Hertha zerstört Hamburger Aufbruchstimmung

Valentino Lazaro jubelt mit seinen Teamkollegen

Hamburger SV - Hertha BSC 1:2

Hertha zerstört Hamburger Aufbruchstimmung

Der rundumerneuerte HSV durfte eine Halbzeit lang auf einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf hoffen, doch am Ende setzte sich die Abgeklärtheit der Berliner durch.

Der Hamburger SV taumelt auch unter dem neuen Trainer Christian Titz weiter dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Beim Bundesliga-Debüt des dritten HSV-Trainers in dieser Saison verlor der Tabellenvorletzte am Samstag (17.03.2018) im Volksparkstadion gegen Hertha BSC aufgrund einer fahrigen zweiten Hälfte verdient mit 1:2 und konnte damit keine neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt schöpfen.

Lazaro und Kalou schießen Sieg für Hertha heraus

Douglas Santos (25.) hatte den HSV gegen die zuletzt so formschwachen Berliner zunächst in Führung gebracht, in der zweiten Hälfte brachen die Gastgeber aber ein. Valentino Lazaro (56.) und der eingewechselte Salomon Kalou (63.) drehten die Partie für die Hertha innerhalb von nicht einmal zehn Minuten. Nach nunmehr 14 Spielen ohne Sieg hat der HSV weiter sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Die Berliner dagegen dürfen nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg und eigenen Torerfolg aufatmen und die europäischen Plätze wieder ins Blickfeld nehmen.

"Natürlich können wir die Tabelle lesen, die Niederlage tut sehr weh", sagte HSV-Youngster Matti Steinmann. Ein Hauch von Abstiegsstimmung verbreiteten auch einige HSV-Fans, die sich nach dem Spiel Zusammenstöße mit der Polizei lieferten.

Neu-Coach Titz bringt jüngste HSV-Elf seit mehr als 40 Jahren

Titz, zuvor U23-Coach der Hamburger, hatte das Team wie angekündigt stark umgekrempelt und vor allem verjüngt. Der bisherige Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos saß zunächst nur auf der Bank. Etablierte Kräfte wie Mergim Mavraj, André Hahn oder Neun-Millionen-Mann Walace standen nicht einmal im Kader. Mit 23 Jahren und 359 Tagen im Schnitt war die HSV-Startelf so jung wie zuletzt am 5. Januar 1974. Im Vergleich zur 0:6-Demütigung gegen den FC Bayern München brachte der neue Coach gleich fünf Neue. Unter anderem kehrte U21-Europameister Julian Pollersbeck zurück ins Tor, im Angriff vertraute Titz Supertalent Jann-Fiete Arp.

HSV-Debütant Steinmann: "Hätte lieber gewonnen"

Sportschau | 17.03.2018 | 00:57 Min.

Steinmann, bislang Kapitän der Regionalliga-Mannschaft, debütierte im neuen 4-1-4-1-System im zentralen Mittelfeld - und sorgte gemeinsam mit den davor postierten Aaron Hunt und Lewis Holtby dafür, dass der HSV nach nervösem Beginn zunächst die Kontrolle gegen abwartende Berliner übernahm.

Dem umformierten Team waren der Wille und der neue Mut auf dem Platz deutlich anzumerken. Immer wieder suchte der HSV, angetrieben vom starken Filip Kostic, im Spiel nach vorne spielerische Lösungen - und belohnte sich mit dem Führungstreffer: Kostic bediente den startenden Santos, der Brasilianer behielt die Nerven und schob Hertha-Keeper Rune Jarstein den Ball durch die Beine in Netz.

