Schalke und die vielen Baustellen

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Vor dem Heimspiel gegen Wolfsburg

Schalke und die vielen Baustellen

Von Jan Wochner

Schalke 04 spielt am Samstag (21.11.20) in der Bundesliga nicht nur gegen den VfL Wolfsburg, sondern auch gegen seine mittlerweile beängstigende Negativserie. Seit mehr als zehn Monaten und 23 Spielen ist Königsblau in der Liga sieglos. Auch unter dem neuen Trainer Manuel Baum ist der ersehnte Befreiungsschlag ausgeblieben. Das hat Gründe: Wir blicken auf die größten Baustellen im Schalker Spiel.

Zu einem Sieg hat es auch in den fünf Bundesliga-Spielen unter Baums Führung für Schalke nicht gereicht. Immerhin hat sich Königsblau zuletzt spielerisch an der einen oder anderen Stelle verbessert gezeigt. "Das ist kein Sprint, es geht nicht in wenigen Sekunden von Schwarz auf Weiß", sagt Baum. "Wir haben schon einige Schritte gemacht, aber vor uns liegt noch immer ein Marathon."

Tatsächlich war vor allem beim aus Schalker Sicht unglücklichen 2:2 in Mainz eine klare Verbesserung erkennbar. Kritiker dürften jedoch anführen, dass das in dieser Saison ebenfalls noch sieglose Mainz auch nicht der Maßstab sein sollte. Die Statistiken aber sprechen eine klare Sprache: Schalke muss spielerische Problemfelder lösen, die seit Monaten für die Talfahrt in der Bundesliga sorgen.

Baustelle 1: Offensive Torgefahr

Keine Bundesligamannschaft entwickelt in dieser Saison so wenig Torgefahr wie Schalke. Zwar hat Arminia Bielefeld ein Tor weniger als die Schalker geschossen, trotzdem erspielt sich sogar der Aufsteiger mehr Torraumszenen. Auf kümmerliche zwei Großchancen aus dem laufenden Spiel hat es Schalke bislang gebracht. Die Mannschaft schießt auch selten auf das gegnerische Tor (60). Nur Bielefeld hat es seltener probiert.

Wenn überhaupt ist Schalke nach Standards gefährlich und erfolgreich. Nach ruhenden Bällen wirkte die Mannschaft gerade offensiv zuletzt deutlich verbessert. Co-Trainer Naldo, als Profi ein Spezialist für Kopfballgefahr bei Standards, arbeitete mit der Mannschaft explizit an dieser Stellschraube.

Der Hauptgrund für Schalkes Harmlosigkeit aus dem laufenden Spiel ist jedoch klar. Die Mannschaft schafft es selten, sich überhaupt bis zum gegnerischen Sechzehner durchzuspielen. Kaum ein Bundesligist kommt auf so wenige Ballkontakte im gegnerischen Strafraum.

Baustelle 2: Spielaufbau

Vor allem zwei Dinge machten Schalke das Leben in dieser Saison bislang schwer. Zum einen fehlte den Abwehr- und Mittelfeldspielern jede Form von Passsicherheit im Aufbau. Schalke präsentierte sich bei Druck des Gegners als extrem fehleranfällig. Die Folge: Mit zunehmender Verunsicherung wählten die Defensivspieler beim Aufbau immer häufiger Befreiungsschläge, was das Aufbauspiel fast vollständig zum Erliegen brachte. Schalkes Problem potenzierte sich also durch das fehlende Selbstvertrauen seiner Spieler.

Das zweite Kernproblem ist Schalkes Flügelspiel. Keine Mannschaft hat in dieser Saison so wenig Flanken aus dem laufenden Spiel geschlagen wie Schalke (30). Auch in Sachen Erfolgsquote, also mit Blick auf die Frage, wie häufig die Flanke einen Mitspieler erreicht, ist Schalke im Ligavergleich Vorletzter (16,7%). Linksverteidiger Bastian Oczipka werden Geschwindigkeitsprobleme nachgesagt, der 20-jährige Rechtsverteidiger Kilian Ludewig ist extrem bemüht, auf diesem Niveau aber noch unerfahren.

In Mainz funktionierte Schalkes Spielaufbau deutlich besser als bei den vorherigen Auftritten. Schalke spielte mutiger, kombinierte passsicherer durch das Mittelfeld und hatte mehr Tiefe im Spiel. Auch die Außenverteidiger Bastian Oczipka und Kilian Ludewig schalteten sich deutlich häufiger offensiv mit ein, allein Oczipka flankte achtmal in 90 Minuten. Prompt brachte es Schalke auch auf 22 Torabschlüsse, Top-Wert für den Verein in dieser Saison.

Baustelle 3: Defensive Abstimmung

Manuel Baum hat es defensiv sowohl mit Vierer- als auch mit Dreierkette versucht. Schalke wirkte mit beiden Varianten zuletzt etwas verbessert. Es bleiben aber auch jede Menge Schwachpunkte offensichtlich. Keine Mannschaft hat in dieser Saison so viele Tore (22) kassiert, keine Mannschaft so viele Großchancen (22) und Torschüsse (123) zugelassen. 

Schalkes Trainer Manuel Baum

Auf der Suche nach einem Defensiv-Plan: Schalke-Coach Baum beim Spiel in Mainz

Ein Problem sind die Ballverluste im Aufbau noch in der eigenen Hälfte, was dem Gegner einfache Angriffe aus aussichtsreichen Positionen ermöglicht. Erstaunlich oft aber stimmt auch nicht die Abstimmung zwischen den Innenverteidigern. Immer wieder haben sich im Laufe der Saison Stellungsfehler in der defensiven Zentrale eingeschlichen. 

Doch selbst wenn Schalke einen extrem defensiven Ansatz wählte und allein durch die Zahl der eigenen Spieler rund um und im Sechzehner die Räume für den Gegner verdichtete, blieben unerklärliche Lücken offen. Teilweise auch durch fehlende Laufbereitschaft. Keine Mannschaft ist in dieser Saison in Summe so wenig Kilometer gelaufen wie Schalke (779,6 Kilometer). 

Manuel Baum über Elfmeter: "Glaube nicht, dass das ein Zufall ist" Sportschau 19.11.2020 00:34 Min. Verfügbar bis 19.11.2021 Das Erste

Stand: 19.11.2020, 10:09

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