Klubs wollen TV-Gelder neu verteilen - DFL-Präsidiumsmitglied äußert sich

TV-Kamera in München

Positionspapier

Klubs wollen TV-Gelder neu verteilen - DFL-Präsidiumsmitglied äußert sich

Mehrere Erst- und Zweitligisten arbeiten an einem Positionspapier zur Neuverteilung der TV-Gelder. Diese sollen weniger vom Erfolg abhängen. DFL-Präsidiumsmitglied Rüdiger Fritsch reagiert nun auf den Vorstoß.

Mehrere Vereine aus der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga wollen sich zusammentun und noch einmal für eine Umverteilung der Fernseheinnahmen werben. Mit einem Positionspapier wollen sie sich an das Präsidium der Deutschen Fußball Liga wenden.

Einer der Klubs, der das Positionspapier mit initiiert hat, gab gegenüber der Sportschau an, dass bis zu acht Vereine die Vorschläge darin unterstützen wollen. Man hoffe aber noch auf weitere Unterzeichner. Bislang sollen es vor allem Abstiegskandidaten der ersten Liga und Zweitligisten sein, die mitmachen wollen. Am Mittwochnachmittag (21.10.2020) schrieb der Kicker von 14 Klubs, die das Papier bereits unterzeichnet haben sollen.

Präsidiumsmitglied Fritsch: Ansätze seit Monaten bekannt

Rüdiger Fritsch, Präsident des SV Darmstadt 98 und DFL-Präsidiumsmitglied, äußerte sich zum Thema gegenüber der Sportschau schriftlich. Die im "Positionspapier formulierten Verteilungsansätze der unterzeichneten Vereine" seien durch "die in den letzten Monaten stattgefundenen Besprechungen der Klubs untereinander im Grundsatz bereits bekannt" gewesen. Das DFL-Präsidium befinde sich in einem "laufenden Entscheidungsprozess", den er bisher als "sachlich und professionell" wahrnehme.

Neben einem Vertreter aus Darmstadt sowie drei DFL-Präsidiumsmitgliedern gehören Verantwortliche des FC Bayern München, SC Freiburg, 1. FC Köln, Holstein Kiel und FC St. Pauli dem DFL-Präsidium an. Eine spannende Zusammensetzung, da neben dem FC Bayern kein weiteres aktuelles Top-Team vertreten ist und kleinere Vereine bei der derzeitigen Zusammensetzung des Präsidiums eine wichtige Rolle spielen. Kritiker der aktuellen TV-Gelder-Verteilung erhoffen sich deshalb realistische Aussichten auf Veränderungen des aktuellen Verfahrens.

Mainz unterstützt das Papier - aber wer noch?

Jan Lehmann, Kaufmännischer Vorstand des 1. FSV Mainz 05, sprach gegenüber den Zeitungen der "VRM" aus dem Rhein-Main-Gebiet von zehn Klubs, die das Papier unterzeichnen würden. Mehrere weitere Vereine hätten zudem "signalisiert, dass sie die Veränderungen in weiten Teilen ebenfalls befürworten. Wir haben also durchaus ein mehrheitsfähiges Papier."

Lehmann selbst bestätigte, dass der 1. FSV Mainz 05 den Vorstoß unterstütze. Laut "Bild am Sonntag" soll es sich bei den weiteren Unterstützern unter anderem um Arminia Bielefeld, den VfB Stuttgart und Jahn Regensburg handeln.

Positionspapier: Gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder

Sportschau 20.10.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 20.10.2021 ARD Von Mareike Zeck


50 Prozent unabhängig vom Erfolg verteilen

Der wichtigste Punkt: Die Vereine halten es für sinnvoll, die TV-Gelder in Zukunft gleichmäßiger zu verteilen und Erfolg oder Misserfolg der Profiklubs weniger stark zu berücksichtigen. Sie schlagen vor, in Zukunft nur noch die Hälfte der TV-Einnahmen nach erfolgsorientierten Kriterien zu verteilen - aktuell werden mittels eines Rechenmodells rund 98 Prozent der TV-Gelder direkt oder indirekt über den sportlichen Erfolg verteilt. Die andere Hälfte solle gleichmäßig auf die Vereine verteilt werden.

Die Idee dahinter: Die Spirale aus Geld und Erfolg, die die Etats der Profiklubs im deutschen Fußball hat auseinanderdriften lassen, soll sich weniger schnell weiterdrehen. Und vor allem die erste Liga soll dadurch wieder spannender werden.

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Mehr Geld für Zweitligisten?

Ob in dem Positionspapier, das die vorgepreschten Vereine erarbeitet haben, am Ende auch stehen wird, dass mehr Geld von der ersten Liga in die zweite Liga umverteilt werden soll, ist noch nicht klar. Ein Entwurf beinhaltet aber bislang, dass die Zweitligisten auch an der internationalen Vermarktung der ersten Liga stärker beteiligt werden sollen. Aus diesem Topf könnten sie dann statt bisher acht Millionen bis zu 50 Millionen Euro bekommen.

Allofs: "Müssen über TV-Gelder reden"

Klaus Allofs, Vorstand beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, hat sich ebenfalls für eine Neuverteilung unter Klubs der ersten und zweiten Liga ausgesprochen: "Wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen, um den Konkurrenzkampf wieder zu fördern. Es wird immer bessere und schlechtere Mannschaften geben. Aber sie müssen näher zusammenrücken", forderte Allofs in einem Interview der "Sport Bild".

Er ergänzte: "Die Gesamtentwicklung des deutschen Fußballs müssen auch Bayern München und Borussia Dortmund im Blick haben. Wir brauchen eine Neuordnung. Ich bin sehr gespannt, welche Ideen und Lösungsansätze sich aus der Task Force heraus entwickeln. Wir müssen über die Verteilung der TV-Gelder reden."

Das DFL-Präsidium tagt am Donnerstag (22.10.2020) das nächste Mal und will bis Dezember entscheiden, wie die Fernsehgelder ab der kommenden Saison an die Mitgliedsvereine verteilt werden. Die Idee, einen größeren Teil der Gelder nicht mehr abhängig vom sportlichen Abschneiden der Vereine zu vergeben, steht dabei schon länger zur Debatte.

Neue Bescheidenheit im Fußball? Wohl eher nicht sport inside 01.07.2020 09:31 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 WDR

Stand: 21.10.2020, 19:01

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