Schneiders Appell gegen Beleidigungen

Jochen Schneider: "Jeder ist angehalten, dagegen vorzugehen" Sportschau 22.10.2020 08:04 Min. Verfügbar bis 22.10.2021 Das Erste Von Jan Wochner

Schalke 04

Schneiders Appell gegen Beleidigungen

Von Jan Wochner

Am vergangenen Wochenende haben Schalker Fußballfans beim U19-Revierderby den Dortmunder Nachwuchskicker Youssoufa Moukoko übel beleidigt. Die Ermittlungen auf Schalke laufen. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider wendet sich mit einem flammenden Appell für Zivilcourage an die Fans.

"Wir, die große Mehrheit, sind angehalten, dagegen vorzugehen, um unseren Verein und unseren Sport nicht in ein ganz schlimmes Licht geraten zu lassen", sagte Jochen Schneider im Gespräch mit der Sportschau. Der Schalker Sportvorstand war beim U19-Derby am vergangenen Sonntag selbst im Stadion gewesen. Die Beleidigungen, die von den Rängen in Richtung Moukoko gebrüllt worden waren, hatte Schneider vor Ort aber nicht mitbekommen.

Verein arbeitet an Aufklärung der Vorfälle

Der Verein arbeite "mit Hochdruck" an einer Identifizierung der Täter, erklärte Schneider: "Es waren einige, wenige Personen." Moukoko selbst hatte sich nach dem Spiel, das das Dortmunder Toptalent mit drei Toren fast im Alleingang entschieden hatte, über die sozialen Netzwerke zu Wort gemeldet. Unter anderem schrieb der 15-Jährige: "Ich bin stolz, mit dieser Hautfarbe geboren zu sein, und werde es immer sein."

Schneider: "Kein Rassismus, trotzdem keine Erleichterung"

Viele waren deshalb nach dem Spiel davon ausgegangen, dass es auch zu rassistischen Beleidigungen gekommen sein musste. "Aus den Audioaufnahmen geht hervor, dass das wohl nicht der Fall ist. Das ist für uns aber kein Grund zur Erleichterung", erklärte Schneider. Auch ein anonymer Augenzeuge berichtete der Sportschau, dass er keine rassistischen Beleidigungen im Stadion wahrgenommen hatte.

Schalke zuletzt häufiger mit Rassismus-Vorfällen konfrontiert

Trotzdem registriert der Schalker Sportvorstand, dass sein Verein in den vergangenen Monaten häufiger mit Diskriminierung- und Rassismus-Vorfällen konfrontiert war. Schalkes ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies brachte vergangenes Jahr große Teile der Mitglieder des Vereins durch seine Äußerungen über Afrikaner gegen sich auf. Der Umgang des FC Schalke bei der Aufarbeitung des Skandals brachte mehr Zweifel als Klärung des Eklats mit sich. Bei einem DFB-Pokalspiel gegen die Hertha soll es im Februar zudem zu rassistischen Beleidigungen durch Fans im Schalker Stadion in Richtung des dunkelhäutigen Berliner Verteidigers Jordan Torunarigha gekommen sein. Am Wochenende nun die Beleidigungen beim U19-Derby.

Schalke hat Antirassismus-Paragrafen in seiner Satzung

Für Jochen Schneider und den FC Schalke ist das mehr als ein Ärgernis. Der Verein kämpft um seinen Ruf, schließlich gelten er und seine Fans eigentlich seit Jahren als Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Als erster Bundesligaverein überhaupt nahm Schalke 1994 einen  Antirassismus-Paragrafen in seiner Satzung auf. Der Verein eröffnete in seiner Arena - ebenfalls als erster Club in der Bundesliga - eine Anlaufstelle für Opfer von diskriminierenden, sexistischen oder rassistischen Vergehen. Außerdem schult der Verein auch Volunteers und Mitarbeiter, die an Spieltagen Fan-Kontakt haben, im Rahmen spezieller Workshops.

Schneider wünscht sich Zivilcourage von Fans

Schneider wünscht sich nun mehr Mut von den Fans im Stadion, denen Diskriminierung auffällt. "Da gehört auch Zivilcourage zu", appellierte er. Das gelte nicht nur auf Schalke, sondern für den Fußball generell: "Wenn ich mit meinen Kindern ins Fußballstadion gehe, bekomme ich leider mit, dass Beleidigungen irgendwie dazugehören. Beim Handball lernen sie respektvollen Umgang mit dem Gegner. Wir sind alle dazu angehalten, gegen Beleidigungen und Verhalten dieser Art aufzustehen."

Stand: 22.10.2020, 18:42

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