Marco Rose verändert Gladbachs Spielkultur

Trainer Marco Rose von Mönchengladbach gestikuliert am Spielfeldrand

Spieler saugen das neue System auf

Marco Rose verändert Gladbachs Spielkultur

Von Christian Hornung

Marco Rose hatte im Frühjahr mehrere Anfragen aus der Bundesliga - entschieden hat er sich für Borussia Mönchengladbach. Die Saisonvorbereitung bisher lässt erahnen, dass es eine Erfolgsgeschichte werden könnte.

Mit der Entscheidung an sich, aber auch mit dem Zeitpunkt ihrer Bekanntgabe ging Max Eberl voll ins Risiko. Der meist konservativ agierende Gladbacher Manager hatte vor der Saison 2018/19 als klares Ziel ausgegeben, sich gegenüber dem neunten Platz aus dem Vorjahr zu verbessern.

Demzufolge hatte Trainer Dieter Hecking sein Soll sogar übererfüllt: Gladbach war Fünfter in der Fußball-Bundesliga, mit nur zwei Zählern Rückstand auf einen Champions-League-Platz. Trotz eines bis 2020 laufenden Vertrages gab Eberl am 2. April die Trennung von Hecking bekannt. Die Zukunft der "Fohlen" wollte er lieber mit dem Salzburger Trainer Marco Rose angehen.

Eberl sieht sich bestätigt

Am Samstag (20.07.2019), kurz vor dem Ende des Gladbacher Trainingslagers am Tegernsee, zog Eberl nun ein erstes Zwischenfazit. Rose sei kein Magier, stellte er sicherheitshalber klar.

Aber: "Meine Vorstellung, dass es zwischen Marco und der Mannschaft gut funktionieren könnte, ist jetzt auf dem Platz zu sehen. Es ist spannend zu sehen, wie die Jungs alles Neue aufsaugen. Marco ist als Mensch sehr zugänglich, aber auch sehr klar in seiner Ansprache. Er vermittelt sehr genau, was er auf dem Platz von den Spielern sehen will. Ich habe einen Trainer geholt, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er sehr gut zu unserem Klub und der Mannschaft passt."

Rose - "Wissen, welche Möglichkeiten die Borussia hat" Sportschau 29.05.2019 00:30 Min. Verfügbar bis 30.05.2020 Das Erste

Kulturwandel steht an

Diese Mannschaft wirkt in der Tat lernwillig und wissbegierig, aber sie braucht offenbar auch ständig neuen Input. Sonst lässt sie die Dinge - wie in der Rückrunde der Vorsaison - auch gerne mal komplett schleifen.

Diesen neuen Input bringt Rose ganz sicher. Er hat zwar gleich nach seiner Ankunft betont, dass er "hier nicht die Schablone aus Salzburg draufknallen" möchte. Aber es hat nicht viele Trainingseinheiten und Testspiele gebraucht, um den Fans zu zeigen: Es steht ein Kulturwandel an.

Rose - "Wollen aktiv gegen den Ball arbeiten" Sportschau 29.05.2019 00:39 Min. Verfügbar bis 30.05.2020 Das Erste

Mehr Tempo, höheres Pressing

Hin zu mehr Tempo, zu mehr Aggressivität. Hin zu höherem Pressingverhalten, zu sehr viel mehr Laufarbeit und einem viel aufmerksameren Spiel ohne Ball. Und hin zu einem viel schnelleren und direkteren Weg zum Torabschluss.

All das ist dringend notwendig, um die Borussen im erneuten Kampf um einen europäischen Wettbewerb in Stellung zu bringen. Denn als die Gegner ab dem 20. Spieltag 2018/19 die Stärken des 4-3-3-Systems weitgehend verinnerlicht hatten und die Laufwege der beiden Achter zur Grundlinie konsequent zustellten, fiel dem VfL nicht mehr viel ein.

Vor allem gegen tief stehende Mannschaften war der Ballbesitz am Ende reiner Selbstzweck und führte meist ins Leere, auch mangels Präsenz in der wirklich gefährlichen Zone: Raffael und Lars Stindl ließen sich immer wieder zurückfallen, Alassane Pléa war von Hecking auf die für den Franzosen zunehmend frustrierende Linksaußenposition abgeschoben worden.

Patrick Herrmann im Zweikampf mit Junior Caicara

Patrick Herrmann im Zweikampf mit Junior Caicara

"Jetzt im 4-4-2 mit Raute haben wir mit zwei echten Spitzen und einem Zehner viel mehr Leute im Zentrum, die anspielbar sind und vorne abschließen können", sagt Patrick Herrmann zu sportschau.de. "Man sieht vom ersten Tag an einen Plan, das finde ich super."

"Wir brauchen Konkurrenz"

Herrmann selbst ist davon direkt betroffen: Ihn lässt Rose nicht mehr rechts außen die Linie entlang laufen, sondern setzt ihn in den Tests als zweite Spitze ein.

Die Außenbahnen zu beackern, ist rechts vornehmlich Neuzugang Stefan Lainer und links Oscar Wendt vorbehalten, der allerdings noch einen Konkurrenten bekommen soll. Rose: "Wir wollen auf höchstem Niveau bereit sein, weil wir Europa League spielen und in der Bundesliga etwas vorhaben. Dafür brauchen wir eine gesunde Konkurrenzsituation."

Die herrscht momentan vor allem im Gladbacher Mittelfeld, wo sich im Lauf der Vorbereitung der zuletzt ausgebootete Michael Cuisance und der aus Kiel zurückgekehrte Lászlo Bénes in den Vordergrund gespielt haben. Die Etablierten wie Jonas Hofmann und Ibrahima Traoré werden es schwer haben, auch Florian Neuhaus ist nicht mehr gesetzt.

Geduld mit Spielern und Fans

Alassane Plea am Ball

Alassane Plea am Ball

Rose gelingt es mit seiner klaren und verbindlichen Ansprache bisher sehr gut, alle Spieler im Kader mitzunehmen. Selbst für den schnellen, aber taktisch limitierten und abschlussschwachen Keanan Bennetts nimmt er sich im Training extrem viel Zeit, um seine Vorstellungen gestenreich zu vermitteln.

Der gebürtige Leipziger hat offenbar sehr viel Geduld mitgebracht, seine Trainingseinheiten dauern nicht selten bis an die zweieinhalb Stunden.

Aber auch danach ist Rose die Ruhe selbst, wenn die Fans nach Selfies und Autogrammen fragen. Als es Busfahrer Markus Breuer am Tegernsee dann doch einmal zu lange dauerte und er lautstark auf die Hupe drückte, um die Mannschaft endlich ins Hotel zurückzufahren, bekam er gleich eine klare Ansage vom Coach: "Wir sind hier auch für die Fans da, also nehmen wir uns die Zeit." Ganz ruhig sagte er das. Aber auch ganz unmissverständlich.

Marco Rose im Steckbrief
geboren11. September 1976
Vereine als ProfifußballerVfB Leipzig
Hannover 96
1. FSV Mainz 05
Vereine als Trainer1. FC Lok Leipzig
RB Salzburg

Gladbachs mögliche Startelf beim Pokalauftakt am 9. August bei Zweitligist SV Sandhausen: Sommer - Lainer, Elvedi, Ginter, Wendt - Strobl - Bénes, Zakaria - Cuisance - Herrmann, Pléa.

Stand: 22.07.2019, 19:08

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