Jährigen bereits jetzt zu, dass er in seine Fußstapfen im Nationalteam treten könnte. "Die Zeichen stehen gut für ihn. Aber er braucht noch Erfahrung", sagt Neuer. Bislang spielt der äußerst coole und unaufgeregte Nübel eine starke Saison, leistet sich aber auch immer mal wieder ein paar Unkonzentriertheiten oder krasse Fehler - wie zuletzt bei der Partie bei RB Leipzig, als er einen Ball durchrutschen ließ. Sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung sowie mit dem Fuß bei der Spieleröffnung ist Nübel überdurchschnittlich in der Liga.

Dortmunds Roman Bürki gestikuliert auf dem Spielfeld.

Roman Bürki

Roman Bürki: Der Dortmunder Keeper erweist sich in dieser Spielzeit als echter Rückhalt seines Teams. Stark auf der Linie, weniger fehleranfällig als noch in der jüngeren Vergangenheit. Zuletzt gegen Borussia Mönchengladbach rettete der Schweizer seinem Team mit starken Paraden das knappe 1:0. Aber auch außerhalb des Platzes gibt sich Bürki deutlich selbstbewusster. Er scheut sich auch nicht, Probleme des Dortmunder Teams offen anzusprechen und gewinnt dadurch immer mehr Profil. Nicht zuletzt durch diese Eigenschaft ist er die klare Nummer eins im BVB-Tor.

Der direkte (Saison-) Vergleich
NübelBürki
Einsätze (Spielminuten)8 (720)7 (611)
Minuten für ein Gegentor80 (insgesamt 9)61.1 (insgesamt 10)
Großchancen vereitelt50 Prozent (insgesamt 8)37,5 Prozent (insgesamt 8)
Ballkontakte (insgesamt)323267
Lange Pässe zum Mann31,3 Prozent26,3 Prozent

Fazit: Alexander Nübel parierte 74 Prozent der Bälle auf sein Tor, Roman Bürki demgegenüber nur 55 Prozent. Auch mit dem Fuß wirkt der Schalker Keeper variantenreicher und sicherer. Nübel ist der insgesamt komplettere Torhüter, auch wenn er nicht über die deutlich größere Erfahrung Bürkis verfügt. Vorteil: Schalke

Die Abwehrchefs 

Der Schalker Benjamin Stambouli

Der Schalker Benjamin Stambouli

Benjamin Stambouli: Er ist die Entdeckung der Saison "auf Schalke", obwohl Benjamin Stambouli  bereits seit zwei Jahren im Klub ist. Der 29-Jährige hat sich mittlerweile nach vielen Schwächephasen zu einer tragenden Größe im Team entwickelt. Trainer David Wagner lobt beim Franzosen seine Dominanz, seine Präsenz und wie schlau er nach vorne verteidigt - und  wie er "jeden Zug schon vorher liest". Der Franzose gehört allerdings nicht gerade zu den Sprintern. "Wenn du nicht so schnell mit den Füßen bist, musst du mit Gehirn spielen", sagt Stambouli. Und es gibt ein gutes Omen für die "Königsblauen": Mit Stambouli auf dem Platz hat Schalke noch kein Derby verloren. 

Der Dortmunder Mats Hummels während der Partie gegen den SC Freiburg.

Mats Hummels

Mats Hummels: Die Diskussionen um eine Rückkehr von Mars Hummels in die Nationalmannschaft sind - nicht zuletzt nach der schweren Kreuzbandverletzung von Bayerns Niklas Süle - längst wieder entbrannt. Der 30-Jährige ist das, wofür sie ihn bei Borussia Dortmund vor der Saison verpflichtet haben: der Abwehrchef. BVB-Sportdirektor Michael Zorn sagt: "Ich habe schon vor der Verpflichtung von Mats gesagt, dass er der beste deutsche Verteidiger ist." Hummels ist seit seiner Rückkehr einer, wenn nicht der Leader des BVB-Teams.   

