Bei Mainz klappt, was bei Köln misslingt

Trainer Achim Beierlorzer (Mitte) mit seinen feiernden Spielern

Der Effekt von Trainerwechseln

Bei Mainz klappt, was bei Köln misslingt

Von Frank Hellmann

Unterschiedlicher hätte sich der Effekt eines Trainerwechsels nicht zeigen können als am zwölften Spieltag: Während der 1. FC Köln unter Markus Gisdol nicht vorankommt, stemmt sich der FSV Mainz 05 unter Achim Beierlorzer gegen die Krise. Die Analyse.

Ursprünglich hatte Achim Beierlorzer mal gedacht, er würde jetzt im Urlaub sein. Schließlich hatte seine Frau bereits die Reise gebucht. Doch nun freut sich der Fußballlehrer auf Tage, die auch ohne Erholung "einfach schön" sind. An seiner neuen Wirkungsstätte, die jetzt 1. FSV Mainz 05 statt 1. FC Köln heißt.

Es ist eine wundersame Geschichte, dass der neue Trainer zum Einstand einen 5:1-Sieg gegen Hoffenheim einfuhr - und dabei gegen denselben Gegner Erfolg hatte, der ihn erst vor zwei Wochen um seinen Job beim 1. FC Köln brachte. Das bereichert die Bundesliga um ein kurioses Kapitel. Oder wie Sportvorstand Rouven Schröder sagte: "Manche Dinge sind im Fußball nicht in Worte zu fassen."

Kleine Kniffe mit großer Wirkung

Denn Trainerwechsel in der Bundesliga funktionieren eben nicht auf Knopfdruck. Das Gegenbeispiel gab am zwölften Spieltag Markus Gisdol ab, der mit dem 1. FC Köln bei RB Leipzig mit der 1:4-Niederlage noch gut bedient war. Dessen Winkelzüge führten nur auf die nächsten Irrwege. Der 50-Jährige muss schnellstens eine Mannschaft finden, die zu seinen Vorgaben passt.

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Beierlorzer hingegen hatte kleine Handgriffe mit großer Wirkung vorgenommen. Eine Dreierkette half, den Defensivverbund zu stabilisieren. Weder Kapitän Danny Latza noch sein Stellvertreter Daniel Brosinski tauchten in der Startelf auf, weil beide in den krisenhaften Wochen viel zu viel mit sich selbst zu tun hatten. Die Binde trug dafür der junge Verteidiger Moussa Niakhaté, Führungskraft aus der frankophonen Fraktion, den das Mehr an Verantwortung zu beflügeln schien.

Matchglück hilft mit

Beierlorzer schaffte es, "Teamgedanke, Mut und Leidenschaft" (Schröder) zu beleben. Und: "Durch den neuen Trainer war der Konkurrenzkampf neu entbrannt." Aber insgesamt war beim Fünferpack im Kraichgau so vieles für die Nullfünfer gelaufen, dass es dem Macher fast schon unheimlich war. Schröder registrierte mit Wohlgefallen, dass Beierlorzer jede Verklärung seines Wirkens fern lag.

Auch der 52-Jährige wusste zum märchenhaften Einstand, dass das Matchglück - symbolisch beim kuriosen Kopfball-Eigentor von Pavel Kaderabek zum vorentscheidenden 0:2 (52.) zu besichtigen - auf seiner Seite stand. "Mit Köln bekommen wir in der 98. Minute einen Elfmeter gegen uns", erinnerte sich der kernige Franke mit der klaren Stimme an gegensätzliche Verläufe, als er noch rheinabwärts coachte.

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Gisdol machte derweil als Kölner Trainer die Erfahrung, dass es nicht so leicht ist, einem verunsicherten Ensemble mit einigen Korrekturen wieder Leben einzuhauchen. Weder die Nominierung von Anthony Modeste als Stoßstürmer fruchtete, noch die Hereinnahme von Marco Höger als Sechser. Und wenn auch noch Nationalspieler Jonas Hector patzt, ist der Systemausfall komplett. "So eine Rettung machst du nicht an einem Tag", sagte Gisdol.

"Die Charakteristik eines Fußballspiels", sinnierte Beierlorzer am Tag darauf, "ist nicht vorhersehbar". Statt die eigene Person zu überhöhen, wollte er lieber die Verdienste seines Vorgängers Schwarz gewürdigt wissen, mit dem sich Beierlorzer im Vorlauf ausgiebig ausgetauscht hatte. Er lobte die Mannschaft berechtigterweise für eine "sensationelle Disziplin und klasse Umschaltmomente". Mainz bestach beim höchsten Saisonsieg mit gnadenloser Effizienz.

Nach dem 1:0 durch den zum Rechtsverteidiger umfunktionierten Levin Öztunali (33.) folgten selbst in Unterzahl noch weitere blitzsaubere Kontertore. Der zu Recht von Schiedsrichter Bastian Dankert nachträglich mit Rot geahndete Tritt von Ridle Baku gegen Nationalspieler Sebastian Rudy (45.+2) blieb damit folgenlos.

Im Kader steckt mehr Qualität

Seinen Ausfall fing ein Kollektiv auf, in dem sich auf einmal viele Stützen zeigten. Der überragende Taktgeber Boetius, der beim vierten Treffer halb Hoffenheim austrickste (90.), der bienenfleißige Stürmer Karim Onisiwo, der dynamische Doppeltorschütze Kunde Pierre Malong (62. und 90.+3), der bärenstarke Verteidiger Jeremiah St. Juste oder der tüchtige Tormann Robin Zentner, der mal wieder mit katzenhafter Gewandtheit bei kräftiger Statur verblüffte: Sie könnten die Gesichter des Aufschwungs werden.

Damit wäre auch die aufkeimende Kritik an der Kaderzusammenstellung gekontert, die dem Verantwortlichen Schröder nicht geschmeckt haben kann. Der gebürtige Sauerländer stellte in Sinsheim ohne rechthaberischen Unterton fest: "Man sieht, dass bei uns Potenzial drin steckt. Das heißt aber auch, es dauerhaft abzurufen. Deshalb ist der Anspruch fürs nächste Heimspiel gegen Frankfurt enorm hoch." Oder wie Beierlorzer sagte: "Wir wollen nachlegen." Dasselbe hat Kollege Gisdol noch vor sich, der am kommenden Samstag (30.11.2019) gegen den FC Augsburg antritt.

Stand: 25.11.2019, 11:39

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