DFL reagiert empört auf Kalous Video - Hertha suspendiert Spieler

Kalou erweist Hertha BSC einen Bärendienst Sportschau 05.05.2020 01:56 Min. Verfügbar bis 05.05.2021 Das Erste

Coronavirus

DFL reagiert empört auf Kalous Video - Hertha suspendiert Spieler

Von Chaled Nahar

Salomon Kalou von Hertha BSC hat bei Facebook ein Live-Video veröffentlicht, das ihn beim Abklatschen mit Mannschaftskollegen und Betreuern zeigt - von Abstandsregeln keine Spur. Die DFL reagiert mit Empörung, zumal am Mittwoch eine politische Entscheidung über die Fortsetzung der Saison getroffen werden soll. Der Verein verkündete am Montagabend (04.05.2020) die Suspendierung Kalous.

Kalous Video stellt die Fortsetzung des Spielbetriebs der Deutschen Fußball Liga in der Coronavirus-Pandemie weiter infrage. Die Bilder zeigen deutlich, wie einfachste Hygienemaßnahmen missachtet werden - mitten im Trainingszentrum eines Fußball-Bundesligisten.

Keine Abstandsregeln, Abklatschen mit anderen Spielern

Was in dem Video zu sehen ist: Kalou filmt sich zunächst minutenlang selbst bei einer Autofahrt, bei der er Beifahrer ist. Er spricht davon, alle Fans "mit zum Training zu nehmen" und ihnen seine musikalische Playlist näherbringen zu wollen.

Nach der Ankunft am Trainingszentrum begrüßt er Herthas Fitnesstrainer Henrik Kuchno und schüttelt ihm dabei die Hand. Kalou zeigt sich durchgehend gut gelaunt, in der Kabine klatscht er sich mit vier Spielern ab, letzter in der Reihe ist Vedad Ibisevic - von Hygieneregeln oder Abstand keine Spur.

Die Folgen von Kalous Kabinenvideo

Sportschau 05.05.2020 02:11 Min. Verfügbar bis 05.05.2021 ARD Von Lars Becker

Klage über weniger Geld, Coronatest live gestreamt

In der Kabine filmt Kalou eine Plauderei mit seinen Mannschaftskollegen, darin beschweren sie sich über Gehaltskürzungen. Die Rede ist von 11 Prozent, dann von 15 Prozent - zufrieden wirkt niemand damit.

Dann nimmt Kalou sein Publikum mit in einen medizinischen Bereich und ruft lachend "Coronavirus, das Coronavirus". Er streamt einen laufenden Test bei Jordan Torunarigha live. Physiotherapeut David del Mel, der den Test vornimmt, ruft zu Kalou: "Salo, bitte! Lösch das, bitte!" Kalou folgt der Bitte nicht und verlässt lachend den Raum.

DFL: "Absolut inakzeptabel"

Die DFL sowie die Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga haben stets betont, dass sie Schutz- und Hygienekonzepte hätten, die einen Trainingsbetrieb und einen Spielbetrieb unter Ausschluss von Zuschauern vertretbar machen. Entsprechend groß war dann auch die Empörung der DFL nach Ansichts des Kalou-Videos: "Die Bilder von Salomon Kalou aus der Kabine von Hertha BSC sind absolut inakzeptabel", schrieb der Ligaverband bei Twitter: "Hierfür kann es keine Toleranz geben - auch mit Blick auf Spieler und Klubs, die sich an die Vorgaben halten, weil sie die Ernsthaftigkeit der Situation erfasst haben."

Hertha: "Verfehlung eines einzelnen Spielers"

Die Hertha bewertete den Fall offenbar ähnlich und hat den Profi mit sofortiger Wirkung suspendiert. "Salomon Kalou hat mit dem Video aus der Kabine gegen teaminterne grundlegende Regeln verstoßen und ein Verhalten gezeigt, welches weder der Situation angemessen ist noch den Verhaltensregeln des Vereins entspricht", hieß es in einer Mitteilung des Bundesligisten.

Der Verein schrieb weiter: "Salomon Kalou hat mit seinem Video den Eindruck vermittelt, dass die Spieler von Hertha BSC die vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln seitens der Gesundheitsbehörden nicht ernst nehmen. Hertha BSC möchte festhalten, dass dies die Verfehlung eines einzelnen Spielers war."

Entschuldigung von Kalou

Gleichzeitig müssten "die regelmäßigen Hinweise auf die Abstands- und Hygieneregeln noch intensiver ausfallen". Auch eine Entschuldigung Kalous enthielt die Mitteilung der Hertha: "Es tut mir leid, wenn ich mit meinem Verhalten den Eindruck erweckt habe, dass ich Corona nicht ernst nehme", wurde der Offensivspieler zitiert. "Ich habe nicht wirklich nachgedacht und mich darüber gefreut, dass unsere Tests alle negativ waren."

"Seit wir zurück sind aus der Quarantäne, werden wir wöchentlich auf den Erreger getestet", sagte er außerdem im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Bei uns gab es keine weiteren positiven Testergebnisse. Und da sollen wir uns nicht die Hand geben?"

Spahn: Konzept muss auch "gelebt werden"

Am Mittwoch (06.05.2020) berät Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer über eine Zustimmung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte im Deutschlandfunk: "Das grundsätzliche Konzept macht Sinn und kann auch Vorbild sein im übrigen für andere Profisport-Bereiche. Aber dann muss es auch gelebt werden."

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Seehofer: "Spieler müssen Ansteckungsgefahr auf null reduzieren"

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte gefordert, dass Mannschaften bei einem positiven Test vollständig in Quarantäne müssten. Im Bayerischen Fernsehen sagte er: "Wenn bei mir ein Mitarbeiter infiziert ist, dann müssen diejenigen, die mit ihm in Kontakt waren, 14 Tage zu Hause sein. Das ist die Unterbrechung der Infektionskette. Jetzt kann ich nicht im Profisport sagen: Da gilt das nicht." Seehofer sagte mit Blick auf die Bundesliga, dass dies von allen Beteiligten höchste Disziplin bei der Coronavorsorge erfordere. "Die müssen selbst alles tun, damit die Ansteckungsgefahr bei ihnen persönlich auf null reduziert wird."

Das Video von Kalou bei Hertha BSC zeichnet ein anderes Bild - und dürfte aus DFL-Sicht keinen positiven Einfluss auf die politische Debatte nehmen. Nach Ansicht des Videos stellt sich die Frage, ob das Verhalten der Spieler in den Kabinen der anderen Klubs möglicherweise ähnlich ausschaut. Die DFL hatte am Montag bekanntgegeben, dass bisher insgesamt zehn Coronatests positiv ausgefallen seien.

Kölner Spieler äußerte Bedenken

Am Samstag hatte Birger Verstraete, Mittelfeldspieler beim 1. FC Köln, im belgischen Fernsehen Bedenken über die Maßnahmen in der Bundesliga geäußert, nachdem zwei Spieler und ein Physiotherapeut des Klubs positiv getestet worden waren. "Der Physiotherapeut hat mich und andere Spieler wochenlang behandelt. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Kraftraum ein Duo gebildet", sagte Verstraete im flämischen Fernsehsender "VTM". Beide Spieler seien zudem in seiner Trainingsgruppe gewesen. "Wir trainieren in zwei Gruppen und du weißt, dass die Jungs dir dabei extrem nah gekommen sind", sagte Verstraete am Samstag der Zeitung "Het Laatste Nieuws" zufolge, die das Interview dokumentierte.

Er mache sich nun Sorgen um seine Lebensgefährtin, die wegen einer Vorerkrankung zur Risikogruppe gehöre, sagte der 26-Jährige, der im Sommer von KAA Gent zum 1. FC Köln gewechselt war. Nach einem Gespräch am folgenden Tag zitierte der Klub seinen Spieler in einer schriftlichen Mitteilung mit den Worten, dass er in Köln die Saison zu Ende spielen möchte, sich falsch verhalten habe, die Übersetzungen missverständlich seien - und dass seine Lebensgefährtin bis auf Weiteres nach Belgien ziehe.

Der Journalist Jean-Julien Beer verwies zudem auf ein Foto aus dem "Kölner Express", das vom 23. April 2020 stammen soll - es zeigt den Kölner Spieler Christian Clemens und einen Betreuer in unmittelbarer Nähe zueinander, allerdings unter freiem Himmel.

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Stand: 05.05.2020, 14:24

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