Schalkes Ozan Kabak - Leistungsträger mit großer Zukunft

Schalkes Ozan Kabak am Ball

Türkischer Nationalspieler

Schalkes Ozan Kabak - Leistungsträger mit großer Zukunft

Von Joris Wittkugel

Ozan Kabak kann mit 19 Jahren bereits auf eineinhalb bewegte Profijahre zurückblicken. Beim FC Schalke 04 ist er auf Anhieb zum Leistungsträger geworden - und hat große Ziele für die Zukunft.

Als "sicher eines der größten Abwehrtalente in Europa" beschrieb Trainer David Wagner Neuzugang Ozan Kabak gleich beim ersten Training der Schalker Sommervorbereitung im Juli und betonte, dass er sich persönlich für eine Verpflichtung stark gemacht hatte.

15 Millionen Euro zahlte Schalke, um seine Ausstiegsklausel in Stuttgart zu aktivieren – nie investierten die "Königsblauen" mehr für einen Abwehrspieler und machten ihn damit nebenbei zu einem neuen Transferrekordhalter. Denn: Der VfB zahlte sechs Monate zuvor elf Millionen an Galatasaray Istanbul für Kabak. Weltweit ist er damit der einzige Spieler, für den vor seinem zwanzigsten Geburtstag zwei verschiedene Vereine mehr als zehn Millionen Euro an Ablöse bezahlt haben.

Champions League als 18-Jähriger

Doch schon vor seinem Wechsel nach Deutschland sorgte der 19-Jährige für Aufsehen. In der Türkei gilt er schon lange als großes Talent, spielte schon als Kind bei Traditionsklub Galatasaray Istanbul und war ab der U15 Stammspieler in den Jugendnationalmannschaften seines Landes. Trainerlegende Fatih Terim machte ihn Anfang der vergangenen Saison zum Stammspieler bei "Gala", vertraute ihm in Liga und Champions League – da war der Rechtsfuß gerade 18 Jahre alt.

Doch schon nach einem halben Jahr zog es Kabak weg aus Istanbul. "Das Tempo" so äußerte er sich vor kurzem "ist in der türkischen Liga viel niedriger als in der Bundesliga." Der im Abstiegskampf steckende VfB Stuttgart überzeugte das Talent von einem Winterwechsel. Ein ungewöhnlicher Transfer, doch der immer noch erst 18-Jährige bewies schnell, dass er nicht nur eine Investition für die Zukunft sondern auch eine Soforthilfe im Abstiegskampf sein kann.

Abstieg mit dem VfB

Trotz schwankender Leistungen gehörte er zu den Lichtblicken in einer schwachen Stuttgarter Rückrunde, und verpasste bis zum letzten Ligaspiel gegen Schalke, in dem er geschont wurde, keine Minute. Doch in der entscheidenden Relegation gegen Union Berlin war auch ihm die Verunsicherung anzumerken. Einem 2:2 im Hinspiel folgte ein 0:0 in Berlin - und der Stuttgarter Abstieg war besiegelt.

Kabak, das war schnell klar, würde den Gang in Liga zwei nicht mit antreten. Er galt als Schnäppchen – in seinem Vertrag war für den eingetretenen Abstiegsfall eine 15-Millionen-Ausstiegsklausel verankert. Schalkes technischer Direktor Michael Reschke, bis Mai noch Sportvorstand in Stuttgart, wusste von der Klausel, und Kabak ging trotz namhafteren Interessenten ins Ruhrgebiet.

Leistungsträger auf Schalke

"Wir haben mit Bayern gesprochen, also mein Berater und ich. Ich bin ein junger Spieler. Für meine Entwicklung ist es wichtig, viel zu spielen. Darum habe ich mich nach sehr guten Gesprächen für Schalke entschieden", begründete er seinen Wechsel nach Gelsenkirchen kürzlich gegenüber der "Sport Bild".

Ein Plan der aufzugehen scheint: Nach einer Fußverletzung in der Vorbereitung zunächst nur Ergänzungsspieler nutzte er Mitte der Hinrunde die Ausfälle von Benjamin Stambouli und Salif Sané, um auf sich aufmerksam zu machen. Trainer Wagner lobte: "Wie er das macht ist absolut bemerkenswert." Die Startschwierigkeiten hätten sogar geholfen, da er sich zunächst "an den Verein, das Training, an uns gewöhnen" konnte. Im Spiel gegen Mainz 05 vergangene Woche fehlte er aufgrund einer Oberschenkelzerrung in der Startelf - erstmals seit Anfang November.

Auch dem türkischen Nationaltrainer Senol Günes blieb die positive Entwicklung auf Vereinsebene nicht verborgen: Mitte November stand Kabak erstmals für sein Heimatland auf dem Feld – er ist mit 19 Jahren und sieben Monaten der jüngste Innenverteidiger der türkischen Nationalmannschaftsgeschichte.

Die Premier League als Ziel

Kabak gehört mittlerweile zu den auffälligsten jungen Innenverteidigern Europas und scheint endgültig in der Bundesliga angekommen. Trotzdem, das betonte er schon mehrfach, ist die Premier League "die größte und beste Liga der Welt" und damit das erklärte Ziel. "Ich möchte noch einige Jahre in Deutschland bleiben, aber ich hoffe dann, den Sprung nach England zu schaffen", erklärt er und hat wohl auch auf Schalke vorgesorgt: Ab 2021 soll er dem Vernehmen nach für eine festgeschriebene Ablösesumme von circa 50 Millionen Euro wechseln dürfen.

Schalkes Trainer Wagner: "Ist das eine Ergebnisdelle?" Sportschau 14.02.2020 01:07 Min. Verfügbar bis 14.02.2021 Das Erste

Er könnte nach Caglar Söyüncü der nächste türkische Innenverteidiger werden, der den Sprung aus der Bundesliga in die Premier League wagt. Der ehemalige Freiburger wechselte 2018 zu Leicester City und ist seit dieser Saison unumstrittener Stammspieler beim englischen Meister von 2016.

Ein Beispiel nimmt sich der Schalker aber vor allem an Liverpools Star Virgil van Dijk: "Ich mag es wie er spielt und kann sagen, dass er mein fußballerisches Vorbild ist." Der Plan ist damit klar: Das große Abwehrtalent Ozan Kabak will schon bald zu den besten Innenverteidigern Europas gehören.

Stand: 21.02.2020, 08:30

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