Schalkes Abkehr von Europa

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider

Neue Ausrichtung des Vereins

Schalkes Abkehr von Europa

Der FC Schalke 04 ist zum Sparen verdammt. Vor allem bei den Personalkosten will der Fußball-Bundesligist massiv den Gürtel enger schnallen. Die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb soll vorerst kein Thema mehr sein. Trainer David Wagner darf bleiben.

Die Verantwortlichen des FC Schalke 04 haben sich am Tag nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies demütig gezeigt und "massive Einsparungen" angekündigt. "Der heutige Tag ist eine Zäsur für den FC Schalke 04. Ein 'Weiter so' wird es und kann es nicht geben", sagte Marketing-Vorstand Alexander Jobst während einer Pressekonferenz am Mittwoch (01.07.2020). "In den vergangenen Monaten hat Schalke 04 in der Öffentlichkeit ein miserables Bild abgegeben. Wir haben Fehler gemacht, für die wir uns entschuldigen müssen", sagte Jobst.

"Vertrauen und Glaubwürdigkeit verspielt"

Damit meinte Jobst zum einen die enorm schwache sportliche Rückrunde, die das Team von Trainer David Wagner auf Platz zwölf beendet hatte, und zum anderen die Fehltritte in der Öffentlichkeitsarbeit unter anderem bei zwischenzeitlich geforderten Härtefallanträgen bei Ticketrückerstattungen: "Die Verantwortung tragen wir, der Vorstand, und wir müssen tunlichst dafür Sorge tragen, dass diese Dinge nicht mehr passieren. Wir wissen, dass wir sehr viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit verspielt haben."

Marketingvorstand Jobst: "Wir müssen massive Einsparungen vornehmen" Sportschau 01.07.2020 01:22 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Hohe Verluste

Der finanziell ohnehin angeschlagene Verein habe durch die Corona-Krise weitere hohe Verluste hinnehmen müssen. Um Schalke "mit wirtschaftlicher Vernunft in die Zukunft" führen zu können, werde beim Personaletat und bei nicht notwendigen Investitionen "die Stopptaste" gedrückt. Deshalb sei es auch notwendig, die sportlichen Ziele für die kommenden "ein, zwei, vielleicht auch drei" Spielzeiten anzupassen, sagte Jobst. Das Erreichen des Europapokals sei kein Thema mehr.

Sportvorstand Schneider: "Wir müssen einen Schritt zurückgehen" Sportschau 01.07.2020 01:35 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Keine Bestätigung für Gehaltsobergrenze

Eine Gehaltsobergrenze bei 2,5 Millionen Euro bestätigten Jobst und Sportchef Jochen Schneider zunächst nicht direkt. Beide sprachen aber von deutlichen Budgetkürzungen auch im Profi-Bereich. "Wir müssen uns Richtlinien auferlegen, an die wir uns halten", sagte Schneider, der zudem bestätigte, dass mit der Mannschaft Ende Juli über einen weiteren Teilverzicht auf Gehalt gesprochen wird. "Wir kommen nicht umhin, den Kompromiss zu erzielen", sagte er.

Das Lizenzspielerbudget sei der "größte Hebel" und das "Image von Schalke war zuletzt nicht, dass man hier wenig verdient", sagte Schneider. Allerdings schränkte er ein: "Unser Leben ist dynamisch, nichts im Leben ist in Stein gemeißelt." Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass es bei den hochverschuldeten "Königsblauen" keinen Vertragsabschluss mehr geben werde, in dem eine Marke von rund 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt überschritten werde.

"Geheimhaltungspflicht" in Sachen Bürgschaft

Bei der Frage nach der vermeintlichen NRW-Landesbürgschaft für einen Bankkredit bis zu 40 Millionen Euro wurde auf die "Geheimhaltungspflicht" verwiesen. Eine Ausgliederung des Profi-Bereichs sei aktuell noch kein Thema.

Der mächtige Aufsichtsratsboss Tönnies war am Dienstag (30.06.2020) nach massiven Protesten der eigenen Fans und dem Corona-Skandal in seinem Fleisch-Unternehmen zurückgetreten.

Nach Tönnies-Rücktritt: Chance zum Neuanfang bei Schalke 04?

Sportschau 30.06.2020 02:11 Min. Verfügbar bis 30.06.2021 ARD Von Jan Wochner

Trainer Wagner darf bleiben

Schneider hat auch nach der schwachen Rückrunde in der Bundesliga "totales Vertrauen" in das Trainerteam um Chefcoach David Wagner. "Wir werden da durchkommen", sagte Schneider. Die Wagner-Mannschaft blieb 16 Spiele in Serie ohne Sieg und stellte einen Vereins-Negativrekord auf.

"Es waren für unseren Kader für die Breite, die Tiefe und die Balance leider zu viele Verletzte", sagte Schneider: "Solange David Wagner das Gros des Kaders zur Verfügung hatte, haben wir attraktiven und erfolgreichen Fußball gespielt."

red/sid/dpa | Stand: 01.07.2020, 11:00

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