SC Paderborn im Abstiegskampf - ostwestfälische Grenzerfahrungen

Paderborns Trainer Steffen Baumgart (l.) im Gespräch mit Uwe Hünemeier

Fußball-Bundesliga, 29. Spieltag

SC Paderborn im Abstiegskampf - ostwestfälische Grenzerfahrungen

Von Tim Beyer

Mit dem SC Paderborn ist der Trainer Steffen Baumgart von der 3. Liga bis in die Bundesliga aufgestiegen. Dass der Klub dort an seine Grenzen stößt, sollte niemanden überraschen. Die Frage ist nun, wie es weitergeht mit Baumgart und dem SCP.

Es gab im Spiel des SC Paderborn gegen Borussia Dortmund einen Moment, da nahm Verteidiger Uwe Hünemeier, 34, eine Rolle ein, die man in seiner langen Karriere noch nicht oft für ihn vorgesehen hatte. Als Schiedsrichter Daniel Siebert nach einem Handspiel von Dortmunds Emre Can in der 72. Minute auf Elfmeter entschied, legte sich Hünemeier den Ball zurecht. Und Hünemeier, der in dieser Saison so oft nur auf der Bank gesessen hatte und jetzt doch der Paderborner Hoffnungsträger war, lief an und schickte Torhüter Roman Bürki in die falsche Ecke.

Für Hünemeier, der einst seine Profikarriere beim BVB begonnen hatte, war es der dritte Treffer im 50. Bundesligaspiel und der erste seit fünfeinhalb Jahren. Es wäre eine schöne Geschichte geworden, hätte nun ausgerechnet Hünemeier den Startschuss zu einer wilden Aufholjagd gegeben, an deren Ende der SCP womöglich noch gegen Dortmund gepunktet hätte.

Die Realität war dann ernüchternd für alle, die es mit den Ostwestfalen halten. DIe Heldwerdung des Uwe Hünemeier lässt noch auf sich warten.

Der SC Paderborn stößt an seine Grenzen

Es folgten nämlich 120 Sekunden, die sich für manchen Paderborner wie ein Spiegelbild der gesamten Spielzeit angefühlt haben mögen. Bislang war ja jedem Erfolg beständig eher früher als später auch ein Rückschlag gefolgt - und das sollte sich auch diesmal nicht ändern: 3:1 durch Jadon Sancho, 74. Minute. Und dann noch drei weitere Gegentreffer zwischen der 85. Minute und dem Schlusspfiff, 1:6 verlor Paderborn am Ende.

Hinterher sagte der Trainer Steffen Baumgart einen Satz, den Trainer nach einer derart deutlichen Niederlage für gewöhnlich eher nicht so oft sagen. "Ich finde", sagte Baumgart, "wir haben eine sehr gute Halbzeit gespielt für unsere Verhältnisse." Und es stimmte ja: Nach der ersten Hälfte stand es torlos remis, auch die Paderborner hatten Chancen, und vom BVB sah man wenig Mitreißendes.

Doch weil eine gute Hälfte gegen eine Mannschaft wie Dortmund nur selten zu einem Punktgewinn reicht, ist es so, dass sie in Paderborn gerade gar nicht gerne auf die Tabelle schauen. Nur 19 Punkte nach 29 Spielen, dabei hatte der SCP die ersten drei Spiele nach dem Restart der Liga immerhin allesamt unentschieden gespielt. Trotzdem haben sie schon acht Punkte Rückstand auf Fortuna Düsseldorf auf Relegationsrang 16. In der Bundesliga stößt der SC Paderborn an seine Grenzen, und es sollte sich niemand darüber wundern.

Der Trainer Baumgart: Nie im Pullover, immer im T-Shirt

Der Trainer Steffen Baumgart,48, arbeitet seit drei Jahren in Paderborn. Da war der Klub noch Drittligist, der am Ende nur deshalb nicht abstieg, weil 1860 München die Lizenz verweigert wurde. Fortan spielte die Mannschaft einen wunderbar mitreißenden Fußball, für manchen Ligakonkurrenten ging das viel zu schnell. Und draußen an der Linie, da stand Baumgart, auch im Winter ohne Pullover, immer im T-Shirt, und zerkaute Kaugummis und Kaffeestäbchen, während seine Mannschaft Spiel um Spiel gewann und tatsächlich noch einmal aufstieg.

Baumgart: "Ich genieße jedes Spiel"

Sportschau 31.05.2020 03:25 Min. Verfügbar bis 31.05.2021 Das Erste Von Sven Pistor

Es sei überhaupt nicht selbstverständlich, dass der SC Paderborn in der Bundesliga spiele, hat Baumgart kürzlich im Gespräch mit dem WDR gesagt. Das gelte auch für viele Spieler im Kader. Er genieße deshalb jedes Spiel, sagte Baumgart. "Man sollte immer das Schöne sehen und nicht das, was man nicht hat."

Die Baumgart-Frage: Bleibt er oder geht er?

Noch stehen fünf Spieltage aus, die Gegner heißen RB Leipzig (A), Werder Bremen (H), Union Berlin (A), Borussia Mönchengladbach (H) und Eintracht Frankfurt (A). Die Paderborner müssten schon gegen die Abstiegskonkurrenten aus Bremen, Berlin und auch gegen Frankfurt gewinnen und zumindest in einem der beiden anderen Spiele punkten, um doch noch erstklassig zu bleiben.

Unabhängig von der Frage nach der Ligazugehörigkeit planen sie in Paderborn schon den Kader für die nächste Spielzeit. Sieben Spielerverträge laufen am Ende der Saison aus, auch der von Uwe Hünemeier. "Ich würde sehr gerne bleiben", hat Hünemeier dem "Westfalen-Blatt" gesagt. Eine Entscheidung ist noch nicht verkündet worden. Und dann sind da noch die Paderborner Gesichter, die in der Bundesliga so gespielt haben, dass andere Vereine darauf aufmerksam geworden sind. Sie heißen Sebastian Schonlau, Sebastian Vasiliadis, Luca Kilian oder Dennis Srbeny, und es ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass sie nach der Sommerpause noch für Paderborn spielen werden.

Der Trainer Baumgart hingegen hat noch ein Jahr einen Vertrag, doch bleibt er auch? Er sei ja mehr dafür, im Hier und Jetzt zu leben, sagte Baumgart dem WDR. "Im Moment ist Paderborn mein Mittelpunkt und ich bin sehr gerne hier."

Stand: 02.06.2020, 09:00

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