Kevin-Prince Boateng wehrt sich gegen Kritik: "Finde ich frech"

Kevin-Prince-Boateng auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC (Quelle: picture alliance/dpa/Foto Koch | Sebastian Räppold)

Hertha BSC

Kevin-Prince Boateng wehrt sich gegen Kritik: "Finde ich frech"

Kevin-Prince Boateng fällt seit seiner Rückkehr nach Berlin eher neben als auf dem Platz auf. Bisher hat er noch keine Partie durchgespielt. Der 34-Jährige über seine Rolle bei Hertha BSC, Kritik an seiner Person und das Spiel gegen Frankfurt.

Im Sommer kündigte Hertha BSC die Rückkehr von Kevin-Prince Boateng groß an. Doch in der aktuellen Saison steht der 34-Jährige bisher nur wenig auf dem Platz. Auch die Mannschaft bleibt hinter den Erwartungen der Fans zurück. Sechs Punkte aus sieben Spieltagen reichen für den 14. Tabellenplatz.


Kevin Prince Boateng in einer Medienrunde am Dienstag über...

… die aktuelle Situation in der Mannschaft: "Wir haben viele verletzte Spieler, auch viele wichtige Spieler, die verletzt sind. Aber das gehört zum Fußball dazu. Wir arbeiten daran, noch näher zusammenzuwachsen. Wir sind in einer schwierigen Situation, aber genau dann hast du immer die Möglichkeit, daran zu wachsen. Du wächst nicht an Spielen, die du gewinnst oder Situationen, die dir leichtfallen. Du wächst an Sachen, die schwierig sind oder an Niederlagen."

...seine Rolle in der Mannschaft: “Ich weiß, die Jungs lieben mich. Die stehen hinter mir, folgen mir. Wir haben super, super viel Respekt. Da gibt es volle Rückendeckung von der Mannschaft. Ich habe es auch nochmal angesprochen. Falls jemand es nicht so sieht, kann er gerne mit mir sprechen. Ich habe volle Rückendeckung von der Mannschaft und das ist mir sehr, sehr wichtig.”

... Hertha-Spieler, die für ihn zu seinen Anfangszeiten Vorbilder waren: “Zecke Neuendorf [Anm.d.Red: Andreas Neuendorf] war immer einer, der geholfen hat. Niko Kovac hat sehr geholfen. Mit ihm habe ich auch heute noch guten Kontakt. Ich habe ihm auch viel zu verdanken. Ich bin durch ihn gewachsen. Das habe ich auch eher sechs Jahre später gelernt, was er mir immer da erzählen wollte. Ich hatte das Glück, dass es mehrere ältere Spieler waren, die viel Erfahrung hatten. Das ist heutzutage in vielen Mannschaften nicht mehr so. Es wird ja immer jünger. Es werden immer jüngere Spieler Profis. Deswegen ist meine Position hier umso wichtiger.”

…die Äußerung von Lothar Matthäus in der Sendung “Sky90”, dass Boatengs Zeit vorbei sei [sport.sky.de]: "Ich wurde in meiner Karriere mehr kritisiert als gelobt. Ich bin das gewohnt. Das prallt an mir ab. Dann gibt es Sachen, die unter die Gürtellinie gehen. So eine Aussage [wie die von Matthäus] würde ich als Experte niemals treffen, egal wie alt ein Spieler ist. Egal, ob ein Spieler in dem Moment seine Leistungen nicht bringt. Nach sieben Spieltagen zu sagen, die Karriere oder Zeit eines Spielers ist vorbei, finde ich frech. Aber vielleicht hat er Lust auf eine Schlagzeile gehabt. Die hat er bekommen. Dazu ist alles gesagt."

"Man rechnet immer am Ende ab. Wenn ich am Ende nicht bereit bin, in der Bundesliga zu spielen, dann kann ich mir das auch selber eingestehen. Das ist eine schlechte Situation für alle. Ich spiele vielleicht nicht besonders gut. Ich gucke auch jeden Tag in den Spiegel und frage mich, was ich besser machen kann. Aber ich lasse mir da nicht reinreden.”

… die Wahrscheinlichkeit, dass er volle 90 Minuten spielt: “Man muss eins verstehen: ich bin hier nicht hergekommen als 25-jähriger Prince Boateng, der jedes Spiel alleine gewinnt und ein Tor und einen Assist macht. Das wusste ich vorher, das wusste der Verein vorher. Das war ganz klar abgestimmt. Vielleicht spiele ich diese Saison kein Spiel 90 Minuten. Vielleicht spiele ich die nächsten zehn Spiele 90 Minuten. Das weiß man nicht."

"Ich bin 34 Jahre alt, jeder kennt mich, weiß was ich durchgemacht habe. Ich bin nicht hergekommen, um Messi oder Ronaldo zu sein. Ich probiere alles, gebe Vollgas und gehe an meine Grenzen - körperlich und mental. Ich bin 24 Stunden dran. Ich schlafe manchmal nicht, wenn wir ehrlich sind, weil ich wirklich daran arbeite, was man besser machen kann. Wie kann Hertha das werden, was der Verein verdient? Wenn wir die ersten zehn Spiele gewonnen hätten, hätte niemand über meinen körperlichen Zustand geredet.”

… Herthas nächstes Auswärtsspiel in Frankfurt, wo er von 2017 bis 2018 unter Vertrag stand: "Ich freue mich drauf. Ich hoffe, ich werde gut empfangen. Es ist ein Spiel, was wir gewinnen müssen, was wir gewinnen wollen. Wir können uns vor dem Spiel, nach dem Spiel umarmen, aber im Spiel wird es keine Freunde geben."

"Ich habe in Frankfurt gelebt. Ich weiß, was die Mannschaft bringt. Sie hat überragende Fans im Rücken. Man muss sich darauf einstellen, dass es Kontakt geben wird, dass es wehtun wird, dass die Mannschaft Gas geben wird. Und dann wird die Mannschaft gewinnen, die mehr dagegenhält. Ich glaube, das ist das Wichtigste. Es wird kein fußballerischer Leckerbissen. Es wird mehr um Kampf gehen und darum, die zweiten Bälle zu gewinnen. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass jetzt eine starke Mannschaft kommt, die jetzt auch Rückenwind hat. Die haben in München gewonnen. Es wird ein Kampfspiel, ein intensives Spiel."

… seinen Kiez: "“Ich komme nicht viel rum. Ich bin viel zuhause. Und man will ja auch nicht so viel vor die Tür gehen, wenn man am Wochenende nicht gewinnt. Da bleibt man ein bisschen lieber zuhause. Es ist natürlich schöner, um die Ecken zu ziehen und seine Freunde zu sehen, wenn man am Samstag drei Punkte geholt hat. Wenn wir gegen Frankfurt gewinnen und zurückkommen, kann man das Wochenende auch genießen.”

rbb | Stand: 12.10.2021, 18:57

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