Rudys zweiter Anlauf bei Schalke 04 - zurück zu den Wurzeln?

Schalkes Sebastian Rudy treibt den Ball in einem Testspiel voran

Rudys zweiter Anlauf bei Schalke 04 - zurück zu den Wurzeln?

Von Julian Tilders

Der FC Schalke 04 setzt mit knapper Kasse wieder auf einst aussortierte Spieler. Sebastian Rudy soll als Rechtsverteidiger einspringen - für ihn keine unbekannte Position. Zum Auftakt (Freitag, 20.30 Uhr) steht direkt der Härtetest gegen den FC Bayern München an.

Für aktuelle Schalker Verhältnisse ist es quasi eine Fabelsumme. 16 Millionen Euro legte Schalke 04 im August 2018 auf den Tisch, um Rudy vom FC Bayern München loszueisen. Nur für Nabil Bentaleb (19 Mio.) und Breel Embolo (26,5 Mio.) gab S04 in seiner Historie mehr Geld aus.

Rudy sollte als Mittelfeldstabilisator das Schalker Spiel lenken und den damaligen Vizemeister mit seiner Ruhe und Übersicht, die er im Münchner Star-Ensemble an den Tag gelegt hatte, verstärken. Doch die S04-Saison verlief, gelinde ausgedrückt, schlecht. Schalke stürzte in besagter Spielzeit auf Rang 14 ab, entkam nur knapp den Abstiegsplätzen.

Wagner: "Er hat gesagt: Trainer, da habe ich Bock drauf"

Es folgte die Leihe Rudys nach Hoffenheim, wo der 30-Jährige auch gerne geblieben wäre, glaubt man entsprechenden Medienberichten. Allerdings zog die TSG eine von den Medien kolportierte Kaufoption von rund fünf Millionen Euro nicht. Und nun steht Rudy wieder bei Schalke auf der Matte - beziehungsweise im Kader.

Denn Trainer David Wagner baut auf Rudy, wenn auch nicht im zentralen Mittelfeld. Daniel Caligiuri und Jonjoe Kenny sind weg, die rechte Seite ist frei. Rudy soll als Rechtsverteidiger auflaufen. "Er hat gesagt: Trainer, da habe ich Bock drauf", berichtete Wagner jüngst. Rudy spielt zwar nach eigener Aussage "lieber im zentralen Mittelfeld", doch wichtig sei eher, "dass man während einer Saison nicht dauernd hin- und her geschoben wird. Und wenn man es richtig kommuniziert, freut man sich auch darauf. Ich gehe es positiv an und werde versuchen, es dort mit Auge und spielerisch zu lösen."

Rudys Karriere startete auf der rechten Seite

So, wie er es in der Vergangenheit schon nicht allzu selten gemacht hat. Eine komplette Umschulung Rudys ist es eigentlich nicht, vielleicht trifft es das Wort "Rückbesinnung" besser. Denn vor seiner ersten Saison bei Schalke lief er während seiner ersten Zeit bei Hoffenheim - bevor er nach München wechselte - in 197 Bundesliga-Spielen immerhin 24-mal auf der rechten Seite auf (13 Einsätze als Rechtsverteidiger, 11 als rechter Mittelfeldspieler). Auch in der letzten Saison, während seiner Leihe, bekleidete er bei der TSG dreimal die rechte Außenverteidigerposition.

Sebastian Rudy (r.) bei einem seiner ersten Nationalelf-Einsätze als Rechtsverteidiger (10.06.2015 gegen die USA)

Sebastian Rudy (r.) bei einem seiner ersten Nationalelf-Einsätze als Rechtsverteidiger (10.06.2015 gegen die USA).

Und beim Blick auf Rudys frühe Profi-Jahre wird deutlich, dass der gebürtige Villingen-Schwenninger (Baden-Württemberg) das Spiel auf rechts ursprünglich mal gelernt hat. Für den VfB Stuttgart agierte er von 2008 bis 2010 in vier von fünf Bundesliga-Startelf-Einsätzen im rechten Mittelfeld und kam 2009 sogar in der Champions League zu zwei Einsätzen auf besagter Position - gegen die Glasgow Rangers und den FC Barcelona. Ähnlich gestaltete sich sein Start in die A-Nationalmannschaftskarriere: Zwischen September 2014 und Mai 2016 absolvierte Rudy von zehn Partien fünf Spiele als Rechtsverteidiger, zwei im rechten Mittelfeld.

Defensiv-Härtetest gegen Bayerns Flitzer

Wagner beteuerte zwar zuletzt gegenüber dem "kicker", er brauche noch "Minuten auf dieser Position", um sich wieder einzuspielen, doch viel Zeit ist nicht. Gegen Bayern München (Freitag, 20.30 Uhr) zu spielen heißt auch, gegen eine gehörige Portion Schnelligkeit bestehen zu müssen.

Über Rudys rechte Seite kommt Alphonso Davies, auch Leroy Sané - der 2017 schon mal einen Geschwindigkeitsrekord in der Premier League aufstellte (35,48 km/h) - könnte sein Bayern-Debüt geben. Linksaußen Kingsley Coman wird als viertschnellster Spieler der letzten Saison (35,66 km/h) indes fehlen. Er befindet sich nach dem Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person in häuslicher Quarantäne.

Rudy selbst sagte zu seinem Spielstil: "Ich bin zwar keiner, der die Linie rauf und runter sprintet, aber auch niemand, der hinten stehen bleibt." Gegen Bayern steht ihm bei seiner Rückkehr auf die rechte Seite nun direkt ein echter Härtetest bevor.

Wie geht es weiter mit Schalke? Sportschau 30.08.2020 03:41 Min. Verfügbar bis 30.08.2021 Das Erste

Stand: 17.09.2020, 10:58

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