Zwei Neue, ein Alter: Was ändert sich im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga?

Mainz-Trainer Achim Beierlorzer, Markus Gisdol vom 1. FC Köln und Paderborns Steffen Baumgart

Trainerwechsel in der Bundesliga

Zwei Neue, ein Alter: Was ändert sich im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga?

Von Niklas Schenk

Zwei neue Trainer, ein alter: Die Kellerkinder der Bundesliga wählen unterschiedliche Strategien. Mainz holte den Ex-Kölner Trainer Achim Beierlorzer, der FC wiederum wird nun von Markus Gisdol trainiert. Schusslicht Paderborn hält hingegen an Steffen Baumgart fest. Was ändert sich nun im Tabellenkeller?

Platz 16: 1. FSV Mainz 05, 9 Punkte

Die Ausgangslage: Mainz steht mit neun Punkten auf Rang 16. Die Rheinhessen haben mit 30 Gegentoren die meisten der Liga kassiert. Erstmals in der Vereinsgeschichte verloren die Mainzer in den ersten elf Saisonspielen acht Mal. Die Chancenverwertung von 22,6 Prozent wird nur noch von Köln und Paderborn unterboten. Topstürmer Mateta fehlt im Angriff an allen Ecken und Enden. Neuzugänge wie Fernandes haben sich noch nicht bewährt. Zudem ist Kapitän Latza nicht gesetzt.

Der neue Trainer: Nur eine Woche nach seinem Aus in Köln schon wieder einen neuen Job zu finden, hatte wohl auch Achim Beierlorzer selbst nicht erwartet. Der Urlaub musste wieder storniert werden. Den 1. FC Köln hatte Beierlorzer erst vor der Saison übernommen, musste nach dem vergangenen Spieltag aber seinen Platz räumen. Nach seiner aktiven Karriere wurde Beierlorzer Jugendtrainer in Fürth. Dort lernte er den heutigen Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder kennen, der damals Fürther Sportdirektor war.

Mainz Keeper Robin Zentner spricht mit St. Juste

Mainz Keeper Robin Zentner spricht mit St. Juste

Schröder attestiert Beierlorzer eine "natürliche Autorität. Bei sachlicher und inhaltlicher Betrachtung ist Achim Beierlorzer ein typischer Trainer für Mainz 05. Er ist ein akribischer und reflektierter Fußballfachmann, der eine enorme persönliche Entwicklung genommen hat", so Schröder. "Die Erfahrung, die er beim 1. FC Köln gemacht hat, mindert meine fachliche Einschätzung nicht." Beierlorzer ist der erste Trainer in Mainz seit Kasper Hjulmand, der nicht aus dem eigenen Nachwuchsbereich als Cheftrainer aufsteigt. Auch Beierlorzers Vorgänger Sandro Schwarz war zuvor U23-Trainer.

Die Spielidee: Nach seiner Zeit als Jugendtrainer in Fürth wechselte Beierlorzer 2014 zu RB Leipzig. Dort war er zunächst Jugendtrainer, betreute für einige Monate die erste Mannschaft (damals noch in der 2. Bundesliga) als Interimstrainer. Später wurde er Co-Trainer von Ralf Rangnick. 2017 ging Beierlorzer dann als Trainer zu Jahn Regensburg. Vor allem seine Zeit in Leipzig prägte Beierlorzers Spielstil. Er lässt hoch anlaufen und aggressiv pressen, möchte mutig spielen lassen. Im zweiten Saisonspiel der Kölner klappte das etwa gegen Borussia Dortmund vor allem in der ersten Hälfte sehr gut.

Beierlorzer gilt zudem als guter Motivator und Teamplayer. Jedoch schaffte er es in Köln nicht, eine offensive Spielidee zu verankern. Zudem fielen die Kölner oft am Ende eines Spiels auseinander, kassierten viele Gegentore. "Ich weiß, welche Stärken ich habe. Ich weiß, was ich kann. Es geht nicht um die letzten vier Monate", gibt sich der Trainer selbstbewusst. "Und es geht darum: Was habe ich bisher gemacht und wofür stehe ich eigentlich? Und das passt sehr gut zu Mainz." 