Der direkte (Saison-) Vergleich*
StambouliHummels
Einsätze (Spielminuten)8 (720)7 (603)
gewonnene Zweikämpfe82 (59,4 Prozent)84 (64,1 Prozent)
gespielte Pässe386505
Fehlpässe17,4 %10,5 %
Laufstrecke (pro 90 Minuten)9856 m10009 m

Fazit: Mats Hummels war deutlich öfter am Ball als Benjamin Stambouli, hat eine wesentlich geringere Fehlpassquote und gab bereits neun Torschüsse ab, während der Schalker noch gar nicht zum Abschluss kam (und noch nie ein Bundesliga-Tor erzielte). Der Dortmunder nimmt größeren Einfluss auf das gesamte Spiel seines Teams. Vorteil: BVB 

Das defensive Mittelfeld

Omar Mascarell von Schalke 04

Omar Mascarell von Schalke 04

Omar Mascarell: "Das ist bisher meine beste Zeit beim FC Schalke. Hunderprozentig", sagte der defensive Mittelfeldspieler der Schalker jüngst. Kein Wunder. Schließlich hat es der Spanier nach einem trostlosen ersten Jahr in Gelsenkirchen mittlerweile in die Stammformation auf der sogenannten "Sechs" gebracht. Dafür war er aus Frankfurt gekommen, brachte es in der Vorsaison aber gerade mal auf 14 Einsätze. Zweikampf-und Laufstärke zeichnen den 26-Jährigen vor allem aus. Seine Welt ist vor allem die Arbeit auf dem Feld und nicht so sehr die Strategie - die überlässt er anderen.

Dortmunds Axel Witsel

Dortmunds Axel Witsel

Axel Witsel: Für den Dortmunder ist der Begriff "Stratege" einst geschaffen worden. Der Belgier ist Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels. Er fordert die Bälle im Mittelfeld, verteilt sie, scheut auch die Zweikämpfe nicht. Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, schaltet er sich immer wieder in den Angriff ein, weshalb er auch schon an fünf Toren in dieser Spielzeit beteiligt war - was ihn noch herausstechen lässt. "Axel strahlt unheimlich viel Selbstbewusstsein nach innen und nach außen aus. Er gibt unserem Spiel die richtige Struktur", lobte Sportdirektor Michael Zorc kurz nach seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer, was bis heute Gültigkeit besitzt.

Der direkte (Saison-) Vergleich*
MascarellWitsel
Einsätze (Spielminuten)8 (679)7 (618)
Ballaktionen479627
Zweikämpfe insgesamt150109
gewonnene Zweikämpfe58,7 Prozent51,4 Prozent
Laufstrecke pro 90 Min.12084 m11154 m

Fazit: Omar Mascarell und Axel Witsel sind zwei völlig unterschiedliche Spielertypen auf der Sechserposition, die jeweils mit ihren Stärken die Grundwerte der kämpferischen Schalker und spielstarken Dortmunder personifizieren. Weder Mascarell (30,6 km/h Topspeed) noch Witsel (30,2 km/h Topspeed) sind Sprintexperten. Der BVB-Profi ist allerdings der komplettere Spieler. Vorteil: BVB

Das offensive Mittelfeld

Amine Harit von Schalke 04 jubelt

Amine Harit von Schalke 04 jubelt

Amine Harit: Dass die Scouts des FC Barcelona derzeit ein Auge auf Amine Harit geworfen haben sollen, das hätte sich vor drei Monaten wohl noch niemand vorstellen können. Damals sollte der Marokkaner die Schalker sogar verlassen, weil er als als eine Art Störenfried ausgemacht worden war. Alles vergessen mittlerweile: Läuft es gut für Harit, läuft es gut für sein Team. Und bislang läuft es überwiegend sehr gut für den 22-Jährigen. Seine Dribblings, seine Ballfertigkeit, sein Offensivdrang machen häufig den Unterschied aus. Und: Harit hat mittlerweile auch gelernt, zu verteidigen. Allerdings muss er noch an seiner Beständigkeit auf hohem Niveau arbeiten.

Marco Reus

Marco Reus

Marco Reus: Er ist nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt der Dortmunder Offensive. Seine Schnelligkeit, seine Übersicht, sein Zug zum Tor sind in der Bundesliga geradezu einzigartig. Marco Reus ist mit seinen fünf Treffern der derzeit torgefährlichste Mittelfeldspieler dieser Bundesliga-Saison. Aber: Reus agierte in dieser Spielzeit trotz seiner Treffer recht wechselhaft. Dennoch sammelte er sechs Scorer-Punkte - die aber alle in Heimspielen. "Auf Schalke" wird der 30-Jährige ein anderes (Auswärts-) Gesicht zeigen müssen.

