Ärger über den Videobeweis - "Es macht keinen Sinn"

Schiedsrichter Bastian Dankert (l.) am Monitor, Franck Ribery

Nach dem Eröffnungsspiel FC Bayern gegen Hoffenheim

Ärger über den Videobeweis - "Es macht keinen Sinn"

Mehr Transparenz und weniger Fehler beim Video-Assistenten hatten DFB und Liga versprochen. Doch schon der 1. Spieltag der neuen Saison gibt Anlass zur Befürchtung, dass die Diskussionen weiter gehen werden.

Für Gesprächsstoff am Eröffnungsabend der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga sorgte auch das weiße Hemd mit Kragennadel von Julian Nagelsmann.

Zu seinem Hemd-Accessoire hatte der Hoffenheimer Trainer nach dem unglücklichen 1:3 seines Teams beim FC Bayern einen doppeldeutigen Kommentar: "Mir ist einige Male der Kragen geplatzt. Mit der Nadel hat es gehalten, aber ein paarmal war es eng."

Nagelsmann sauer: "Wo waren die Video-Assistenten?"

Nagelsmann meinte wohl vor allem die vorentscheidende Szene des Spiels beim Stand von 1:1. Hoffenheims Verteidiger Havard Nordtveit hatte im Strafraum beim Laufduell mit Franck Ribery zur Grätsche angesetzt, der Münchner hob lange vor einer Berührung, "eine halbe Stunde früher" (Nagelsmann), ab und kam zu Fall.

Schiedsrichter Bastian Dankert fiel nicht nur auf Riberys Flugeinlage herein und entschied auf Strafstoß - der keiner war, wie Nagelsmann und auch sein Gegenüber Bayern-Coach Niko Kovac im Anschluss übereinstimmend sagten. Dankert verzichtete auch darauf, die Entscheidung - nach einem offensichtlich alles andere als einem klarem Foulspiel - durch den Video-Assistenten (VAR) überprüfen zu lassen.

Wirbel um den Videobeweis im Eröffnungsspiel

Sportschau 25.08.2018 01:53 Min. ARD

Vor allem dies erhitzte die Gemüter, besonders natürlich auf Hoffenheimer Seite. "Warum das Zustandekommen des Elfmeters nicht kontrolliert wird, ist mir ein Rätsel", wetterte Nagelsmann: "Ich weiß nicht, wo die Videoassistenten da gerade waren, anscheinend waren sie nicht am Platz."

Alaba nach Auftaktsieg zufrieden: "Wie wir es uns vorgestellt haben"

Sportschau 24.08.2018 02:07 Min. ARD

Rosen zweifelt an Entscheidungsträgern bei DFB und DFL

Auch Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen wurde grundsätzlich: "Diese Szene muss man zumindest überprüfen. Da muss ein Hinweis aus Köln kommen, sonst macht es einfach keinen Sinn." Rosen erinnerte daran, dass DFB und DFL vor dem Saisonstart vollmundig Besserung verprochen hatten und die überwiegend positiven Erfahrungen, die bei der WM mit dem Einsatz des Videoassistenten gemacht wurden, auch für den Bundesliga-Betrieb adaptieren wollten.

Nachdem dieser Anspruch gleich wieder vor die Wand gefahren wurde, stellte Rosen nun indirekt die fachliche Eignung der Entscheidungsträger beim DFB und in der Liga infrage: "Wir haben es bei der Weltmeisterschaft gesehen: Da hatten wir einen leitenden Schiedsrichter aus Simbabwe, einen Vierten Offiziellen aus Saudi-Arabien und im Videoraum saß einer aus Uruguay", so Rosen: "Es gab keine Testphase und der Videobeweis wurde zu etwas gemacht, was er sein soll, nämlich eine ganz wunderbare, sinnvolle und gerechte Einrichtung. Und dann haben wir das, was wir heute erlebt haben. Das steht im Gegensatz zu dem, was es sein sollte."

