Trotz Plea - Gladbachs Raffael hat keine Sorgen

Mönchengladbachs Raffael feiert sein Tor

Gladbach-Star Raffael im Interview mit sportschau.de

Trotz Plea - Gladbachs Raffael hat keine Sorgen

Von Christian Hornung

Borussia Mönchengladbach hat soviel Geld wie noch nie für Alassane Plea ausgegeben - auf dessen Position spielt bislang Raffael. sportschau.de fragte den Brasilianer nach der neuen Konkurrenz und seiner Zukunft am Niederrhein.

sportschau.de: Raffael, Sie sind seit fünf Jahren in Gladbach und bei den Zuschauern extrem beliebt. War es ein Schock für Sie, dass ihr Verein mit Alassane Plea den teuersten Transfer der Vereinshistorie ausgerechnet für Ihren Platz in der Sturmzentrale verpflichtet hat?

Raffael: "Das sehe ich nicht so. Ist doch super, wenn noch einer mehr da ist, der sehr viele Tore schießen kann! Mein Freund Dante hat mit Plea zusammen in Nizza gespielt und mir gleich eine SMS geschrieben, dass da ein Klasse-Spieler und ein guter Typ kommt, auf den wir uns hier freuen können."

Auch wenn es Sie Ihren Stammplatz kostet?

Raffael: "Wenn ich gesund bleibe, mache ich mir keine Sorgen."

Trainer Dieter Hecking lässt gerade verschiedene Systeme spielen, wo sehen Sie Ihre Rolle?

Raffael: "Das ist mir eigentlich egal. Hauptsache vorne. Und in der Mitte!“

Ist auch ein System denkbar, in dem Plea gemeinsam mit Ihnen spielt?

Raffael: "Na klar! Und wenn Lars Stindl wieder fit ist, können wir im Sturm auch ein gutes Dreieck sein."

Gladbach hat in der vergangenen Saison Europa verpasst. Steigt deshalb auch für Sie persönlich der Druck zu zeigen, dass Sie es noch richtig drauf haben?

Raffael: "Nein, ich will einfach nur mein Bestes für Borussia geben und wieder richtig Freude am Fußball haben. Druck ist da nicht gut."

Plea hat 23,5 Mio Euro gekostet, Ihr Landsmann Neymar vor einem Jahr bei seinem Transfer von Barcelona nach Paris 222 Mio. Kommen Sie bei solchen Summen noch mit?

Raffael: "Gute Spieler sind nun mal teuer, auch wenn das unheimlich viel Geld ist. Ich verstehe es eher nicht, wenn nicht so gute Spieler auch so viel kosten."

Wie hat Ihnen Brasilien bei der Weltmeisterschaft in Russland gefallen?

Raffael: "Anfangs gut, sie haben sehr gut gespielt und wie eine echte Mannschaft gewirkt. Ich dachte wirklich, sie können ins Endspiel kommen. Dann war aber leider früher Schluss, mit einer Niederlage im Viertelfinale gegen Belgien habe ich nicht gerechnet."

Über Neymar haben sich viele aufgeregt. Haben Sie sich auch ein bisschen fremdgeschämt, als er bei den kleinsten Fouls drei, vier Rollen extra gemacht hat?

Raffael: "Das muss ein Neymar einfach nicht machen, das war nicht nötig. Das war sicher zu viel Theater."

Warum hat es für Sie nie für die "Selecao" gereicht? Wäre es bei Vereinen wie Bayern oder Borussia Dortmund einfacher gewesen, weil Sie dann in Ihrer Heimat mehr im Fokus gestanden hätten?

Raffael: "Nein, wir hatten jetzt in Russland auch Spieler aus China oder der Ukraine dabei. Es lag wohl nur an mir. Vor drei, vier Jahren habe ich schon gehofft, mal nominiert zu werden. Aber das ist jetzt vorbei."

Sie wirken allerdings mit 33 spritzig wie nie in einer Saisonvorbereitung - was ist passiert?

Raffael: "Stimmt, ich fühle mich trotz der Hitze und des harten Trainings super."

Verraten Sie uns Ihr Fitness-Geheimnis?

Raffael Caetano de Araujo

Extraschichten in der brasilianischen Heimat: Raffael kämpft um seinen Platz.

Raffael: "Okay. Ich habe nicht nur das Programm absolviert, dass uns vom Verein mitgegeben wurde. Sondern dazu noch viele zusätzliche Läufe am Strand in Brasilien absolviert, mit einem Fitnesstrainer oder auch oft zusammen mit meinem Bruder Ronny."

Weil Sie gemerkt haben, dass Sie mit 33 mehr tun müssen als früher?

Raffael: "Ach, das geht schon. Richtig ist, dass ich mehr auf Regeneration und Pflege achten muss als früher. Mehr schlafen, mehr Massage, solche Sachen. Ich will nicht mehr so eine Saison erleben wie die letzte mit vielen kleinen Verletzungen, ohne Rhythmus und dadurch am Ende dann auch ohne Spaß."

Mehr schlafen - geht das als Vierfach-Vater jetzt auch mit zwei kleinen Zwillings-Mädchen?

Raffael: "Ja, die Kids schlafen perfekt durch, alles gut. Es ist wirklich wunderschön. Ich liebe es, Papa zu sein, und ich helfe auch viel mit."

Wie viele Jahre Profifußball stecken noch in Ihnen? Ihr Landsmann Zé Roberto hat erst mit 42 aufgehört ...

Raffael: "Gutes Vorbild! Warum nicht? Ich will noch viele Jahre spielen."

Rente in Mönchengladbach oder nochmal ein neues Abenteuer wie China, Dubai, USA?

Raffael: "Wer weiß, was passiert - vielleicht bleibe ich noch sehr lange hier! China kann ich mir nicht vorstellen, anderes Klima, ganz andere Kultur. Dubai oder USA vielleicht. Schön wäre es auch, irgendwann noch einmal in meiner Heimat Brasilien zusammen mit meinem Bruder Ronny auf dem Platz zu stehen."

Stand: 07.08.2018, 08:47

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