Schalke 04 - Nüchternheit statt Träumereien

Im Vordergrund dreht sich das Logo des FC Schalke auf der Geschäftsstelle; im Hintergrund steht die Veltins Arena

Geschäftsbericht Schalke 2020

Schalke 04 - Nüchternheit statt Träumereien

Von Jörg Strohschein

Den FC Schalke 04 drücken nicht nur sportliche, sondern auch finanzielle Sorgen. Um das zu ändern, will man in Zukunft weniger ausgeben als einnehmen. Dass das nicht einfach wird, zeigt ein Blick auf den aktuellen Kader.

Große Visionen und Titelträume, wie sie auf Schalke über Jahrzehnte zum guten Ton gehörten, dürften erst einmal keinen Platz mehr bei dem Ruhrgebietsverein finden. Und das nicht nur, weil die Profis ungebremst auf die 2. Fußball-Bundesliga zusteuern und damit auch sportlich für ein hartes Erwachen bei manchem Anhänger sorgen.

Für diese neue Nüchternheit möchte zumindest die neue Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers auf Schalke sorgen. "Wir wollen künftig nicht mehr ausgeben als wir einnehmen", sagt die Nachfolgerin von Peter Peters, mit dem Rühl-Hamers seit 2010 eng zusammengearbeitet hat.

Rühl-Hamers' Ankündigung stellt eine fast schon revolutionäre kaufmännische Herangehensweise dar für den Ruhrgebietsklub, der viele Jahre lang dafür bekannt war, überaus großzügig mit seinem Geld umzugehen.

Sportliche Wetten auf Erfolge in der Zukunft und damit verbundene Einnahmen sollen von nun an nicht mehr in die Planungen einfließen. Für das Umfeld ist dieser Paradigmenwechsel im Klub eine fast schon langweilige Perspektive.

Schalke 04 kämpft gegen Schuldenberg

Sportschau 06.04.2021 01:21 Min. Verfügbar bis 06.04.2022 ARD


Deutlicher Umsatzeinbruch

Die Erkenntnis der Finanzvorständin ergibt sich allerdings logisch aus der derzeitig angespannten Finanzsituation. Rühl-Hamers stellte am Dienstag (06.04.2021) der Öffentlichkeit den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr vor. Und die aktuellen Zahlen dürfte Experten erschrecken: 217 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasten den Klub.

Unter anderem musste der Klub einen Kredit in Höhe von 35 Millionen Euro aufnehmen, um überhaupt den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu können. Eine NRW-Landesbürgschaft sichert diesen Kredit ab. Ohne die Corona-Krise "hätten wir die Verbindlichkeiten auf unter 200 Millionen gesenkt", sagte Rühl-Hamers.

Wie groß die Auswirkungen der Pandemie - etwa durch fehlende Zuschauereinnahmen - sind, zeigt sich beim Umsatzeinbruch. Waren es im Geschäftsjahr 2019 noch 275 Millionen Euro, reduzierte sich der Umsatz im vergangenen Jahr auf 174,7 Millionen Euro.

Vor allem die Finanzverbindlichkeiten - also die Schulden, für die Zins und Tilgung fällig werden - bereiten dem Klub Sorgen. 149 Millionen Euro muss der Klub derzeit bedienen. "Das ist ein hoher Betrag", sagt Rühl-Hamers. Zu hoch?

Hohe Finanzverbindlichkeiten

Die 44-Jährige will gerade diese Posten drücken, um "den Verein in die Lage zu versetzen, wieder aktiv zu agieren und nicht nur auf die Umstände reagieren zu können." Diesen Zeitpunkt sieht Rühl-Hamers als gegeben an, wenn die Finanzverbindlichkeiten unter 100 Millionen Euro liegen. Wann das soweit sein könnte, sei derzeit aber noch nicht abzusehen. "Das könnte länger dauern", sagt sie.

Das große Problem, das die Schalker mit Blick auf die kommende Saison haben, ist der aktuelle Kader. In der Vergangenheit hat der Klub (zu) hohe Gehälter für seine Spieler gezahlt.

Ein Beispiel: Der derzeit an 1899 Hoffenheim ausgeliehene Sebastian Rudy etwa soll über sechs Millionen Euro jährlich verdienen. Rudy hat noch Vetrag bis 2022 - sollte sich für ihn kein Käufer finden - wäre die für die 2. Bundesliga geradezu utopische Summe wohl auch im Unterhaus zu zahlen. Es gibt noch weitere Fälle mit abstrus hohen Gehältern im Schalker Kader.

Um den Aufstieg mitspielen

Die Schalker werden ihren Spieler-Etat deutlich drücken müssen. Von derzeit rund 80 Millionen Euro auf circa 20 Millionen Euro. "Wir können einen Etat darstellen, der es uns ermöglicht, um den Aufstieg mitzuspielen", sagt Rühl-Hamers.

Die Finanzvorständin hofft darauf, dass vor allem künftige Transfereinnahmen dafür sorgen werden, dass der Klub zumindest einen vergleichbaren Umsatz (rund 170 Millionen Euro) wie in diesem Jahr erwirtschaften kann.

Ein Jahr 2. Bundesliga sei aus finanzieller Sicht durchaus machbar, so der Tenor von Rühl-Hamers. Wie es weiterginge, sollte der sofortige Wiederaufstieg nicht gelingen? Darüber wollte sie nicht spekulieren. Die Zeit der Träumereien ist aber erst einmal vorbei auf Schalke.

FC Schalke 04: Pleite am Abgrund Sportschau 21.03.2021 11:03 Min. Verfügbar bis 21.03.2022 Das Erste

Stand: 06.04.2021, 16:00

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