Schalker Neuausrichtung: sportlich schwierig, finanziell kritisch

Diskussion über Landesbürgschaft für Schalke in NRW Sportschau 10.07.2020 01:34 Min. Verfügbar bis 10.07.2021 Das Erste

Schalker Neuausrichtung: sportlich schwierig, finanziell kritisch

  • Nächster Umbruch auf Schalke steht bevor
  • Sportliche und finanzielle Herausforderung
  • Sportvorstand Schneider muss "kreativ werden"

Auf Schalke ist ein Umbruch eigentlich nichts Neues mehr. In den vergangenen Jahren richtete sich der Ruhrpott-Klub immer wieder neu aus, mal mit neuem Trainer, mal mit verändertem Kader. Doch die Rücktritte des Aufsichtsratschefs und Fleischindustriellen Clemens Tönnies - nach massiven Protesten der Fans im Zuge des Corona-Skandals in seinem Unternehmen - und des Finanzvorstands Peter Peters zeigen: Diesmal ist die Neuausrichtung tiefgreifender.

Bürgschaft des Landes NRW

Eine Neuausrichtung, bei der der Klub Hilfe von außen braucht. S04 braucht einen zusätzlichen Kredit über 35 Millionen Euro. Das geht aus einem vertraulichen Papier des NRW-Finanzministeriums hervor, das am Freitag (10.07.2020) in einer Sondersitzung des Finanz- und Hauptausschuss beraten wird und dem WDR vorliegt.

In dem Schreiben an die Abgeordneten bestätigt Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU), der Verein habe außerdem einen Antrag auf eine dazugehörige Landesbürgschaft gestellt. Sie kann 90 Prozent des Kredits betragen, also 31,5 Millionen Euro.

Das Maximale aus begrenzten Mitteln machen

Christian Heidel gab 155 Millionen Euro für neue Spieler aus, Horst Heldt 81 und Felix Magath 45 - von den Zahlen seiner Vorgänger kann Jochen Schneider nur träumen. Weil S04 erneut den Europacup verpasst hat und einen Sparkurs fährt, muss der Sportvorstand ohne Geld einkaufen. "Indem man in anderen Regalen schaut, kreativ sein muss", sagte Schneider am Freitag und fügte an: "Es bringt nichts, im Traumland zu leben."

Schneider: "Einnahmen und Ausgaben wieder in ein gesundes Verhältnis bringen" Sportschau 10.07.2020 00:22 Min. Verfügbar bis 10.07.2021 Das Erste

Der Ex-Stammgast der Champions League, der zwischen 2005 und 2016 zehnmal international spielte, hat die "Wette auf die Zukunft", wie es Schneiders Vorstandskollege Alexander Jobst formulierte, "zuletzt verloren" und nur einmal in den letzten vier Jahren das europäische Geschäft erreicht.

Begrenztes Budget - begrenzte Qualität?

"Für absehbare Zeit müssen wir uns davon verabschieden, gestandene Topspieler zu verpflichten", stellte Schneider klar. Die Arbeit des Managers sieht anders aus, als er sie sich bei seinem Amtsantritt im März 2019 vorgestellt hatte. 15 Millionen Euro Ablöse wie noch im letzten Sommer für den hochtalentierten türkischen Innenverteidiger Ozan Kabak sind nicht mehr drin.

"Rate dringend davon ab" - Jochen Schneider gegen Modus-Veränderung in der Bundesliga Sportschau 10.07.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 10.07.2021 Das Erste

Hinzu kommt: Schneider muss das Gehaltsbudget der Profimannschaft, das 2019 inklusive Trainerstab noch 100 Millionen Euro betrug, zusammenstreichen. Eine kolportierte Gehaltsobergrenze von 2,5 Millionen Euro soll dabei helfen. Erschwert wird der Sparkurs durch teure Spieler, die nach Leihgeschäften zurückkehren. Weder Köln für Mark Uth noch Hoffenheim für Sebastian Rudy zogen die Kaufoptionen. Offen ist noch, was Newcastle United mit Nabil Bentaleb vorhat.

Schneider: "Sind angehalten, Erfolg zu erzielen"

Vor der Coronakrise, die Schalkes "wirtschaftliche Vorerkrankungen", so Schneider, verschärfte, hatte der Sportvorstand einen Verkauf der wertvollsten Spieler wie Kabak, Suat Serdar oder Amine Harit noch ausgeschlossen.

Nun sagte er: "Wenn du immer deine besten Spieler verkaufst, macht das deine Mannschaft nicht besser. Wir sind angehalten, sportlichen Erfolg zu erzielen. Andererseits: Wenn sich ein Spieler schneller entwickelt als sein Verein und das Bedürfnis verspürt, woanders seine Karriere fortzusetzen, weil dort bessere sportliche und wirtschaftliche Voraussetzungen existieren, dann muss man sich zusammensetzen."

Schneider - "Mundschutz bei Fans könnte gute Lösung sein" Sportschau 10.07.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 10.07.2021 Das Erste

Was die Diskussion um eine finanziell nicht unerhebliche Rückkehr von Zuschauern in die Stadien angeht, hat Schneider eine klare Haltung: Den Fans das Jubeln, Singen und Schreien zu untersagen, wie von der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) gefordert, hält der Schalke-Manager für "komplett realitätsfern. Diese Emotionen gehören zum Fußball dazu, wir haben ja kein Opernpublikum. Vielleicht ist der Mund-Nasen-Schutz Teil der Lösung, damit Fans ihre Mannschaft lautstark unterstützen können und das Infektionsrisiko dennoch möglichst niedrig gehalten wird. Wir haben uns ja mittlerweile an das Tragen einer Maske gewöhnt - sei es in der Bahn oder beim Einkaufen."

jti/sid | Stand: 10.07.2020, 14:17

Darstellung: