Offene Fragen bei ter Stegen und Neuer

Torhüter Manuel Neuer (l.) und Torwart Marc-Andre ter Stegen (r.) auf dem Platz.

Beide Nationaltorhüter planen die Zukunft

Offene Fragen bei ter Stegen und Neuer

Von Christian Hornung

Sie duellieren sich um die Nummer 1 im Nationalteam, doch aktuell scheinen Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen beinahe Seite an Seite zu kämpfen - um ihre Zukunft als Vereinskeeper. Bei beiden gab es Gerüchte um hohe Gehaltsforderungen, beide dementieren das.

Neuer ist 34 und spricht gerade mit Bayern München über seinen vermutlich letzten großen Vertrag. Sein aktuelles Arbeitspapier reicht bis zum Sommer 2021, im Moment stocken die Gespräche. Auch zwischen ter Stegen und dem FC Barcelona herrscht aktuell Funkstille, was die mittelfristige Zukunftsplanung angeht.

"Es gab ein, zwei Gespräche"

Der 28-Jährige hat zwar noch ein Jahr länger einen Vertrag als Neuer, aber in einem Interview auf der Homepage seines Ex-Klubs Gladbach bestätigte er, dass es bereits "ein, zwei Gespräche" gegeben habe. Jedoch ohne Ergebnis. In den spanischen Zeitungen wurde daraufhin sofort berichtet, ter Stegen und sein Berater seien mit zu hohen Forderungen in die Verhandlung gegangen. Das ärgert den Champions-League-Sieger von 2015 und viermaligen spanischen Meister: "Ich habe mich nicht verzockt. Es gibt aber im Moment viel wichtigere Dinge als meinen Vertrag beim FC Barcelona."

Ter Stegen stellt klar: "Die Frage, wie wir aus Corona wieder rauskommen, wie es Leuten, denen es nicht so gut geht, wieder besser gehen kann, das ist jetzt wichtig. Für mich gibt es das Thema Vertrag jetzt nicht, wir haben zusammen entschieden, dass wir die Situation runterfahren." Was immerhin impliziert, dass sie auch schonmal hochgefahren war.

Irritationen bei Neuer

So wie bei Neuer. Auch beim Weltmeister wurde über horrende Summen berichtet, die er angeblich in den Gesprächen mit den Bayern-Oberen Oliver Kahn, Hasan Salihamdzic und Herbert Hainer aufgerufen hätte. Von einem Jahresgehalt von bis zu 20 Millionen Euro war die Rede, dazu hätte Neuer seine Unterschrift an eine Vertragslaufzeit von noch einmal fünf Jahren geknüpft. Dagegen wehrte sich Neuer öffentlich. Er gab aber in einem "Bild"-Interview auch ganz offen zu, dass er äußert irritiert darüber gewesen sei, "dass interne Inhalte aus unseren Gesprächen an die Öffentlichkeit" gekommen seien. Der Kreis der Verdächtigen ist klein.

Da in diesem Geschäft wenig unmöglich ist, kann es durchaus sein, dass hinter diesen gezielt gestreuten und genüsslich verbreiteten Informationen Absicht steckte. Nur welche? Will Bayern Neuer loswerden? Schwer vorstellbar, zumal sein bereits verpflichteter potenzieller Nachfolger Alexander Nübel wegen zu vieler Patzer nicht mal seinen Stammplatz bei Schalke 04 halten konnte. Will Bayern den mächtigen Kapitän Neuer ein wenig einbremsen? Schon wahrscheinlicher. Das kann sein zweistelliges Millionengehalt betreffen, seine gewünschte neue Vertragslaufzeit, vielleicht sogar sein Standing im Verein.

Kahns Lob für Alisson

Dass Oliver Kahn nicht der größte Förderer eines neuen Mega-Vertrags für Neuer ist, lässt sich aus vielen seiner Interviews heraushören. So bezeichnete Kahn beispielsweise Liverpools Alisson Becker als den besseren Torwart und nannte ungefragt die beiden Fußbrüche und auch das frühe WM-Aus als Gründe dafür, dass Neuer nicht mehr in seiner besten Form sei. Dazu lobte er auch schon mehrfach Nübels Qualitäten und Perspektiven.

Denkbarer Ausweg: Neuer wird nochmal einen Zweijahres-Vertrag bekommen, vielleicht mit einer an Einsätzen gekoppelten Option auf ein drittes. Bayerns Chefdiplomat Hainer, der Nachfolger von Uli Hoeneß als Präsident, schaltete sich nun via "Kicker" schonmal schlichtend in die Debatte ein: "Sollte Manuel das Gefühl gehabt haben, dann kann ich nur betonen, dass aus der Klubführung keiner beabsichtigt hat, ihn zu beschädigen."

"Keine Gier erlebt"

Hainer beront weiter, er habe bei Neuer auch "keine Gier erlebt". Pure Bescheidenheit aber offenbar auch nicht. Denn Hainer sagt über Neuer auch noch: "Ich glaube nicht, dass es vermessen ist, wenn jemand seine Vorstellung vorträgt." Da aber noch immer kein neuer Vertrag unterschrieben ist, darf man mutmaßen, dass diese Vorstellungen nicht deckungsgleich mit denen des FC Bayern waren.

Stand: 04.05.2020, 05:00

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