Berlin mit starker zweiter Halbzeit

Die Berliner, die im ersten Durchgang nur zweimal gefährlich vors Hamburger Tor kamen und jeweils am glänzenden Pollersbeck scheiterten, kamen deutlich entschlossener und offensiver aus der Kabine - und legten schnell die Schwachstellen der Hamburger offen. Bei Lazaros Ausgleichstreffer durfte Nationalspieler Marvin Plattenhardt in aller Ruhe flanken. Kalou sorgte für den endgültigen Stimmungskiller in Hamburg, nachdem Arne Maier mit einem Sololauf fast die komplette HSV-Abwehr ausgehebelt hatte. Von dem Doppelschlag erholte sich der HSV, bei dem nun sich wieder die Verunsicherung der letzten Wochen bemerkbar machte, im Anschluss nicht mehr.

Papadopoulos kritisiert Trainer: "Nicht die beste Lösung"

Nach dem Schlusspfiff sorgte zudem der nicht berücksichtigte Papadopoulos für Unruhe, indem er die Umstellungen des neuen Trainers scharf kritisierte. Titz' Aufstellung sei "nicht die beste Lösung" gewesen, so der bislang gesetzte Grieche. "Die Mannschaft braucht erfahrene Spieler. Ich habe keine Ahnung, warum ich nicht gespielt habe. Der Trainer hat nicht mit mir gesprochen. Ich werde das Gespräch auch nicht suchen."

Der Trainer wies die Darstellung, Papadopoulos sei ohne Erklärung ausgebootet worden, in der anschließenden Pressekonferenz zurück. Gegenüber der ARD-Sportschau hob Titz die gute Leistung in der ersten Halbzeit hervor. "Die Mannschaft hat versucht, sich dagegenzustemmen. Am Ende des Tages ist dies aber leider enttäuschend und ein mentaler Rückschlag. Aber wir werden versuchen, das zu verdauen und die Mannschaft wieder aufzubauen."

Dafür hat der HSV-Coach nun zwei Wochen Zeit. Nach der Länderspielpause steht das schwere Auswärtsspiel beim zuletzt bärenstarken VfB Stuttgart an. Hertha BSC empfängt den VfL Wolfsburg.

Fußball · Bundesliga · 27. Spieltag 2017/2018

Samstag, 17.03.2018 | 15.30 Uhr

Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

Pollersbeck – Sakai, G. Jung, van Drongelen, Douglas Santos – Steinmann – Tat. Ito (71. Jatta), Hunt, L. Holtby (65. Wood), Kostic – Arp (78. L. Waldschmidt)

1
Wappen Hertha BSC

Hertha BSC

Jarstein – Mittelstädt (60. Kalou), N. Stark, Rekik, Plattenhardt – Maier (88. Skjelbred), Lustenberger – Weiser, Darida, Lazaro – Ibisevic (71. Selke)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Douglas Santos (25.)
  • 1:1 Lazaro (56.)
  • 1:2 Kalou (63.)

Strafen:

  • gelbe Karte Lazaro (4 )
  • gelbe Karte van Drongelen (4 )
  • gelbe Karte T. Kraft (1 )
  • gelbe Karte Plattenhardt (5 )

Zuschauer:

  • 52.195

Schiedsrichter:

  • Robert Kampka (Mainz)

Stand: Samstag, 17.03.2018, 17:24 Uhr

Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

Wappen Hertha BSC

Hertha BSC

Tore 1 2
Schüsse aufs Tor 3 9
Ecken 1 6
Abseits 0 2
gewonnene Zweikämpfe 113 113
verlorene Zweikämpfe 113 113
gewonnene Zweikämpfe 50 % 50 %
Fouls 12 14
Ballkontakte 703 595
Ballbesitz 54,16 % 45,84 %
Laufdistanz 125,98 km 122,21 km
Sprints 234 222
Fehlpässe 76 68
Passquote 83,66 % 80,68 %
Flanken 15 7
Alter im Durchschnitt 23,6 Jahre 26,4 Jahre

red/dpa/sid | Stand: 17.03.2018, 17:22

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München00
1.FC Schalke 0400
1.Bor. Dortmund00
1.Bayer Leverkusen00
1.Hertha BSC00
 ...  
1.FC Augsburg00
1.1899 Hoffenheim00
1.RB Leipzig00
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