Fan-Ausschreitungen hinterlassen tiefe Spuren bei Schalke 04

Gerald Asamoah verlässt nach der Schalker Niederlage gegen Bielefeld enttäuscht das Spielfeld

Nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga

Fan-Ausschreitungen hinterlassen tiefe Spuren bei Schalke 04

Von Jörg Strohschein

Die Fan-Ausschreitungen nach der Niederlage in Bielefeld und dem damit verbundenen Bundesliga-Abstieg haben die Beteiligten beim FC Schalke 04 zutiefst erschüttert. Ob sich überhaupt noch einmal alle Spieler in der Lage sehen, das Trikot der "Königsblauen" zu tragen, muss geklärt werden. Der neuerliche Imageschaden des Klubs ist enorm.

Wie intensiv die Szenen von Dienstagabend nachwirken, war am Donnerstagmittag (22.04.2021) noch deutlich zu sehen. Gerald Asamaoh, der ehemalige Profi des FC Schalke 04 und derzeitige Teammanager, hatte noch immer sichtbar feuchte Augen und wirkte niedergeschlagen, als wären die Ereignisse gerade erst ein paar Minuten her. Die Bilder von den rund 500 bis 600 Personen auf dem Außenring des Schalker Stadions, die die Mannschaft in der Nacht nach der Niederlage bei Arminia Bielefeld und dem damit verbundenen Abstieg in Empfang genommen hatten, waren bei dem 42-Jährigen noch vollständig präsent.

"Mir geht es immer noch nicht so gut", sagte Asamaoh und ihm war sichtlich unwohl dabei, seine Erinnerungen in Worte zu fassen. "Ich war einer der ersten, der aus dem Bus gestiegen ist. Und ich hatte keine Angst. Ich kenne die Fans schon lange und bin davon ausgegangen, dass nichts passiert", sagte Asamoah. Es war ein Trugschluss.

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Angst in den Augen

Die Informationen, die Asamaoh und die Mannschaft vor der Ankunft auf dem letzten Autobahn-Parkplatz vor Gelsenkirchen bekommen hatten, sorgten für Zuversicht bei allen Beteiligten. Der Mannschaftsbus hatte nochmal angehalten, die Sicherheitskräfte teilten mit, dass es zu keinen Aggressionen kommen werde. Deshalb fuhr der Bus zur Arena. Vor Ort ergab sich allerdings ein völlig anderes Bild.

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Nach einem kurzen Monolog eines Sprechers dieser Personen vor dem Bus eskalierte die Situation. "Ich habe einen Mitarbeiter gesehen, der auf dem Boden lag und der getreten wurde", sagte Asamoah. Ebenso schockiert hatte er seinen ehemaligen Mitspieler und heutigen Co-Trainer  Mike Büskens wahrgenommen. "Die Angst in 'Buyos' Augen wird mir in Erinnerung bleiben", sagte Asamoah mit leiser Stimme. Die Polizei stand derweil entfernt vor dem Stadion hinter einem Eingangstor.

Mark Uths Auto wurde bis zur Fahruntüchtigkeit demoliert. Suat Serdar wurde bei seiner späteren Heimfahrt von Personen auf der Straße bedrängt. Ein namentlich nicht genannter Spieler übernachtete im Hotel auf dem Vereinsgelände, weil die Sicherheitslage dies gebot.

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Noch keine Ermittlungsergebnisse

"Die Vorfälle werden gemeinsam mit der Polizei am kommenden Montag aufgearbeitet", sagte Schalkes Sport-Vorstand Peter Knäbel, ebenfalls noch deutlich gezeichnet von den Vorgängen. Ein früherer Zeitpunkt schien von Seiten der Behörde nicht möglich. Der Klub selbst sei noch dabei, die eigenen Erkenntnisse zu sammeln und zu ordnen. Die Polizei Gelsenkirchen hat nach WDR-Informationen eine Ermittlungskommission eingesetzt, konnte aber Donnerstagmittag noch keine Ergebnisse vorweisen. 

Diese unerwarteten Ausschreitungen werden allerdings noch lange nachwirken beim Klub. "Der emotionale Schaden ist noch größer als der körperliche", sagte Knäbel. Am Mittwoch und Donnerstag wurde das Training der Profimannschaft ausgesetzt. Ob am Freitag wieder ein regulärer Trainingsbetrieb stattfinden kann, "das haben wir noch nicht entschieden", sagte Asamoah.

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Offene Gespräche mit den Spielern

Es werden nun Gespräche mit den einzelnen Profis stattfinden, um zu erfahren, wie tief sie von den Geschehnissen betroffen und traumatisiert sind. Sollten sich einzelne Spieler allerdings außerstande sehen, noch einmal in dieser Saison das Trikot des S04 überzustreifen, gäbe es auch dafür eine Lösung. "Ich kann mit allen Entscheidungen leben, innerhalb der juristischen Grenzen. In erster Linie kommt es auf die Reaktion als Mensch an", sagte Knäbel: "Wir müssen sehen, wie es den Jungs geht."

Am Wochenende haben die Schalker in der Bundesliga spielfrei, weil der eigentliche Gegner Hertha BSC sich in Corona-Quarantäne befindet. Das verschafft dem Ruhrgebietsklub etwas mehr Zeit, sich mit der diffizilen Gemengelage intensiv zu beschäftigen. Nicht nur Knäbel stellt sich die Frage, wie die Mannschaft die letzten vier Spieltage der für die Schalker fast unendlichen Saison mit Anstand und Würde sowie einer vorzeigbaren Leistung beenden soll.

Auch der Imageschaden durch diese erneut chaotischen Umstände im Klub wird sich weiter vergrößern. "Wir wissen alle, dass der Verein eine große Substanz hat. Wir müssen aufpassen, dass wir ihm diese Substanz nicht nehmen", sagte Knäbel.

Stand: 22.04.2021, 13:01

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