Mainz gewinnt dank kuriosem Elfmeter und Torwart-Patzer

Schwolow springt in die falsche Ecke

1. FSV Mainz 05 - SC Freiburg 2:0

Mainz gewinnt dank kuriosem Elfmeter und Torwart-Patzer

Von Michael Ostermann

Ein Elfmeter nach dem Halbzeitpfiff und ein Torwartfehler sorgen für den Mainzer Sieg im Kellerduell gegen Freiburg. Der SC steckt nun in noch größeren Abstiegsnöten.

Es war die vierte Niederlage des SC Freiburg in Folge. Das 0:2 beim 1. FSV Mainz bedeutet, dass das Team von Trainer Christian Streich in der Tabelle nun auf dem Relegationsrang angekommen ist, den Mainz durch den Sieg verlassen konnte. Aber nicht nur deshalb werden die Freiburger diesen Abend noch lange in Erinnerung behalten.

Die Niederlage war verdient, aber ihr Zustandekommen mehr als kurios. Beide Mainzer Treffer erzielte Pablo de Blasis. Den ersten per Handelfmeter nach einem Videobeweis nach dem Halbzeitpfiff (45.+7) und den zweiten nach einem schweren Patzer von Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow (78.). "Es geht nur darum, die Punkte zu holen. Es war ein Kampfspiel", fasste FSV-Trainer Sandro Schwarz das Geschehen später zusammen.

Sandro Schwarz - "Geärgert, dass erst nicht gepfiffen wurde"

Sportschau | 16.04.2018

Artistik und Geschubse

Die Freiburger begannen das Abstiegsduell artistisch. Nicolas Höfler setzte gleich in der ersten Minute einen Seitfallzieher aus 25 Metern über das Mainzer Tor. Doch bevor der Eindruck entstehen konnte, beide Teams würden auf Abstiegskampf ohne Kampf setzen, gerieten auch schon Freiburgs Pascal Stenzel und de Blasis aneinander. Ein bisschen Geschubse an der Seitenlinie und mahnende Worte von Schiedsrichter Guido Winkmann waren die Folge.

Die Ermahnung hatte beruhigende Wirkung auf die Gemüter und dieser Ruhe passte sich zunächst auch das Spielgeschehen an. Erst in der 20. Minute bekamen die 26.000 Zuschauer, die trotz des ungeliebten Montagabend-Termins ins Mainzer Stadion gekommen waren, die nächste aufregende Szene zu sehen: Danny Latza zirkelte einen Freistoß von halbrechts in den Freiburger Strafraum, wo am langen Pfosten Abdou Diallo und de Blasis bereit standen. Diallo kam auch an den Ball, setzte ihn aber neben das Tor.

Nach kuriosem Videobeweis - Interview mit wortkargem Streich

Sportschau | 17.04.2018 | 02:07 Min.

Erst Halbzeit-, dann Elfmeterpfiff

Spätestens da hatten die Mainzer die Spielkontrolle gewonnen, stellten die Freiburger Defensive jedoch nicht vor allzu schwierige Aufgaben. Richtig aufregend wurde es erst wieder nach dem Halbzeitpfiff: Kurz zuvor war Daniel Brosinski noch aus spitzem Winkel an Freiburgs Keeper Alexander Schwolow gescheitert. Freiburgs Marc-Oliver Kempf hatte den Ball bei Brosinkis Schuss an die Hand bekommen, was Schiedsrichter Winkmann entgangen war, nicht aber der Videoschiedsrichterin Bibiana Steinhaus in Köln.

Während sich die Spieler schon in der Kabine befanden, beugte sich Winkmann also über den Monitor und entschied anschließend auf Handelfmeter. Die fassungslosen Freiburger mussten wieder zurück auf den Rasen. De Blasis verwandelte souverän. Statt 0:0 stand es zur Pause nun 1:0 für Mainz. "Das müssen wir akzeptieren. Es wird immer kurioser", sagte ein erstaunlich gefasster SC-Sportvorstand Jochen Saier schon kurz nach dem Treffer bei Eurosport. "Aber es ist schon regelkonform, weil mit dem Halbzeitpfiff das Spiel nicht beendet ist." Freiburgs Trainer Christian Streich wollte die Szene nach Schlusspfiff nicht kommentieren. "Da sage ich nichts zu", erklärte er.