Der direkte (Saison-) Vergleich*
HaritReus
Einsätze (Spielminuten)8 (694)8 (709)
Tore + Assists6 (4 Tore)6 (5 Tore)
gespielte Pässe (Fehlpassquote)278 (16,5 Prozent)291 (15,1 Prozent)
gewonnene Zweikämpfe57,1 Prozent41,1 Prozent
Laufstrecke pro 90 Minuten11717 m11692 m

Fazit: Marco Reus und Amine Harit unterscheidet in dieser Saison nicht sehr viel. Allerdings spielt Reus schon deutlich länger auf hohem, konstantem Niveau. Harit ist unberechenbar, sowohl was positive, aber auch negative Aktionen auf dem Platz angeht. Beim Dortmunder wissen die Fans (fast) immer, was sie bekommen. Vorteil: BVB

Der Angriff

Der Schalker Guido Burgstaller

Der Schalker Guido Burgstaller

Guido Burgstaller: Der Österreicher ist bei Trainer David Wagner gesetzt, weil er für zwei Spieler arbeitet. Burgstaller läuft und läuft und läuft - trifft in dieser Saison aber nicht mehr das Tor. Dennoch hält Wagner an seinem Stürmer fest. Burgstaller sei "das größte Mentalitätsmonster auf diesem Planeten. Das ist Wahnsinn und macht riesig Freude", sagt der S04-Coach über den 30-Jährigen. Deshalb würde er sich wohl auch über den ersten Saisontreffer Burgstallers ausgerechnet im Revierderby doppelt freuen.

Paco Alcacer von Borussia Dortmund in Aktion.

Paco Alcacer: Der Spanier ist das Gegenteil des Schalker Angreifers. Der Dortmunder, der zuletzt angeschlagen fehlte, verwertete starke fünf seiner 15 Torschüsse und alle vier Großchancen (Burgstaller vergab seine beiden Großchancen). Mittlerweile hat er sich bei Trainer Lucien Favre vom reinen "Joker" zum Startelf-Spieler gewandelt. Seine Abgeklärtheit vor dem Tor und seine Freistoß-Fähigkeiten machen Alcacer zu einem der besten Angreifer in der Bundesliga. Allerdings: Alcacer ist verletzt, sein Einsatz ist fraglich.

Der direkte (Saison-) Vergleich*
BurgstallerAlcacer
Einsätze (Spielminuten)8 (711)6 (443)
Tore + Assists2 (0 Tore)6 (5 Tore)
Zweikämpfe (gewonnen)195 (37,4 Prozent)61 (31,1 Prozent)
Laufstrecke pro 90 Minuten11397 m9514 m
Sprints pro 90 Minuten30,523,2

Fazit: Der Schalker Burgstaller lief und sprintete deutlich mehr, führte gemessen an der Einsatzzeit doppelt so viele Zweikämpfe, brachte aber keinen von 22 Torschüssen im Tor unter. Der Österreicher ist der deutlich aktivere Spieler, der Spanier der wesentlich effektivere Profi. Und Angreifer werden vor allem an Toren gemessen. Vorteil: BVB

Die Trainer

Schalkes Trainer David Wagner

Schalkes Trainer David Wagner

David Wagner: Dem neuen Schalker Coach ist es gelungen, aus einer einst zerstrittenen Mannschaft ein festes Gefüge zu formen. "Wir haben einen neuen Trainer, dazu einen neuen Staff und auch eine neue Mentalität. Der Trainerstab vertraut uns, das geben wir auf dem Platz zurück“, beschreibt Schalkes Omar Mascarell die Herangehenweise des Coaches. Wagner bleibt auch in Stresssituatuionen ruhig. Er bringt seine Spieler immer wieder an ihr Leistungslimit. Vor allem ist es ihm, anders als vielen seiner Vorgänger, gelungen, der Schalker Mannschaft ein Konzept zu verabreichen, das auf dem Spielfeld sichtbar ist. Pressing gepaart mit spielerischen Elementen und einem schnellen Umschaltspiel sind für den 48-Jährigen Mittel zum Zweck.

Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre

Lucien Favre

Lucien Favre: Der Schweizer will Ballkontrolle und -besitz, gepaart mit viel Ruhe und Souveränität. Nach einer brillanten Vorrunde in der Vorsaison folgte eine für das Team unterdurchschnittliche Rückrunde, in der sein BVB neun Punkte Vorsprung auf die Bayern noch verspielte. Auch die bisherige Saison läuft alles andere als optimal. Favre gilt als großer Fußballexperte, aber keineswegs als Motivator und vielen auch als zu zögerlich. Derzeit wächst die Kritik am Schweizer, weil der BVB sich in eine schwierige Phase hineinmanövriert hat.

Fazit: David Wagner ist derzeit der Trainer der Stunde in der Bundesliga. Ihm ist es gelungen, die Schalker wieder wachzuküssen und ihnen eine neue Stärke zu geben. Lucien Favre dagegen sucht gerade intensiv nach Lösungsansätzen, um sein Team aus dem Tief heraus zuführen. Vorteil: Schalke

* alle Daten deltatre

Stand: 25.10.2019, 08:30

Darstellung: