Der fatale Aussetzer des Nicolás González

Dennis Aogo (r.) schießt, Nicolas Gonzalez (l.) steht im Abseits

VFB Stuttgart verliert Relegation gegen Union Berlin

Der fatale Aussetzer des Nicolás González

Von Frank van der Velden

Stuttgarts Stürmer Nicolás González hat im Relegations-Rückspiel bei Union Berlin die VfB-Führung vereitelt. Seine Abseitsstellung war kurios, vermeidbar und unnötig.

Der ehemalige Bundesliga-Profi und Nationalspieler Fabian Ernst hat einmal gesagt: "Fußball findet nicht im Konjunktiv statt." Deshalb ist es auch müßig, darüber zu spekulieren, was passiert wäre, wenn der VfB Stuttgart im Relegations-Rückspiel bei Union Berlin mit 1:0 in Führung gegangen wäre. Vielleicht wären die Schwaben dann noch in der Bundesliga. Aber nur vielleicht.

Aogos Treffer zählt nicht

In der 9. Minute schlenzte Dennis Aogo den Ball aus circa 18 Metern per Freistoß ins Berliner Tor. Ein schöner Treffer und vor allem ein wichtiger. Denn nach dem 2:2 im Hinspiel steht Stuttgart unter Druck und braucht in Berlin dringend Tore und am besten einen Sieg.

Doch nach Rücksprache mit dem Videoassistenten verweigerte Schiedsrichter Christian Dingert dem Treffer die Anerkennung - wegen Abseits. Und das völlig zu Recht. VfB-Stürmer Nicolás González hatte sich zwischen Mauer und Unions Keeper Rafal Gikiewicz postiert.

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Vom passiven ins aktive Abseits

Warum er das tat, bleibt sein Geheimnis. Der Argentinier wollte Gikiewicz wohl ein wenig irritieren. Doch genau das ist verboten. Die Regeln sind da auch eindeutig. Die Abseitsstellung eines Spielers stellt zwar an sich noch kein Vergehen dar, González war ja auch gar nicht am Ball. Doch als er begann, vor dem Union-Torwart herumzuhampeln, und ihm dadurch die Sicht versperrte, griff er ins Spiel ein und beförderte sich selbst vom passiven ins aktive Abseits.

In den FIFA-Regeln heißt es konkret: "Ein Angreifer in einer Abseitsstellung versperrt dem Torhüter die Sicht. Er ist zu bestrafen, da er einen Gegner daran hindert, den Ball zu spielen oder spielen zu können."

Nicht nachvollziehbar

Auch wer die Sache weiterspinnt, versteht González nicht. Hätte Gikiewicz den Ball beispielsweise pariert und nach vorne abklatschen lassen, wäre der dem Stürmer vor die Füße gefallen. Und dann? Richtig! Abseits! Ob Freistoßschütze Aogo das im Eifer des Gefechtes alles hätte sehen und dann mit der Ausführung warten müssen, bleibt dahingestellt.

Das alles mag der "Ausnahmesituation Relegation" geschuldet sein oder auch González' Alter. Der ist gerade mal 21 Jahre jung. Im Sommer 2018 kam er von den Argentinos Juniors aus Buenos Aires zum VfB und brachte es in 30 Bundesligaspielen nur zu zwei Toren und drei Vorlagen. Vielleicht wollte er es besonders gut machen. Auf der anderen Seite lernen schon Kinder die Abseitsregel, und zwar ab der D-Jugend. Deshalb war die Abseitsstellung ebenso vermeidbar wie unnötig.

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Wut und Spott

Das Netz fand andere Worte. Von Stuttgarter Fans gab es wütende Kommentare, von Berliner Anhängern Hohn und Spott. González wurde übrigens in der Halbzeit für Mario Gomez ausgewechselt. Vielleicht hätte er seinen fatalen Fehler im zweiten Durchgang wieder gutgemacht. Aber nur vielleicht.

Stand: 28.05.2019, 08:45

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