Schalke 04 sucht nach einem neuen Weg

Naldo und Trainer Domenico Tedesco im Gespräch

Trainingslager in Spanien

Schalke 04 sucht nach einem neuen Weg

Von Jörg Strohschein

Beim FC Schalke 04 geht es momentan drunter und drüber: Spieler werden verkauft oder degradiert, neue Spieler sollen kommen, um die Rückrunde sorgenfrei zu gestalten. Dabei sind die vielen Probleme des Klubs vor allem eines: selbst verschuldet.

Welche Bedeutung Naldo für einige Spieler des FC Schalke 04 hatte, das zeigt nicht zuletzt die Reaktion von Weston McKennie nach dem Wechsel des Brasilianers zur AS Monaco. "Papa, es ist traurig zu sehen, dass du gehst, aber ich bin sehr glücklich für dich. Vielen Dank für deine große Hilfe und deine konstante Unterstützung", rief der 20 Jahre alte Allroundspieler seinem ehemaligen Mitspieler via sozialer Medien unüberhörbar hinterher.

Der Innenverteidiger hatte es innerhalb kürzester Zeit, in nur zweieinhalb Jahren, zu einer Identifikationsfigur sowohl im Klub und in der Mannschaft, als auch bei den vielen Anhängern gebracht. Wahrscheinlich gibt Naldo mit seiner gefühlten Flucht aus Gelsenkirchen damit das deutlichste Zeichen, dass es derzeit an allen Ecken und Enden geradezu bedenklich knirscht bei den "Königsblauen". In der vergangenen Saison noch absoluter Leistungsträger, bester Spieler des Teams und Anführer einer überaus erfolgreichen, aber nicht gerade mit viel Talent ausgestatteten Gruppe, fristete der 36-Jährige seit Beginn dieser Spielzeit eine berufliche Existenz auf der Ersatzbank - und dies ohne erkennbaren Grund.

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Salif Sané sollte Abwehrchef werden

Dass Naldos Vertrag im vergangenen Oktober offenbar unter dem besonderen Bestreben von Sportvorstand Christian Heidel um ein Jahr verlängert wurde, ist ebenso widersprüchlich wie die plötzliche Degradierung des Spielers. Trainer Domenico Tedesco hatte sich dazu entschieden, Neuzugang Salif Sané als Abwehrchef zu installieren, ohne dabei zu bemerken, dass der brasilianische Routinier seinem 28 Jahre alten Konkurrenten in nahezu allen Belangen noch deutlich überlegen ist. Eine folgenschwere Fehleinschätzung Tedescos, die unter anderem auch die magere Punktausbeute von 18 Zählern nach der Bundesliga-Hinrunde hat entstehen lassen.

Allerdings musste Tedesco, auch wenn er wegen seiner ständigen Rotationen und seiner eher intellektuellen Herangehensweise an das Spiel keine Stammelf gefunden hat, auch damit zurechtkommen, welch sportliche Möglichkeiten ihm Manager Heidel zur Verfügung stellte. Noch nie hatte ein Schalker Manager so viel Geld auf dem Transfermarkt investiert.

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Allein vor der aktuellen Spielzeit hatte der Sportvorstand über 50 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Vor den beiden Spielzeiten zuvor waren es rund 43 Millionen Euro sowie rund 49 Millionen Euro. Das Ergebnis: Kaum sind die Schalker am Freitag (04.01.2019) im Trainingslager im spanischen Benidorm angekommen, verkündet Trainer Tedesco, dass dringend Verstärkungen für die Rückrunde benötigt werden.

Degradierungen für die Öffentlichkeit

Christian Heidel und Domenico Tedesco im Gespräch

Christian Heidel und Domenico Tedesco im Gespräch

Für den abgewanderten Naldo etwa wird dringend Ersatz gesucht. Aber auch auf den Außenpositionen und im Sturmzentrum. Dabei hatte Heidel dort über die Jahre mächtig investiert. Breel Embolo (26 Millionen Euro), Daniel Caligiuri (2,5 Mio.Euro), Guido Burgstaller (1,5 Mio. Euro), Yevhen Konoplyanka (12,5 Mio. Euro), Amine Harit (8 Mio. Euro), um nur einige Namen zu nennen. Bei guten Angeboten dürften wohl einige dieser Spieler auch schon in der jetzigen Winterpause den Klub wieder verlassen.

Gleichzeitig teilte Tedesco unter der spanischen Sonne mit, dass Johannes Geis, Abdul Rahman Baba und Franco Di Santo künftig nicht mehr bei den Profis spielen werden und bei der U23 des Klubs trainieren müssen, sollten sie den Klub nicht kurzfristig noch verlassen. Allerdings haben diese drei Profis ohnehin kaum noch eine Rolle im Team gespielt. Diese Degradierung dürfte vielmehr ein für die Öffentlichkeit gedachter Schachzug sein, um eine neue Härte und Durchsetzungsfähigkeit zu demonstrieren.

Sportvorstand Heidel war nicht mit der Mannschaft ins Trainingslager gereist. Der 55-Jährige scheint sich derzeit um die vielen neuen Spieler zu bemühen, die die Schalker in den kommenden Wochen und Monaten aus der Krise lotsen sollen.

Stand: 05.01.2019, 10:00

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