"Barriere ist gefallen" - so kommentiert das Ausland die Bundesliga

Brandt tritt eine Ecke im leeren Dortmunder Stadion

Internationale Reaktionen zur Bundesliga

"Barriere ist gefallen" - so kommentiert das Ausland die Bundesliga

Die Bundesliga ist zurück, das löste auch international zahlreiche Reaktionen aus. Es gab viele positive Stimmen und dazu das Unverständnis eines Stürmerstars über die DFL-Vorgabe zum Torjubel.

Als erste der fünf großen europäischen Ligen hatte die Bundesliga am Samstag (16.05.2020) ihren Betrieb wieder aufgenommen, und natürlich schaute auch das fußball-interessierte Ausland auf die ersten Spiele. Die Resonanz der ausländischen Kollegen war größtenteils positiv. So zollte etwa Schwedens Weltstar Zlatan Ibrahimovic der Bundesliga für ihre Rückkehr nach der Corona-Pause Respekt. "Sie kündigen es an, sie machen es. Danke", schrieb "Ibra" bei Instagram.

"Mit dem Klang der Stille"

Der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker kommentierte die Geisterspiele der Bundesliga mit einer Anspielung auf einen Hit von "Simon & Garfunkel" und schrieb vom "Sound of Silence": "Hallo Fußball, alter Freund, bin gekommen, um dich wieder zu sehen. Mit dem Klang der Stille."

Der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan zeigte sich erfreut über den Wiederanpfiff der Bundesliga. "Erstes Fazit nach 90 Minuten: wie erwartet sehr merkwürdig ohne Fans. Trotzdem macht es Spaß, endlich wieder Fußball zu sehen nach so langer Zeit", schrieb der 29-Jährige von Manchester City bei Twitter. Die Premier League pausiert derzeit und wird frühestens im Juni wieder spielen.

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Warum keine Umarmungen?

Auch Kolumbiens Stürmerstar Radamel Falcao schaute sich die Bundesliga-Spiele an und warf dabei einige Zweifel auf. "Ich sehe gerade die Rückkehr des Fußballs und frage mich: Gibt es einen fachlich fundierten Grund dafür, die Umarmungen nach Toren nicht zuzulassen?", twitterte der 34 Jahre alte Angreifer des türkischen Rekordmeisters Galatasaray Istanbul noch vor Abpfiff der ersten Spiele.

Seine Kurznachricht fand noch am Samstag vor allem in Südamerikas Medien Widerhall. Der Rekordtorschütze Kolumbiens begründete seine Verwunderung: "Während der Spiele sind wir in ständigem Körperkontakt. Bei einem Eckball hängen die Verteidiger auf dir drauf, bei einer Freistoßmauer stehen alle eng zusammen." 

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"Independent": Präzedenzfall für den Fußball

Groß war gleichfalls das internationale Medienecho. Der britische "Independent" sah einen Hoffnungsschimmer im Neustart in Deutschland: "Die Bundesliga hat gezeigt, wie es geht. Sie hat für diesen Sport einen Präzedenzfall geschaffen. Das wird helfen, das Denken zu verändern." Etwas nüchterner kommentierte der "Telegraph" das Geschehen: "Die Rückkehr der Bundesliga fühlte sich funktional, kalt und seelenlos an - aber das ist alles, was wir im Augenblick haben."

"Eine Barriere ist gefallen", titelte die französische Sportzeitung "L'Équipe". Ohne Publikum und fast ohne Leidenschaft hätte die Bundesliga ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen, "aber es scheint möglich", schrieb das Blatt, in dem sich auch der frühere Bayern-Verteidiger Bixente Lizarazu in Bezug auf Frankreichs Saisonabbruch äußerte: "Die Deutschen haben sehr schnell ein funktionsfähiges System erstellt, während wir noch immer diskutiert haben."

"Traurig, aber ein Versuch"

Im britischen "Guardian" hieß es, der Sieg von Dortmund über Schalke sei eine willkommene Rückkehr für eine Sportart, die als zutiefst seltsames Spektakel wiedergeboren wurde. Die "Daily Mail" meinte: "Besonders in einer Liga mit einer solch lebendigen Fankultur war es eine traurige Angelegenheit. Aber auch unterhaltsam, dieser erste Versuch, Fußball zu spielen in Zeiten des Coronavirus."

Auch die spanische "Marca" und der italiensche "Corriere dello Sport" räumten der deutschen Bundesliga viel Platz in ihren Print- und Online-Ausgaben ein. "Es gibt desinfizierte Bälle, Spieler mit Masken, vier statt zehn Balljungen und leere Tribünen - aber der Fußball ist mit der Bundesliga wieder da", schrieb der "Corriere dello Sport". Bei "Sport" (Spanien) hieß es: "Die Bundesliga stillt den Fußballhunger. Die Rückkehr der Bundesliga hat weltweit ein außergewöhnliches Interesse geweckt. Es ist Balsam auf die Wunden der fußballlosen Zeit. Die Bundesliga versüßt uns die Wartezeit auf die spanische Liga, die möglicherweise Mitte Juni wieder startet."

Haaland contra Virus

Historisch formulierte es die italienische "Gazzetta dello Sport " und zog einen Vergleich zur Mondlandung. "Der erste Schritt von Neil Armstrong ist noch mal etwas anderes, aber das Tor des Norwegers ist Geschichte", schrieb die "Gazzetta" zu Erling Haalands Premierentor nach der Corona-Pause: "Hätten wir für die Menschheit einen Fußballer wählen müssen, nur um diesem Bastard eines Virus ins Gesicht zu schlagen, hätten wir uns für Erling Haaland entschieden."

"De Volkskrant" aus den Niederlanden wählte diese großen Worte: "Die Tribünen sind leer, wo sonst die Gelbe Wand schwingt, singt und brüllt. Aber was wahrscheinlich das Wichtigste ist: Der Fußball ist zurück mit Vorbildland Deutschland als Kapitän."

Laschet lobt in höchsten Tönen

Warme Worte gab es aus der Politik. So lobte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Saison-Neustart in den höchsten Tönen. "Der Re-Start hat sich gelohnt! Es ist genau das vorsichtige Hineintasten in eine verantwortungsvolle Normalität, die wir alle wollen", sagte der 59-Jährige bei "BILD live". Zudem zeigte sich Laschet sehr erfreut über das Verhalten der Fans. Die befürchteten Zuschauer-Ansammlungen vor den Stadien blieben aus. "Das zeigt, dass Fans und Ultras sehr verantwortlich reagiert haben. Der heutige Tag hat gezeigt: Die Fans wissen, worauf es ankommt!", betonte Laschet. 

Bei den Ministerpräsidenten von Sachsen und Niedersachsen, Michael Kretschmer (CDU) und Stephan Weil (SPD), regen sich bereits Überlegungen, in der kommenden Saison auch wieder Besucher in die Stadien zu lassen. "Nach der Sommerpause müssen wir klären, ob Stadion auch mit weniger Abstand geht, weil die Infektionsrate so niedrig ist und es eine Kontaktnachverfolgungs-App gibt, falls doch ein Infizierter dort war", sagte Weil im Interview mit der "Bild am Sonntag".

dpa/sid/red | Stand: 17.05.2020, 17:23

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