Was Leverkusen zu einem Top-Team fehlt

Leverkusens Team nach dem letzten Saisonspiel auf dem Rasen

Was Leverkusen zu einem Top-Team fehlt

Nach dem letzten Bundesliga-Spiel konnte Leverkusen nur den Abschied von Stefan Kießling feiern. Für sportlich großen Jubel gab es letztlich keinen Anlass. Wo Leverkusen in der Liga top ist und wo es fehlt - ein Zahlenstück.

Ganz zum Schluss leistete Stefan Kießling seinem Klub noch einmal einen großen Dienst. Der Abschied des Routiniers nach insgesamt 15 Jahren Bundesliga mit 403 Einsätzen und 144 Toren sorgte für fröhliche Stimmung in der Leverkusener Arena. Wer weiß, wie die Bayer-Anhänger den Saisonabschluss ohne Kießlings großes "Auf Wiedersehen" gestaltet hätten. Schließlich hatte Bayer Leverkusen die gesamte Saison noch einmal in einem Spiel zusammengefasst und in der Partie gegen über weite Strecken passive Hannoveraner die besten Möglichkeiten auf einen Kantersieg und damit die Qualifikation zur Champions League liegen gelassen.

Dabei ist unverkennbar, welche Schritte nach vorn die Mannschaft unter Heiko Herrlich gemacht hat. Einsatz, Flexibilität und fußballerische Qualität stimmen bei der Werkself. Das belegen auch die Daten am Ende der Saison. Nur Freiburg und Hoffenheim liefen im Schnitt mehr Kilometer pro Spiel als Leverkusen. Bei den Sprints waren die Rheinländer sogar das einsatzfreudigste Team. "Die Fans erkennen, dass da wieder ein Team auf Platz steht, das füreinander fightet", meinte auch Herrlich mit Blick auf den Zustand vor seinem Amtsantritt.

In vielen Statistiken weit vorne

Auch beim Kurzpassspiel (Anzahl der Pässe) oder Genauigkeit (Passquote) zählte Bayer hinter Bayern München und Dortmund zu den nach Daten besten Mannschaften. Selbst bei den von der taktischen Ausrichtung her entgegengesetzten Punkten Ballbesitz (Platz 4 mit 53 Prozent) oder Kontertore (Platz 2 mit 10 Treffern) findet sich Herrlichs Team auf den Spitzenplätzen der Liga wieder.

Wo es bei dem nach Leipzig zweitjüngsten Team der Liga hapert, wird beim Blick Richtung gegnerischen Strafraum deutlich. Zwar gab Leverkusen nach den Bayern die zweitmeisten Torschüsse ab (511), liegt aber in der Chancenverwertung nur unter Fernerliefen. Das gleiche gilt für die gewonnen Offensivzweikämpfe.

Leverkusen in den Daten-Tabellen 2017/18
InhaltPlatzierungWert
Ballbesitzphasen4.22.665 Kontakte
Ballbesitz4.53,6 Prozent
Kurzpässe3.14.098 Pässe
Passquote Kurzpässe5.87,2 Prozent
Torschüsse2.511 Schüsse
Chancenverwertung9.25,8 Prozent
Kontertore2.10 Tore
Jokertore4.8 Tore
Flanken aus dem Spiel3.388 Flanken
Laufleistung pro Spiel3.118,6 km im Schnitt
Sprints pro Spiel1.233 Sprints im Schnitt
Durchschnittsalter2.24,5 Jahre
Quellen: Deltatre, kicker

Letzter Punch fehlt zu oft

Nicht nur den Zahlen nach, auch gefühlt hat es in einigen Spielen wie zum Beispiel gegen Augsburg, Stuttgart oder im letzten Spiel gegen Hannover am letzten Punch gefehlt, der Überlegenheit auch Zählbares folgen zu lassen zu wollen. "Da haben wir insgesamt zu viel liegen lassen", gab auch Julian Brandt zu.

An diesem Punkt wird Herrlich - mit den qualitativ starken Neuverpflichtungen Mitchell Weiser und Paulinho im Kader - zur nächsten Spielzeit ansetzen können. Auf der letzten Pressekonferenz versprach er schon einmal: "Wir greifen nächste Saison wieder von vorne an." Dann könnte Leverkusen im Sommer 2019 auch ohne den Abschied eines Publikumslieblings Grund haben, mit den Fans zu feiern.

Brandt: "Haben es uns über die Saison verspielt"

Sportschau | 12.05.2018

Stand: 14.05.2018, 20:54

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