Relegation: Werder Bremen droht finanzielles Desaster

Werder Bremens Milot Rashica im Relegations-Hinspiel gegen Heidenheim am Boden

Bundesliga-Relegation

Relegation: Werder Bremen droht finanzielles Desaster

Von Christian Michel

Kein Verein spielt inzwischen länger in der Fußballbundesliga als Werder Bremen. 56 Jahre lang sind die Grün-Weißen schon in der Belletage des deutschen Fußballs unterwegs, belegen Platz drei der Ewigen Tabelle und wurden vier Mal deutscher Meister. Im Relegations-Rückspiel gegen Heidenheim (20.30 Uhr/Sportschau.de) droht Bremen der erste Bundesliga-Abstieg seit 40 Jahren. Finanziell hätte das gravierende Folgen.

Nach der schwachen Leistung beim letztlich glücklichen 0:0 im Hinspiel war die Stimmung bei den Bremern entsprechend angespannt. Eilig hatten es die Grün-Weißen, nicht nur wegen des anhaltenden Regens, zurück in die Kabine zu kommen. Vor dem entscheidenden Rückspiel heute Abend (Anstoß: 20.30 Uhr, im Live-Ticker) zeigen sich die Bremer aber wieder zuversichtlich.

Eine Niederlage darf sich Werder zwar nicht erlauben, allerdings reicht nach dem torlosen Hinspiel bereits ein Unentschieden mit mindestens einem Tor jeweils für den Klassenerhalt. "Natürlich weiß jeder, worum es geht", sagte Trainer Florian Kohfeldt vor der Abreise nach Heidenheim. Werder Bremen sei in den letzten Wochen "immer wieder gefallen, aber dann auch wieder aufgestanden. Das ist das Wichtigste, und wir wissen, was auf dem Spiel steht, fügte Sportchef Frank Baumann hinzu.

Und auf dem Spiel steht eine ganze Menge – vor allem finanziell. Der größte Verlust ergibt sich bei einem Abstieg aus den geringeren Einnahmen aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball Liga (DFL), der in den vergangenen vier Jahren so gut gefüllt war wie noch nie. Steigt Werder ab, fehlen in der kommenden Saison nach DFL-Angaben rund 30 Millionen Euro in der Kasse der Hanseaten. Die vergangene Spielzeit spülte Werder Bremen rund 55 Millionen Euro an Fernseheinnahmen in die Kassen. Im Falle des Abstiegs könnte Werder in der kommenden Saison nur noch mit rund 25,5 Millionen Euro rechnen.  

Der Abstieg aus der Bundesliga ist aktuell besonders schmerzhaft

Der Kader der Bremer wäre bei einem Gang in die Zweitklassigkeit wohl auch nicht mehr derselbe. Die Ablösesummen für die Leihspieler, wie Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt oder Davie Selke werden nur schwer zu bezahlen sein, dazu dürften weitere Leistungsträger den Klub verlassen. Immerhin: Mitten in der Corona-Krise hat der Stadionpartner "Wohninvest" sein ligaunabhängiges Engagement im Verein erweitert.

Ein Blick auf die Entwicklung der TV-Gelder zeigt, dass ein Abstieg aus der Bundesliga aktuell aber besonders schmerzhaft wäre. Im Sommer 2016 hat die DFL die Medienrechte für die Bundesliga von der Saison 2017/18 bis zur Saison 2020/21 vergeben und für die vier Spielzeiten der ersten und zweiten Liga die Rekordsumme von 4,64 Milliarden Euro erzielt. So konnten in der abgelaufenen Saison rund 1,16 Milliarden Euro an die 36 Vereine ausgeschüttet werden. Davon rund 912 Millionen Euro an die Bundesligisten und 224 Millionen Euro an die Zweitligisten.

Sportschau-Reporterin Feller über Relegations-Rückspiel

Sportschau 06.07.2020 02:15 Min. Verfügbar bis 06.07.2021 ARD Von Anke Feller

TV-Gelder werden nach Vier-Säulen-Prinzip verteilt

Die Formel, mit der die TV-Gelder verteilt werden, ist kompliziert, aber vereinfacht gesagt gilt: Wer in der Tabelle seit Jahren oben steht, wird finanziell belohnt. Maßgeblich für die Verteilung ist seit der Saison 2017/18 das sogenannte Vier-Säulen-Prinzip. Nach wie vor bleibt das Abschneiden der Vereine in den vorangegangenen fünf Jahren das stärkste Kriterium und macht 70 Prozent bei der Ausschüttung der Fernsehgelder aus. Der Beste der Fünf-Jahres-Wertung erhält 5,8 Prozent der Erlöse dieser Wertung, der Letzte 2,9 Prozent. In der zweiten Liga ist es ähnlich.

Dann gibt es noch die Säule "Sportliche Nachhaltigkeit", die das sportliche Abschneiden der vergangenen 20 Jahre berücksichtigt und fünf Prozent aller Erlöse ausschüttet. Hinzu kommt die Säule "Nachwuchs". Hier werden zwei Prozent der Erlöse an Vereine ausgezahlt, die viele U23-Spieler in ihren Reihen haben. Wichtig sind hier die Einsatzminuten der Spieler. Die vierte und letzte Säule heißt "Wettbewerb". Die verbliebenen 23 Prozent der nationalen Erlöse werden auf Grundlage einer Fünf-Jahres-Wertung ausgeschüttet. Diese erfolgt anders als die erste Säule jedoch als Rangliste von 36 Klubs. 

Szenario, wenn Heidenheim aufsteigt und Bremen absteigt

Absteiger | Einnahmen aus dem TV-Topf 2019/20 und 2020/21
VereinSaison 2019/20Saison 2020/21
Werder Bremen55,7 Millionen Euroca. 25,5 Millionen Euro
Fortuna Düsseldorf34,9 Millionen Euroca. 23,3 Millionen Euro
SC Paderborn 0727,9 Millionen Euroca. 13,5 Millionen Euro
Aufsteiger | Einnahmen aus dem TV-Topf 2019/20 und 2020/21
VereinSaison 2019/20Saison 2020/21
Arminia Bielefeld12 Millionen Euroca. 35 Millionen Euro
VfB Stuttgart25,7 Millionen Euroca. 41,8 Millionen Euro
1. FC Heidenheim13,9 Millionen Euroca. 31 Millionen Euro

Absteiger SC Paderborn zieht positive Bilanz

Mit einem lachenden und weinenden Auge tritt der SC Paderborn den Gang in die zweite Liga an. Ein Abstieg aus der Liga ist für jeden Verein sportlich bitter. Dass es der SCP in der Bundesliga schwer haben wird, war aber nicht anders zu erwarten. Deswegen hat der Verein auch nicht alles dafür getan, um kurzfristig die Liga zu halten. Vielmehr haben die Verantwortlichen immer wieder betont, das Bundesliga-Jahr zu nutzen, um den Profistandort Paderborn nachhaltig zu sichern.

Finanziell stand ohnehin der Schuldenabbau im Vordergrund. Der SC Paderborn hat in der abgelaufenen Saison knapp 28 Millionen Euro aus dem TV-Topf eingenommen. Zwar wird dieser Anteil in der kommenden Saison auf lediglich rund 12,3 Millionen sinken, allerdings fasste Geschäftsführer Martin Hornberger gegenüber dem Westfalenblatt zusammen: "Wir werden die Saison schuldenfrei beenden“. Und das ist nach zuletzt unruhigen und vor allem finanziell angespannten Jahren in Paderborn, trotz Abstiegs, doch eine gute Nachricht.

Stand: 06.07.2020, 13:14

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