Robben, Ribery, Rafinha - Abschied von der Bundesliga

Franck Ribery (l.) und Arjen Robben

Fußball-Bundesliga

Robben, Ribery, Rafinha - Abschied von der Bundesliga

Von Tim Beyer

Am Saisonende wird es emotional. Weil dann Spieler verabschiedet werden, die so lange Teil der Bundesliga waren, dass man sich kaum vorstellen kann, dass sie bald nicht mehr Woche für Woche dort spielen. Wer verlässt im Sommer die Bundesliga und wer hört ganz auf? Ein Überblick.

Am Ende, nachdem Rafinha ausführlich über seine Anfänge gesprochen hatte, verlor er doch noch den Kampf gegen die Tränen. Er wischte sich über die Augen, die nicht trocken bleiben mochten, und erzählte. Davon, wie hart für ihn als jungen Brasilianer die ersten Winter in Deutschland gewesen seien ("Ich wollte nicht in den Schnee zurück") und wie er dieses Land doch noch lieben gelernt hatte.

Am Rand saßen Thomas Müller, Thiago und Manuel Neuer, der sich ein Rafinha-Trikot übergezogen hatte. Auch David Alaba, Renato Sanches, Javi Martínez, Franck Ribéry und Robert Lewandowski waren gekommen, sie alle wollten Rafinha bei seiner Abschieds-PK begleiten. "Mit ihnen bin ich schon so lange zusammen. Wir hatten so viele schöne Momente", sagte Rafinha, 33, und seit acht Jahren Spieler des FC Bayern München. Er hat 266 Pflichtspiele für den Klub gemacht, manchmal war er nur Ergänzungsspieler, aber irgendwie immer wichtig - sportlich, noch mehr aber menschlich. Von Rafinha heißt es, er sei immer derjenige gewesen, der sich um die Neuen gekümmert habe. Womöglich tat er das, weil er wusste, wie sich das anfühlt: neu zu sein, in einem großen Verein oder einem fremden Land mit einer anderen Kultur.

Nicht immer auf dem Platz, aber immer wichtig

Rafinha saß also schon einige Minuten oben auf dem Podium, als er seine Mama erwähnte. Die habe ihm kürzlich erst gesagt, er solle dankbar sein für alles, was er als Fußballer erleben durfte. Und dann übermannten Rafinha die Emotionen, und jetzt ließ er die Tränen einfach rollen. Irgendwann stand er auf, umarmte Müller, Neuer und all die anderen und trat ab.

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Einmal könnte er noch für die Bayern in der Liga spielen, am Samstag (18.05.2019) im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, Ende des Monats folgt noch das Pokalfinale gegen Leipzig. Und dann wird Rafinha München verlassen, wo sein Vertrag nicht verlängert wurde. Er wisse noch nicht, wie und wo es für ihn weitergehe, sagte Rafinha, doch er werde weiterspielen, nur eben für einen anderen Verein. "Obrigado, danke für alles."

München und die Zeit der Abschiede

Nach ihm betrat Arjen Robben das Podium, und wer damit gerechnet hatte, es werde ähnlich emotional weitergehen, sollte recht behalten. Auch für Robben wird das Spiel gegen Frankfurt das letzte Ligaspiel im Bayern-Trikot, er hatte es noch länger als sein Vorredner getragen, nämlich fast zehn Jahre, und in 307 Pflichtspielen. Er habe seine Abschiedsvorstellung "im Kopf schon dreimal durchgespielt", sagte Robben, und auch, dass in diesem Tagtraum immer wieder Franck Ribéry eine besondere Rolle eingenommen habe. "Robbery", wie Medien das Duo getauft hatten, haben eine Ära geprägt bei den Bayern, man wird sie so schnell nicht vergessen. "Was wir miteinander erlebt haben, ist ganz was Besonderes. Vom ersten Tag an hatten wir diesen Klick. Das hat von Anfang an unheimlich viel Spaß gemacht."

Und dann sagte Robben noch, er sei sich noch nicht sicher, ob er auch in der nächsten Saison noch Profifußballer sein werde. "Ich hoffe, dass ich in ein oder zwei Wochen eine Entscheidung treffe, ich kann aber nichts versprechen."

