Nagelsmann bändigt den Leipziger Chaos-Fußball

Julian Nagelsmann jubelt

Vor dem Spitzenspiel gegen den FC Bayern

Nagelsmann bändigt den Leipziger Chaos-Fußball

Von Jörg Strohschein

Julian Nagelsmann ist nach Leipzig gekommen, um dem bewusst hergestellten RB-Chaos-Fußball ein wenig mehr Struktur zu geben. Im Spitzenspiel gegen den FC Bayern kann der 32-Jährige überprüfen, wie weit er mit seinem Team auf diesem Weg bereits vorangekommen ist.

Es wirkte nicht wie die üblichen Schmeicheleien, die sich die Protagonisten in der Bundesliga ganz selbstverständlich entgegenbringen - egal wie groß die Konkurrenz auch ist. "Leipzig hat durch die zunehmende internationale Erfahrung und Trainer Julian Nagelsmann Kleinigkeiten dazu bekommen, die die Mannschaft besser machen", sagte Niko Kovac. Der Trainer des FC Bayern weiß schließlich aus mehreren Duellen ganz genau, welch taktische aber auch emotionale Komponente der Trainer von RB Leipzig seinem Team geben kann.

Julian Nagelsmann galt seit seinem ersten Tag auf der großen Bühne als das größte Talent unter den Bundesligatrainern. Bei 1899 Hoffenheim erhielt er einst - mit 28 Jahren - die Chance, als Cheftrainer zu arbeiten. Und diese Chance nutzte er vom ersten Tag an mit einer Mischung aus fundiertem Fachwissen und einem ausgeprägten Selbstbewusstsein.

Erstmals Tabellenführer

Der mittlerweile 32 Jahre alte Nagelsmann ist zu einem etablierten Fußballlehrer in der hiesigen Liga herangereift, der die Offensive liebt - auch verbal. In seinem letzten Jahr in Hoffenheim verkündete er recht kühn: "Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel."

Seine Ankündigung hatte Nagelsmann in Hoffenheim zwar nicht wahr gemacht. Jetzt, in Leipzig, hat die Saison allerdings verheißungsvoll begonnen. Drei Spiele, drei Siege weisen Nagelsmann und seine Sachsen als Tabellenführer auf. Noch nie hatte der junge Trainer mit einem seiner Teams an der Spitze gestanden.

Und wer ihn vor dieser Partie beobachtet, der sieht eine gewisse Zufriedenheit darüber, dass seine Ideen der Teamführung bisher aufgegangen sind. Nagelsmann soll den Leipzigern den entscheidenden Kick geben. Bislang gelingt ihm das ausgesprochen gut.

"Wir haben natürlich noch einen sehr frühen Spieltag. Aber wir haben eine kleine Chance, ein Punktepolster hinzubekommen, was nicht so schlecht wäre", sagt Nagelmann vor der Partie gegen den FCB. "Es geht darum, Punkte zu sammeln gegen Topteams der Liga, was letztes Jahr nicht so gut geglückt ist."

Kontrollierteres Spiel

In der vergangenen Saison gelang den Leipzigern kein Sieg gegen den Rekordmeister (0:0; 0:1). Nagelsmann selbst hat mit Hoffenheim in sechs Partien zwei Siege und ein Remis erzielen können. Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Rekordmeister gibt sich der RB-Coach zuversichtlich. Seine taktischen Veränderungen zu mehr Ballbesitz und einer strukturierteren Vorgehensweise als unter seinem Vorgänger Ralf Rangnick zahlen sich momentan aus.

Das über Jahre bewusst herbeigeführte Leipziger Chaos auf dem Rasen wird nun in einen eher kontrollierbaren Sturm verwandelt. Die Leipziger Spieleröffnungen sollen nun vor allem durch ein zügiges Flachpassspiel vorgetragen weden, das ein wenig den Faktor Zufall beim Spiel in die Spitze eindämmt. Das berüchtigte Pressingspiel der Leipziger soll dabei keinesfalls abgeschafft, sondern leicht modifiziert werden. "Wir spielen jetzt auch einen Tick offensiver", sagt Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer.

Augenhöhe gesucht

Mit diesen Maßnahmen will Nagelsmann auch gegen tiefstehende Gegner unterschiedliche Möglichkeiten schaffen. Denn gerade gegen vehement verteidigende Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen hatten die Sachsen in der Vorsaison größere Probleme und ließen 18 Punkte auf der Strecke liegen. Im ersten ernsthaften Versuch bei Union Berlin (4:0) hat Nagelsmann diesen Ansatz bereits eindrucksvoll umgesetzt.

Gegen die Bayern dürfte sich schon einmal zeigen, ob sich die Leipziger in dieser Spielzeit bereits auf Augenhöhe befinden. "Ich würde schon gerne gewinnen und gehe auch so ins Spiel", sagt der Coach.

In München sind sich die Beteiligten aber schon einig: "Ich denke, dass Leipzig eine Mannschaft ist, die in der Meisterschaft mitreden kann", meinte Bayerns Torjäger Robert Lewandowski - auch dank Julian Nagelsmann.

DFB-Pokal: Das Finale zwischen Leipzig und Bayern - die Tore Sportschau 25.05.2019 03:31 Min. Verfügbar bis 25.05.2020 Das Erste

Stand: 13.09.2019, 09:26

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