Schalke 04: Das Spiel gegen die Angst

 Huub Stevens beobachtet das Training

Vor dem Abstiegsgipfel bei Hannover 96

Schalke 04: Das Spiel gegen die Angst

Von Jörg Strohschein

Der FC Schalke 04 tritt am Sonntag um 15.30 Uhr bei Hannover 96 zum Abstiegsgipfel an. Die Nerven sind bei den Königsblauen äußerst angespannt. Interimstrainer Huub Stevens muss es vor dieser Partie gelingen, den richtigen Ton bei seinen Spielern zu treffen.

Von Angst oder gar Panik ist nichts zu sehen: Das Training beim FC Schalke 04 ist auf den ersten Blick zwar intensiv, aber es geht auch recht locker zu. Also so, wie Übungseinheiten bei ganz normalen Fußball-Bundesligisten üblicherweise aussehen. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass sich unter Interimscoach Huub Stevens doch einiges verändert hat.

Alle Spieler tragen Schienbeinschützer und Stutzen, alle Profis sprechen auf dem Platz deutsch. Und die Arbeit des Trainergespanns konzentriert sich vor allem auf Übungen mit Ball. Vorgaben des niederländischen Fußballlehrers, auf die sein Vorgänger Domenico Tedesco nicht so viel Wert gelegt hatte. Teammanager Gerald Asamoah steht zudem bei jedem Training auf dem Platz und versucht, den verloren gegangenen Teamgeist auch mit dieser Geste wieder ganz langsam aufzubauen.

Während Co-Trainer Mike Büskens darauf achtet, dass die vorgegebenen Aufgaben mit Seriosität, aber vor allem auch mit größtmöglicher Intensität abgespult werden, gibt Stevens in erster Linie den Beobachter. Manchmal greift er ein, macht ein paar Späßchen oder führt Einzelgespräche. Der 65-Jährige versucht sich ein Bild zu verschaffen über diese ins Trudeln geratene Mannschaft, die er vor dem Totalabsturz, dem Abstieg in die 2. Bundesliga, bewahren soll.

Zuversicht statt Angst

Dass dieses Worst-Case-Szenario auch in den Gedanken des Trainers häufig eine Rolle spielt, daran lässt er keine Zweifel. "Natürlich denkt man darüber nach. Aber Angst ist der falsche Ratgeber. Genau das sage ich auch meinen Spielern. Sie sollen weder ängstlich noch überheblich sein", sagt Stevens. Die Anspannung vor dem kommenden Sonntag (31.03.2019) dürfte bei allen Beteiligten aber kaum zu verheimlichen sein.

Die Partie bei Hannover 96 gibt endgültig Auskunft darüber, wohin die Reise der Schalker tatsächlich gehen wird. Acht Spieltage vor Saisonende liegt der Ruhrgebietsklub (23 Punkte) noch neun Punkte vor den Niedersachsen. Eine neuerliche Pleite beim Tabellenvorletzten dürfte die Alarmstimmung rund um das Berger Feld allerdings auf die Spitze treiben.

Doch vor der Partie versuchen alle, Zuversicht auszustrahlen. "Wir wollen es natürlich aus eigener Kraft schaffen. In Hannover peilen wir einen Sieg an", sagt Angreifer Ahmed Kutucu. Der 19-Jährige war noch nicht einmal auf der Welt, als Stevens erstmals (1996 bis 2002) die Königsblauen trainierte.

Bentaleb muss sich entschuldigen

 Huub Stevens (l.) und Mike Büskens

Huub Stevens (l.) und Mike Büskens

Das große Schalker Problem: Leistungsträger wie Daniel Caligiuri oder Weston McKennie stehen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Der aus disziplinarischen Gründen in das Reserveteam beorderte Nabil Bentaleb könnte zwar wieder dazustoßen, aber nur, wenn er sich zu einer Entschuldigung bei Stevens für sein Fehlen beim letzten Punktspiel (0:1 gegen RB Leipzig) durchringen könnte. "Auch Nabil wird eine zweite Chance bekommen. Aber er allein muss die Tür öffnen", sagt Stevens.

Da hilft es Bentaleb auch nicht, dass er Vater geworden ist, deshalb nicht erschien und niemanden darüber informierte. So etwas findet beim knorrigen Niederländer kein Gehör. Wer Stevens kennt, weiß, dass ihm Disziplin und die Gemeinschaft über alles gehen. Auf seiner ersten Trainerstation in Kerkrade hatte er einst sogar persönlich überwacht, ob seine Spieler ihre Autos korrekt in ihren Parkbuchten am Stadion geparkt hatten. Zuwiderhandlungen wurden sofort sanktioniert.

Stevens muss den richtigen Ton treffen

Doch in Anbetracht der "schwierigsten Aufgabe", die Stevens in seiner langen Trainerkarriere nach eigenem Bekunden vor sich hat, kann sich der Niederländer derzeit nicht mit derlei Nebensächlichkeiten aufhalten. Es geht für ihn und seinen Co-Trainer Büskens darum, den richtigen Ton zu treffen. Zunächst einmal vor dem nächsten Spiel in Hannover.

Dass er dafür ein besonderes Talent hat, das konnte Ex-Schalke-Manager und heutiger 96-Verantwortlicher Horst Heldt bereits am eigenen Leib erfahren. "Es gab auch den Moment, in dem du als Manager Angst hattest, in die Kabine zu gehen. Er weiß schon, wie er das zu händeln hat", erinnert sich Heldt vor der für beide Seiten überaus brisanten Partie. An Stevens Ansprache dürfte es am Ende also nicht liegen.

Huub Stevens und Mike Büskens - die Rückkehr der "Eurofighter" Sportschau 15.03.2019 01:28 Min. Verfügbar bis 15.03.2020 Das Erste

Stand: 29.03.2019, 09:37

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