Ribéry hatte schon einige Tage zuvor seine Abschieds-PK bekommen. Der Franzose hatte sich bei den Fans für die Treue bedankt und bei vielen Weggefährten, auch beim "Team hinter dem Team". Über seine Karriere sagte Ribéry: "Gott sei Dank! Es war ein Traum, aber die Zeit vergeht. Das ist so." Und dass er fest eingeplant habe, nach seiner Karriere wieder nach München zurückzukehren.

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Nicht nur in München nimmt man Abschied

Pirmin Schwegler wird Hannover 96 nach dem Abstieg in die zweite Liga verlassen, um sich am anderen Ende der Welt einen Traum zu erfüllen. Sein neuer Trainer heißt Markus Babbel, der neue Arbeitgeber Western Sydney Wanderers - Schwegler wechselt also nach Australien. Die 13. Spielzeit in der Bundesliga wird die (vorerst) letzte für den Schweizer Schwegler, 32.

Als Fabian Lustenberger im Sommer 2007 zur Hertha nach Berlin wechselte, war er 19, ein zierlicher Mittelfeldspieler mit blondem Lockenkopf. Fast zwölf Jahre später geht die Zeit von Lustenberger in der Hauptstadt zu Ende. Die Haare trägt er mittlerweile kürzer und aus dem Mittelfeldspieler wurde einer, der zuletzt vor allem als Innenverteidiger gespielt hat. 307 Pflichtspiele hat er für die Hertha gemacht, vor dem Heimspiel gegen Leverkusen wird man ihn verabschieden. Lustenberger wechselt zum Schweizer Meister Young Boys.

Rene Adler

Es gibt aber auch einige Spieler, die am Ende dieser Saison ihre Karriere beenden werden. In Mainz müssen sie gleich ohne zwei Spieler auskommen, die zuletzt nicht mehr so oft gespielt haben, aber dennoch wichtig für die Mannschaft waren. René Adler beendet seine Karriere wegen einer schweren Knieverletzung. "Das Vertrauen in den Körper ist einfach nicht mehr da, es macht deshalb keinen Sinn mehr, darum höre ich nun auf", hatte der 34-Jährige Anfang Mai dem "Stern" gesagt. In seinen zwei Jahren bei Mainz 05 hatte er nur 14 Bundesligaspiele absolvieren können.

Aufhören wird auch Niko Bungert, lange Kapitän bei den Mainzern. Als Bungert, 32, vor elf Jahren aus Offenbach kam, war er Teil der U21-Nationalmannschaft, er spielte dort mit Manuel Neuer, Sam Khedira und Max Kruse zusammen. Für die ganz große Karriere langte es nicht, aber für Mainz war er ein trotzdem ganz Großer. Und weil das so gut passt mit Mainz und Bungert, bleibt der einfach da. Ab Herbst steigt er als Trainee ein, wahrscheinlich im Bereich Management. Das Studium zum Fußballmanager schloss Bungert bereits vor Jahren ab.

Seine Karriere wird auch Schalkes Sascha Riether beenden, diesmal sogar wirklich. Vor zwei Jahren hatte er das schon einmal angekündigt, doch dann rief Schalke an und Riether sagte zu. Jetzt, mit 36, soll endgültig Schluss sein. Er wolle nun zeitnah seine Trainerscheine machen, sagte Riether laut einer Mitteilung auf der Vereinshomepage. "Und vielleicht gucke ich mir auch Weiterbildungen in Richtung Management an."

 Und dann sind da noch die Fälle, bei denen nicht ganz klar ist, ob der Spieler noch ein Jahr weiterspielen wird - und auch nicht wo. Claudio Pizarro, 40, ist sicher der prominenteste Fall. Natürlich werden seine Einsatzzeiten nicht länger, aber wichtige Tore schießt der Peruaner noch immer. Und er möchte damit auch noch nicht aufhören. "Ich habe die Idee im Kopf, noch ein Jahr zu spielen“, hat Pizarro kürzlich dem Portal "Deichstube" gesagt. Demnach sind nur noch Kleinigkeiten zu klären, ehe Pizarro seinen Vertrag in Bremen um ein Jahr verlängern wird. Claudio Pizarro, er kann es einfach nicht lassen.

mit Material von sid und dpa | Stand: 15.05.2019, 10:00

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