Auch Rummenigge schimpft

Auch Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge sprach den Verantwortlichen für den Videoassistenten Professionalität ab. "Grundsätzlich bin ich ein großer Befürworter des VAR. Ich habe allerdings den Eindruck, dass der DFB bei der Umsetzung professionelle Strukturen aufbauen sollte", sagte Rummenigge in einem Interview auf der FCB-Homepage. Seit zwei Jahren werde an dem Thema gearbeitet, und es laufe nicht wie gewünscht. Es sollte eine Taskforce gebildet werden, die sich darum kümmere, dass bei den Video-Assistenten in Köln "endlich professionell gearbeitet" werde.

Auch auf anderen Plätzen sorgte der Videobeweis für Gesprächsstoff. Zum Beispiel in Wolfsburg, wo Schiedsrichter Patrick Ittrich nach einem groben Foul zunächst die Gelbe Karte zog, ehe er den Schalker Matija Nastasic nach dem Studium der Videobilder mit Rot vom Platz stellte (66.). Bei Wolfsburgs Wout Weghorst lief es kurz darauf genau umgekehrt. Erst sah der Niederländer wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit die Rote Karte. Nachdem Ittrich seine Entscheidung aber erneut überprüft hatte, bekam der Stürmer nur Gelb und durfte weiterspielen (69.).

Schiedsrichter-Kommission verteidigt Entscheidung

Die Schiedsrichter-Kommission des DFB verteidigte das Nichteingreifen des Video-Assistenten bei der umstrittenen Strafstoßszene in München. "Der Video-Assistent hat in dieser Situation zu Recht nicht eingegriffen, denn er soll nur eingreifen, wenn die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist", teilte der DFB mit.

Die Diskussionen über den Videobeweis, so steht es zu befürchten, werden wohl auch in der neuen Saison weitergehen.

Fußball · Bundesliga · 1. Spieltag 2018/2019

Freitag, 24.08.2018 | 20.30 Uhr

Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Kimmich, Süle, Boateng, Alaba – Javi Martinez (67. Goretzka) – Coman (45.+4 Robben), Müller, Thiago, F. Ribéry (83. James Rodríguez) – Lewandowski

3
Wappen 1899 Hoffenheim

1899 Hoffenheim

Baumann – Adams Nuhu (67. Akpoguma), Vogt (74. Nordtveit), Bicakcic – Kaderabek, Bittencourt, Grillitsch, Grifo (46. Zuber), N. Schulz – Joelinton, Szalai

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Müller (23.)
  • 1:1 Szalai (57.)
  • 2:1 Lewandowski (82./Foulelfmeter)
  • 3:1 Robben (90.+1)

Strafen:

  • gelbe Karte Adams Nuhu (1 )
  • gelbe Karte Bittencourt (1 )
  • gelbe Karte Kaderabek (1 )
  • gelbe Karte N. Schulz (1 )
  • gelbe Karte Müller (1 )

Zuschauer:

  • 75.000

Schiedsrichter:

  • Bastian Dankert (Rostock)

Vorkommnisse:

  • Wiederholung des Elfmeters für Bayern München nach Videobeweis (81.). Tor zum 3:1 zurückgenommen nach Videobeweis wegen Handspiels (86.).

Stand: Sonntag, 26.08.2018, 17:52 Uhr

Wappen Bayern München

Bayern München

Wappen 1899 Hoffenheim

1899 Hoffenheim

Tore 3 1
Schüsse aufs Tor 5 5
Ecken 7 2
Abseits 4 2
gewonnene Zweikämpfe 86 74
verlorene Zweikämpfe 74 86
gewonnene Zweikämpfe 53,75 % 46,25 %
Fouls 2 21
Ballkontakte 731 413
Ballbesitz 63,9 % 36,1 %
Laufdistanz 115,42 km 119,28 km
Sprints 235 222
Fehlpässe 69 61
Passquote 87,34 % 76,45 %
Flanken 7 6
Alter im Durchschnitt 28,2 Jahre 25,9 Jahre

red/sid/dpa | Stand: 25.08.2018, 10:15

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