Schalke 04 fehlt das Herz

Suat Serdar

Auch gegen Mainz ohne Dreier

Schalke 04 fehlt das Herz

Von Jan Wochner

Vier Spiele ohne Sieg in der Bundesliga. Schalke 04 hat auch beim torlosen Remis in Mainz enttäuscht. Die Mannschaft von Trainer David Wagner ist kaum wiederzuerkennen, zeigt vor allem in der Offensive kaum noch Esprit und Dynamik. Das Schalker Spiel war zuletzt von Sicherheitsdenken geprägt und deshalb zäh und chancenarm. Auch weil das Herz der Mannschaft angeschlagen pausiert.

Zumindest in der Analyse agiert Schalke 04 noch schnörkellos und auf den Punkt: "Uns fehlt die Leichtigkeit. Wir tun uns schwer, Chancen zu erspielen“, sagte Trainer David Wagner nach dem 0:0 bei Mainz 05. Und auch Verteidiger Bastian Oczipka sprach die Mängel klar an. "Wir haben Probleme im Spiel nach vorne, da passt es nicht mehr“, erklärte der Linksverteidiger.

Nur ein Treffer in vier Spielen

Schalke ist im Vergleich zur Hinrunde und insbesondere im Vergleich zum fast berauschenden Rückrundenauftakt gegen Mönchengladbach kaum wiederzuerkennen. Gegen Mainz brachte es Königsblau auf nur eine zwingende Torchance in 90 Minuten. Und diese entstand auch erst in Folge eines Eckballs. Nur ein eigener Treffer in den jüngsten vier Bundesligaspielen. Die aktuelle Problemlage ist deutlich: Schalke ist offensiv harmlos geworden.

"Wir werden es wieder besser machen, wenn wir den einen oder anderen Spieler zurück haben“, stellt David Wagner klar. Ohne ihn explizit zu nennen, ist klar, wen der Trainer im Sinn hat. Schalke vermisst Mittelfeldspieler Suat Serdar. Der Neu-Nationalspieler hat die vergangenen zwei Spiele wegen einer Sprunggelenksprellung verpasst.

Wagner: "Hoffen, dass wir den ein oder anderen zurückkriegen"

Sportschau 16.02.2020 02:28 Min. Verfügbar bis 16.02.2021 ARD

Ausfälle von Serdar und Caligiuri wiegen schwer

Wie abhängig das Schalker Spiel vom Spielertyp Serdar ist, wird jetzt erst deutlich. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Daniel Caligiuri hat sich das Problem sogar noch einmal potenziert. Denn im von Trainer Wagner präferierten System sind Serdar und Caligiuri unersetzlich. Beide nehmen im Mittelfeld die Rolle als Bindeglied zwischen der Abwehr mit Aufbauspieler Omar Mascarell, der sich gerne zwischen die Innenverteidiger zurückfallen lässt, und der Offensivabteilung ein.

Vor allem bei Schalker Ballbesitz ist das Fehlen dieser Bindeglieder unübersehbar. Serdar und Caligiuri bringen Fähigkeiten mit, die Königsblau momentan im Mittelfeld fehlen. Dazu zählen Tempo und Dynamik, vor allem aber Ballsicherheit, auch unter Gegnerdruck. Wagner braucht diese Attribute, weil er im Angriff auf schnelle Kombinationen durch die Mitte setzt.

Vertreter Schöpf und McKennie wirken auf den Achter-Positionen überfordert

Auf den Achter-Positionen in der Mittelfeld-Raute fallen diese Aufgaben nun Alessandro Schöpf und Weston McKennie zu, die für Serdar und Caligiuri aushelfen. Beide wirkten sowohl gegen Paderborn als auch in Mainz genau damit überfordert. Für Schalke ergeben sich sogar noch Folgeprobleme. Weil Schöpf und McKennie nicht das gewohnte Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff darstellen, verhalten sich auch die Außenverteidiger vorsichtiger. Bastian Oczipka und Jonjoe Kenny scheuten in Mainz mutigen Offensivdrang. Die Folge: Schalkes Flügelspiel, das ohnehin schon schwach ausgeprägt ist, kommt seit Wochen fast vollends zum Erliegen.

Außerdem wirkt Schalkes Offensive wie abgeschnitten vom Spiel. Gerade Amine Harit, der sonst die Vorarbeit von Serdar und Caligiuri mit Vorlagen oder Toren gerne veredelte, verkümmert fast. Zudem ließ sich der junge Marokkaner dazu hinreißen, die Rolle als Bindeglied selbst übernehmen zu wollen. Dafür ließ sich Harit in Mainz tief in die eigene Hälfte fallen, um dann gegen gleich mehrere Gegenspieler ins Dribbling zu gehen. Schalke hatte Mühe und Glück, die folgenden Ballverluste nicht mit Gegentoren bezahlen zu müssen.

Schalke kämpft offensiv mit stumpfen Waffen

Während Caligiuri noch einige Wochen fehlen wird, ist bei Serdar die Hoffnung groß, dass er am Samstag gegen Leipzig wieder in die Startelf zurückkehren kann. Coach Wagner und die Mannschaft sehnen die Rückkehr herbei. Denn das Herzstück im Schalker Spiel sorgt dafür, dass seine Mitspieler in die Lage versetzt werden, in ihren Kernaufgaben zu glänzen. Gleichzeitig steht Serdar mit sieben Saisontoren für die Torgefährlichkeit, die Schalke zuletzt abging.

Ohne Serdar und Caligiuri kämpft Schalke offensiv mit stumpfen Waffen. Weil Trainer David Wagner aber nicht bereit ist, von seinem System abzurücken und die defensive Stabilität für mehr Offensivpower zu opfern, wirkten Schalkes Auftritte zuletzt zäh, langweilig und übervorsichtig. "Wenn du die Spiele nicht gewinnen kannst, musst du zusehen, dass du nicht verlierst", brachte es Wagner auf den Punkt.

Fußball · Bundesliga · 22. Spieltag 2019/2020

Sonntag, 16.02.2020 | 18.00 Uhr

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Zentner – St. Juste, Bruma, Niakhaté – R. Baku, Barreiro Martins, Latza (82. Kunde Malong), Brosinski – Öztunali (66. Onisiwo), Quaison – Szalai (72. Mateta)

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Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Nübel – Kenny, Todibo (63. Kabak), Nastasic, Oczipka – Mascarell – Schöpf, McKennie – Harit (82. Miranda) – Gregoritsch, Raman (75. Kutucu)

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Fakten und Zahlen zum Spiel

Strafen:

  • gelbe Karte Bruma (2 )
  • gelbe Karte Brosinski (3 )
  • gelbe Karte Todibo (1 )
  • gelbe Karte Kutucu (2 )

Zuschauer:

  • 27.482

Schiedsrichter:

  • Guido Winkmann (Kerken)

Stand der Statistik: Sonntag, 16.02.2020, 19:52 Uhr

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Tore 0 0
Schüsse aufs Tor 5 4
Ecken 3 6
Abseits 3 1
gewonnene Zweikämpfe 120 92
verlorene Zweikämpfe 92 120
gewonnene Zweikämpfe 56,6 % 43,4 %
Fouls 7 11
Ballkontakte 475 651
Ballbesitz 42,18 % 57,82 %
Laufdistanz 109,32 km 110,89 km
Sprints 212 213
Fehlpässe 65 81
Passquote 72,57 % 80,94 %
Flanken 11 8
Alter im Durchschnitt 25,9 Jahre 23,8 Jahre

Stand: 17.02.2020, 12:00

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