Proteste mit Toilettenpapier

Seine Spieler steckten die kuriose Entstehung des Rückstand auch nicht so leicht weg. Nachdem sich der Beginn der zweiten Halbzeit auch noch verzögert hatte, weil zunächst haufenweise aus Protest gegen die Montagsspiele geworfenenes Toilettenpapier aus dem Strafraum vor dem Mainzer Fanblock beseitigt werden musste, begannen sie hektisch und unkonzentriert. Mainz drängte auf die Entscheidung. Doch sowohl Latza (48.) als auch de Blasis (58.) verfehlten das Ziel.

Für die größte Gefahr für das Freiburger Tor sorgte zunächst allerdings ein Freiburger: Der eingewechselte Tim Kleindienst lenkte einen hohen Ball per Kopf auf die Latte des eigenen Tores (64.). Zum Ausgleich köpfte er den Ball zehn Minuten später dann aufs Mainzer Tornetz. Der SC hatte sich da längst wieder gefangen, bemühte sich redlich, selbst gefährlich zu werden, meist aber vergeblich.

Schwolow patzt

Stattdessen verhalfen die Freiburger den Mainzern in Person von Schwolow zur Entscheidung. Der Freiburger Torhüter spitzelte einen Rückpass unbedrängt in die Füße von Robin Quaison. Der Mainzer Stürmer legte quer und de Blasis erzielte mühelos seinen zweiten Treffer. Nils Petersen traf anschließend noch den Pfosten des Mainzer Tores (88.). Es war die beste Freiburger Chance des Abends.

Für die nun noch schwerer in Not geratenen Freiburger geht es am kommenden Sonntag bereits mit dem nächsten Abstiegsduell beim Hamburger SV weiter. Mainz spielt einen Tag später in Augsburg.

Fußball · Bundesliga · 30. Spieltag 2017/2018

Montag, 16.04.2018 | 20.30 Uhr

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Adler – Brosinski, Balogun, Hack, Diallo – Gbamin – Serdar (80. de Jong), Latza – Öztunali (85. Holtmann), de Blasis (90.+1 Ujah) – Quaison

2
Wappen SC Freiburg

SC Freiburg

Schwolow – Söyüncü, Gulde, M.-O. Kempf (46. Kleindienst) – P. Stenzel, R. Koch (69. J. Schuster), Höfler, Günter – Höler (77. Kath), Haberer – Petersen

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 de Blasis (45.+7/Handelfmeter)
  • 2:0 de Blasis (79.)

Strafen:

  • gelbe Karte Haberer (9 )
  • gelbe Karte Gulde (1 )
  • gelbe Karte Balogun (4 )

Zuschauer:

  • 26.407

Schiedsrichter:

  • Guido Winkmann (Kerken)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel begann aufgrund von Fanprotesten mit fünfminütiger VerzögerungEntscheidung auf Handelfmeter (Mainz) nach Videobeweis (45.+7)Die 2. Halbzeit begann aufgrund von Fanprotesten mit zehnminütiger Verzögerung

Stand: Montag, 16.04.2018, 22:42 Uhr

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Wappen SC Freiburg

SC Freiburg

Tore 2 0
Schüsse aufs Tor 3 0
Ecken 4 4
Abseits 1 0
gewonnene Zweikämpfe 107 108
verlorene Zweikämpfe 108 107
gewonnene Zweikämpfe 49,77 % 50,23 %
Fouls 16 10
Ballkontakte 548 544
Ballbesitz 50,18 % 49,82 %
Laufdistanz 117,7 km 118,46 km
Sprints 219 202
Fehlpässe 52 63
Passquote 83,12 % 78,28 %
Flanken 11 13
Alter im Durchschnitt 26,6 Jahre 25,1 Jahre

Stand: 16.04.2018, 22:26

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München3178
2.FC Schalke 043156
3.Bor. Dortmund3154
4.Bayer Leverkusen3151
5.1899 Hoffenheim3149
 ...  
16.SC Freiburg3130
17.Hamburger SV3125
18.1. FC Köln3122
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