Platz 17: 1. FC Köln, 7 Punkte

Simon Terodde (r.) und Anthony Modeste

Simon Terodde (r.) und Anthony Modeste

Die Ausgangslage: Mit nur zehn Toren in elf Spielen stellen die Kölner den schlechtesten Angriff der Liga. Jedoch hatten sie unter anderem mit Wolfsburg, Dortmund, Gladbach und Bayern München ein hartes Auftaktprogramm. Am Samstagabend (23.11.2019/18.30 Uhr) muss der FC in Leipzig ran. Vor allem die Spiele danach gegen Augsburg und Union Berlin sind für die Kölner wichtig. Ein Problem in der Domstadt: Immer wieder dringen Interna aus der Mannschaft oder dem Vorstand nach außen.

Der neue Trainer: Markus Gisdol wurde im August 50 Jahre alt. Nachdem er 2011 Co-Trainer auf Schalke wurde, betreute er von 2013 bis 2015 erst Hoffenheim als Cheftrainer und von 2016 bis 2018 den Hamburger SV. Beide Vereine rettete Gisdol vor dem Abstieg. In Köln hat er nun einen schweren Start. In den sozialen Netzwerken sind viele Fans skeptisch. Zudem wurde bekannt, dass der FC nach Beierlorzers Entlassung zunächst Bruno Labbadia kontaktiert hatte. Daraufhin soll der ehemalige Hertha-Trainer Pal Dardai in den Fokus gerückt sein, was der Verein - anders als bei Labbadia - allerdings nie bestätigte.

"Selbst arbeitslose Trainer wie Labbadia und Dardai wollen sich den FC nicht antun", bilanzierte der "Kicker". Gisdol haftet damit von Beginn an der Makel an, nicht die Wunschlösung gewesen zu sein. FC-Präsident Werner Wolf gibt sich nicht mal die Mühe, dieses Bild zu relativieren: "Man kann über Träume reden. Aber verfügbar sind dann A, B, C oder D - aber eben nicht alle", sagte er. "Er war von Anfang an Kandidat", meinte immerhin der mit der Trainersuche betraute Interims-Sportchef Frank Aehlig. Gisdol sagte bei seiner Vorstellung dazu: "Man nimmt das wahr. Aber ich persönlich weiß, warum ich hier bin, ich weiß, welche Aufgabe mich erwartet, und ich weiß, was ich leisten kann."

Mit Horst Heldt erhält Gisdol einen alten Bekannten als Manager an seine Seite. Zusammen hatten beide bereits bei Schalke 04 gearbeitet: Gisdol als Co-Trainer unter Ralf Rangnick und Huub Stevens, Heldt als Manager. Heldt hatte einst beim FC seine Profikarriere begonnen. "Der FC ist für mich nicht irgendein Job. Ich kehre zu dem Verein zurück, bei dem ich Profi wurde und mit dem mich nach zehn gemeinsamen Jahren sehr viel verbindet", sagte Heldt. Auch Heldt bekam von FC-Präsident Wolf nicht nur schmeichelhafte Worte mit auf den Weg: "Man findet in jedem Lebenslauf Dinge, die nicht so gut gelaufen sind. Wir sind aber der Überzeugung, die meisten Dinge, die er gemacht hat, sind sehr gut gelaufen", sagte Wolf über Heldt, gegen den es im Kölner Vorstand zunächst Vorbehalte gegeben haben soll.

Gisdol und Heldt auf Rettungsmission in Köln Sportschau 19.11.2019 01:59 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 Das Erste

Die Spielidee: Gisdol rettete 2013 erst Hoffenheim und vier Jahre später den HSV vor dem Abstieg. Er kann also Mannschaften stabilisieren, verfolgt aber trotzdem einen offensiven Spielansatz. Gisdol lässt aggressiv pressen - ähnlich wie sein Vorgänger Beierlorzer. Problematisch für Gisdol und den FC: In seiner Zeit in Hoffenheim überwarf sich Gisdol mit Stürmer Anthony Modeste, mit dem es nun ein Wiedersehen in Köln gibt. Gisdol selbst bezeichnet die aktuelle Situation in Köln als "nicht leicht, aber ich kenne Herausforderungen dieser Art sehr gut und bin total überzeugt, dass wir auch diese meistern können". Ein schwieriges Umfeld ist Gisdol aus seiner Zeit beim HSV in der Tat gewohnt.

Platz 18: SC Paderborn, 4 Punkte

Spielszene Paderborn gegen Schalke

Die Ausgangslage: nur vier Punkte, neun Niederagen in elf Spielen. Das sind erschreckende Statistiken. Zum Vergleich: Auch Tasmania Berlin hatte in seiner historisch schlechten Saison 1965/66 zum selben Zeitpunkt neun Niederlagen kassiert. Elf Tore haben die Paderborner bisher geschossen, also im Schnitt eins pro Spiel. 26 Gegentore werden nur von Mainz (30) überboten.

Der alte und neue Trainer: Trotz der schlechten Zahlen bleibt Steffen Baumgart Trainer der Ostwestfalen. Auch in der Länderspielpause blieb es in Paderborn ruhig, auch wenn der Druck inzwischen zunimmt. Baumgart spielte als Mittelstürmer unter anderem für Hansa Rostock, Union Berlin, den VfL Wolfsburg oder Energie Cottbus. Nach einem ersten Engagement als Trainer in Magdeburg wurde Baumgart 2012 Co-Trainer in Rostock, ging später zum Regionalligisten Berliner AK 07.

Nachdem es dort 2016 zur Trennung kam, ging Baumgart im April 2017 zum damaligen Drittligisten Paderborn. Obwohl der SC sportlich in die Regionalliga abgestiegen wäre, blieb der Verein drittklassig, da der TSV 1860 München die Drittliga-Zulassung nicht erhielt. In der Saison darauf führte Baumgart den SCP zum Aufstieg. 2019 stiegen die Paderborner direkt wieder auf - dieses Mal in die Bundesliga.

Die Spielidee: Baumgarts Hintergrund als Mittelstürmer ist unverkennbar. Auch als Trainer lässt er attackieren, will immer offensiv spielen. Baumgart will ein schnelles Umschaltspiel sehen. Im ersten Saisonspiel gegen ebenfalls offensiv ausgerichtete Leverkusener klappte das trotz der 2:3-Niederlage gut. In anderen Spielen, etwa beim 1:5 gegen Schalke, waren die Gegner besser auf das Paderborner System eingestellt und nahmen den SCP in der Schlussphase auseinander.

Auch in Hoffenheim stieß Baumgarts Idee früh an ihre Grenzen. Von der Offensivpower der Vorjahre ist aktuell wenig zu sehen. "Unser Spielsystem funktioniert", meint Baumgart dennoch. Auch Martin Przondziono, Geschäftsführer Sport, hält dies für den richtigen Weg. "Mit dieser Mannschaft anderen Fußball zu spielen, ist eigentlich gar nicht möglich. Wir spielen ja keinen Harakiri-Fußball."

Durch individuelle Fehler machen sich die Paderborner aber das Leben oft selbst schwer. Baumgart setzt auf die Einbindung junger, manchmal noch unerfahrener, dafür aber entwicklungsstarker Spieler. Luca Kilian konnte als Innenverteidiger bereits überzeugen, andere Talente wie Streli Mamba tun sich noch schwer. In der Länderspielpause stellte der SC erstmals sieben Spieler ab. "Das tragen wir nach außen mit Stolz", sagt Przondziono, der langfristig denkt. Der Geschäftsführer ist überzeugt, "dass wir am Anfang einer ziemlich langen Entwicklung sind. Wir stoßen sehr viele Sachen an und gehen komplett in die richtige Richtung".

sid, dpa | Stand: 19.11.2019, 14:24

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