Bremen vs. Heidenheim - der Faktencheck

Frank Schmidt (l) und Florian Kohfeldt

Fußball-Bundesliga, Relegation

Bremen vs. Heidenheim - der Faktencheck

Werder Bremen hat in dieser Saison lange wie ein Absteiger gespielt und es dann doch noch in die Relegation geschafft. Dort geht es gegen den 1. FC Heidenheim. sportschau.de fasst zusammen, was man über die beiden Spiele wissen sollte.

Wie nahe im Fußball doch mitunter die Extreme beinander liegen. Es ist erst wenige Tage her, da stand Werder Bremen vor dem 34. und letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga auf Platz 17, ein Abstieg galt als logische Konsequenz einer misslungenen Saison. Dann kam der Samstag (27.06.2020) und mit ihm Werders 6:1 gegen den 1. FC Köln, gleichzeitig verlor Fortuna Düsseldorf, und so geht Bremens Spielzeit in die Verlängerung.

Am Donnerstag (02.07.2020) steht das Relegations-Hinspiel zuhause gegen den 1. FC Heidenheim an. Heidenheim ist Tabellendritter der 2. Liga, der Verein hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen und doch weiß man aus der Vergangenheit: Die Relegation um den letzten Platz in der Bundesliga ist oft auch ein Duell der Gegensätze.

Die Ausgangslage

Natürlich sei Werder Bremen favorisiert, sagt Heidenheims Trainer Frank Schmidt. Man kann das durchaus so sehen: Als Schmidt im September 2007 Trainer in Heidenheim wurde, spielte der Klub in der Oberliga. Und auch wenn Schmidt den FCH Schritt für Schritt nach oben geführt hat, wäre der erstmalige Aufstieg in die Bundesliga nicht weniger als eine Sensation. Und deshalb, so sieht Schmidt das, müsse seine Mannschaft eben alles tun, dass diese Zuweisung in den "beiden Spielen keine Rolle" spiele. Schmidt sagt auch: "Ich glaube an das Unglaubliche. Manchmal muss man das Unmögliche probieren, um das Mögliche zu erreichen."

Es sei fast schon ein Geschenk, dass Werder Bremen nach dieser Saison noch in die Relegation dürfe, hat der Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein kürzlich gesagt. Und tatsächlich hatte es ja bereits so ausgesehen, als müsse Werder erstmals seit 40 Jahren runter. Dann kam Köln und das nächste "Wunder von der Weser." Also sagt der Trainer Florian Kohfeldt nun: "Wir haben so viel investiert, das hat so viel Energie und Kraft gekostet, das will keiner hier mehr abgeben."

Frank Schmidt über die "Lebenschance" Relegation Sportschau 01.07.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Die Schlüsselspieler

Für viele seiner Spieler sei die Relegation gar eine "Lebenschance", sagt Schmidt und meint damit sicher auch Marc Schnatterer, 34. Vor zwölf Jahren holte der noch sehr junge Trainer Schmidt den auch noch sehr jungen Spieler Schnatterer aus der Reserve des Karlsruher SC, es war ein wirklich cleverer Transfer. Schnatterer ist der Kapitän, seine Freistöße sind gefürchtet, er ist das Gesicht dieser Mannschaft. Zuletzt allerdings hat Schnatterer manchmal auf der Bank gesessen und von dort aus mit angesehen, wie die Paraden des Torhütesr Kevin Müller und die Tore des Angreifers Tim Kleindienst (14 Saisontreffer) Heidenheim bis in die Relegation geführt haben.

In Bremen hingegen durften sie sich zuletzt doch noch bestätigt fühlen. Milot Rashica, Yuya Osako, Niclas Füllkrug - das sind Namen, die Hoffnungen wecken auf ansehnlichen Offensivfußball. In dieser Saison war davon lange wenig zu sehen, Rashica und Osako riefen ihr Potenzial sehr selten ab und Füllkrug war verletzt. Gegen Köln durften sie gemeinsam stürmen und erzielten vier der sechs Tore.

Kohfeldt: "Ein Gefühl der totalen Anspannung" Sportschau 01.07.2020 02:23 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Füllkrug, 27, hat schon in der Jugend für Werder gespielt, doch irgendwann stagnierte seine Entwicklung. Er spielte fortan stattdessen in Fürth, Nürnberg und zuletzt für Hannover. Füllkrug sei "so etwas wie unser Königstransfer", sagte der Aufsichtsratschef Marco Bode, als Bremen die Rückkehr des Angreifers im Sommer 2019 bestätigte. An die Relegation hat Füllkrug keine guten Erinnerungen, er ist dort schon mit Fürth und Nürnberg gescheitert, weswegen Bremens Trainer Kohfeldt nun sagte: "Er hat meines Wissens beide Relegationen verloren, deshalb muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich ihn überhaupt mit in den Kader nehme." In Bremen sind sie mittlerweile wieder zu Späßen aufgelegt.

Wer ist verletzt und wer ist gesperrt?

Bremens Abwehrchef Kevin Vogt wird das Hinspiel verpassen, er hatte im letzten Bundesligaspiel die fünfte Gelbe Karte gesehen. Er habe schon eine Idee, wie er Vogt ersetzen wolle, sagt Kohfeldt. Womöglich mit dem wiedergenesenen Ömer Toprak? Ansonsten ist bei Werder nach aktuellem Stand der Dinge nur der Langzeitverletzte Kevin Möhwald nicht einsatzbereit.

Heidenheims Trainer Schmidt wird weiterhin auf Maximilian Thiel (Knieoperation) und womöglich auch auf Abwehrspieler Oliver Hüsing (Knochenödem) verzichten müssen. Ansonsten kann der Zweitligist aus dem Vollen schöpfen.

Die bisherigen Duelle

Zweimal sind beide Mannschaften bislang aufeinandergetroffen, jeweils im DFB-Pokal. In der ersten Runde des DFB-Pokals in der Saison 2011/12 gewann Heidenheim, damals noch Drittligist, überraschend 2:1 (0:1) gegen favorisierte Bremer, die damals noch von Thomas Schaaf trainiert wurden und für die Spieler wie Tim Wiese, Sokratis, Tim Borowski oder Marko Marin spielten. Bei Heidenheim schon damals dabei: Spielmacher Marc Schnatterer, der den Siegtreffer erzielte, und Trainer Frank Schmidt. Zwei Heidenheimer also, die Bremen können.

Als sich beide Mannschaften im Herbst 2019 erneut begegneten, taten sie das in der zweiten Runde des Pokals. Diesmal gewannen die Bremer, die schon nach vierzig Minuten viermal getroffen hatten. Am Ende stand ein klares 4:1 - ein Ergebnis, mit dem sie in Bremen wohl sehr zufrieden wären und eines, das sie in Heidenheim gerne vermeiden möchten. "Wir wissen jetzt, wie wir es nicht machen dürfen", sagt Heidenheims Trainer Schmidt.

red/sid/dpa | Stand: 02.07.2020, 06:00

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