Schalkes interner Machtkampf rund um Rangnick

Ralf Rangnick

Initiative gegen Aufsichtsrat

Schalkes interner Machtkampf rund um Rangnick

Von Jörg Strohschein und Jan Wochner

Die Personalie Ralf Rangnick spaltet den FC Schalke 04. Eine Initiative wünscht sich grundlegende Veränderungen im Verein - und Rangnick als Sportvorstand. Der Aufsichtsrat ist nicht begeistert. Es ist nicht der einzige Streitpunkt.

Die Meldungen über den FC Schalke 04 überschlagen sich in diesen Tagen. Da ist natürlich die sportliche Talfahrt der Profimannschaft, darüber hat man viel lesen können. Doch auch abseits des Spielfelds sind es gerade ungemütliche Zeiten für Schalke: Es hat sich ein Sturm zusammengebraut - und mitten im Wind steht der Aufsrichtsrat, das oberste Gremium des Klubs. Es geht um die Zukunft des Verein, um Macht - und um Ralf Rangnick.

Eine Initiative aus ehemaligen Mitarbeitern, Ex-Spielern und Sponsoren ist am vergangenen Freitagnachmittag (12.03.2021) angetreten, um Rangnick als Sportvorstand zu installieren. Während einer Aufsichtsratssitzung wurde dem Gremium diese Option von Aufsichtsratsmitglied Stefan Gesenhues, der Teil dieses Bündnisses ist, vorgestellt.

Der Fußballlehrer und -Manager Rangnick soll nach Willen der Initiative den Absturz des Ruhrgebietsklubs bremsen, grundlegende Veränderungen herbeiführen und den Klub wieder erfolgreich machen.

Amtierender Aufsichtsrat präferierte Krösche

Der aktuelle Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Jens Buchta war vom Vorpreschen Gesenhues' allerdings überrumpelt, er erkannte darin wohl auch eine Kompetenzüberschreitung des Aufsichtsratsmitglieds. Von einem Putschversuch war später die Rede und von Verrat. Das Vorgehen der Initiative nannte Buchta in einem Interview "vereinsschädigend".

Sicher auch, weil Buchta offenbar bereits vielversprechende Gespräche mit Leipzigs Sportchef Markus Krösche geführt hatte. Krösche hat Schalke mittlerweile abgesagt. In einer internen Abstimmung soll sich Schalkes Aufsichtsrat zunächst gegen ein Engagement Rangnicks ausgesprochen haben. 

Maximal acht Aufsichtsratsposten neu zu vergeben

Der Machtkampf vor den Neuwahlen des Aufsichtsgremiums bei der Mitgliederversammlung im Sommer spitzt sich also zu. Wieso die Initiative sich bislang nicht öffentlich gezeigt hat, ist noch unklar. Details, wie genau die Umsetzung ihrer Pläne funktionieren soll, sind ebenfalls noch nicht bekannt.

Im Blick hat die Initiative die Mitgliederversammlung am 13. Juni, die für den Verein zukunftsweisend sein dürfte. Schließlich werden dann fünf der elf Aufsichtsratsposten neu gewählt. Dazu können drei weitere Aufsichtsräte in der Folge kooptiert, also von den Mitgliedern des obersten Schalker Gremiums selbst bestimmt werden. Rund dreißig Bewerbungen für die fünf zur Wahl stehenden Posten soll es vermutlich geben, der Wahlausschuss darf letztlich zehn Bewerber zulassen. 

Noch keine Gespräche mit Rangnick

Derzeit zählen dazu ein Vertreter von Hauptsponsor Gazprom, einer der Stadtwerke Gelsenkirchen sowie ein Kommunikationsberater. Hinzu kommt ein Entsandter des Schalker Fan-Club-Verbandes. "Eine einmalige Chance, grundlegende Veränderungen herbeizuführen", sagt ein Mitglied der Initiative, deren Führung dieser Redaktion bekannt ist, sportschau.de.

Schalke-Experte Jan Wochner über Rangnick, Verrat und Putschversuche

Sportschau 14.03.2021 03:06 Min. Verfügbar bis 14.03.2022 ARD


Diese Initiative würde sich wünschen, dass sich der Schalker Aufsichtsrat mit Rangnick schnellstmöglich in Verbindung setzt, da sie befürchtet, dass der 62-Jährige ob der internen Machtspiele abgeschreckt werden könne.

Meldungen, dass es bereits am Montag ein Gespräch zwischen beiden Parteien gegeben habe, widersprach die Rangnick-Seite gegenüber sportschau.de. Eine erste Kontakaufnahme habe indes stattgefunden. Ein erster konkreter persönlicher Austausch sei in den nächsten Tagen geplant, hieß es.

Verein müsse erst wirtschaftlich gesunden

Die Initiative wehrt sich zudem entschieden gegen die Behauptungen, die Verpflichtung Rangnicks sei nur möglich, wenn eine Ausgliederung der Profimannschaft beschlossen würde. Mit einer Ausgliederung könnte sich Schalke 04 Fremdkapital besorgen, etwa durch Veräußerung von Gesellschaftsanteilen.

Ralf Rangnick

Ralf Rangnick will Schalke 04 auch mit kleinem Budget helfen.

Dafür würde eine Dreiviertelmehrheit bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung benötigt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das überhaupt möglich sein wird", sagt ein Mitglied der Initiative.

Vielmehr sei der Initiative daran gelegen, dass der Verein erst einmal wirtschaftlich gesunden müsse, ehe solch ein Szenario überhaupt Thema sein könne. "Zu diesem Zeitpunkt ist das nicht das richtige Mittel", sagt ein Teilnehmer der Initiative. Auch gebe es keinerlei Verbindungen zum ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, der im vergangenen Sommer nach Fanprotesten zurückgetreten war, um sich in den Corona-Zeiten voll und ganz seinem Fleischkonzern zu widmen, erklärte die Initiative.

Rangnick kennt die angespannte finanzielle Lage

Laut Informationen von sportschau.de kennt Rangnick die äußerst angespannte finanzielle Lage des Vereins und macht seine Arbeit im Klub auch nicht von einer strukturellen Veränderung abhängig. Zudem wisse der Fußballlehrer, dass eine Ausgliederung im kommenden Sommer unrealistisch sei.

Sollte dieses Szenario zukünftig Thema werden, gibt es vonseiten der Initiative Überlegungen in Richtung eines Genosschenschaftsmodells. Das alles müsse im Rahmen eines demokratischen Prozesses erarbeitet und dann auch umgesetzt werden. Deshalb bestehe der Wunsch der Initiative, sich mit den großen Fangruppen zusammenzusetzen, um verschiedene Vorschläge zu diskutieren und abzustimmen.

Stand: 15.03.2021, 16:45

Weitere Themen

Darstellung: